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Brasilien: Hunderttausende demonstrieren gegen Regierung

Foto: Antonio Lacerda/ dpa

Petrobras-Affäre bringt Rousseff in Not Hunderttausende demonstrieren gegen Regierung

Es läuft nicht gut für Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff. In den großen Städten des Landes forderten Hunderttausende ihren Rücktritt. Ein Anlass ist der Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras.
Von mm-newsdesk

Wirtschaftskrise, Schmiergeldskandal - viele Menschen in Brasilien sind unzufrieden mit ihrer Regierung. Am Sonntag gingen Hunderttausende auf die Straße, um Präsidentin Dilma Rousseff ihren Unmut zu zeigen. Alleine in Sao Paulo sprach die Polizei auf ihrem offiziellen Twitter-Account zunächst von 580.000 Teilnehmern, wenig später sogar von einer Million Teilnehmern.

In der Hauptstadt Brasília versammelten sich nach Polizeiangaben 45.000 Menschen vor dem Kongress, in Belo Horizonte, Goiás und anderen Städten waren es jeweils Zehntausende und in Rio 15.000.

Viele Demonstranten kamen in Nationaltrikots und hatten Nationalflaggen, Trillerpfeifen und Plakate dabei. Auf Schildern war zu lesen "Dilma, raus!", "Korruption - wie lange noch?" und "Amtsenthebung für Rousseff!".

Die brasilianische Staatschefin Rousseff kämpft seit geraumer Zeit mit einer Wirtschaftskrise. Zuletzt brachte sie der Skandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras in Erklärungsnot . Nach Angaben eines Ex-Managers des Unternehmens erhielt Rousseffs Arbeiterpartei, die PT, umgerechnet etwa 185 Millionen Euro an Schmiergeldern von Petrobras.

Ermittlungen gegen Dutzende Abgeordnete

Die Staatschefin saß dem Konzern von 2003 bis 2010 vor. Sie betont aber, keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben. Auf obersten Gerichtsbeschluss wird gegen Dutzende Abgeordnete und Senatoren sowie Ex-Minister aus der PT-Regierungszeit ermittelt.

Die Oppositionspartei PSDB unterstützt die jetzigen Proteste, aber nicht die Forderung nach einem "Impeachment", einem Amtsenthebungsverfahren.

An Rios Copacabana kam es am Rande einer Demonstration zu kleinen Rangeleien. Regierungsgegner vertrieben Anhänger der Präsidentin aus dem Demonstrationszug. Erst am Freitag waren Tausende Gewerkschafter und Unterstützer der Regierung in mehreren Bundesstaaten auf die Straße gegangen, um Rousseff und dem Petrobras-Konzern den Rücken zu stärken.

Die Regierung hatte die Gegenproteste vom Sonntag als legitim bezeichnet, aber vor Ausschreitungen gewarnt. Bei den Protesten 2013 war es zu nächtelangen Straßenschlachten zwischen Randalierern und der Polizei gekommen. Damals waren zwischenzeitlich landesweit eine Million Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Korruption zu protestieren. Ebenso wurden damals die hohen Kosten für die Fußball-WM 2014 sowie Missstände im Bildungs-, Gesundheits- und Transportwesen angeprangert.

soc/SPIEGEL ONLINE
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