Südamerika Brasilien und Argentinien prüfen gemeinsame Währung

Um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern, prüfen Argentinien und Brasilien die Einführung einer gemeinsamen Währung. Das Projekt könnte auf andere lateinamerikanische Länder ausgeweitet werden.
Gemeinsame Sache: Argentiniens Regierungschef Alberto Ángel Fernández mit Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva

Gemeinsame Sache: Argentiniens Regierungschef Alberto Ángel Fernández mit Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva

Foto: Fernando Bizerra / EPA

Brasilien und Argentinien streben eine stärkere wirtschaftliche Integration und die Schaffung einer gemeinsamen Währung an. Die Idee war bereits 2019 in beiden Ländern von Politikern diskutiert worden, stieß damals aber auf Vorbehalte der brasilianischen Notenbank. Nun schrieben der neue linksgerichtete brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (77) und sein argentinischer Amtskollege Alberto Ángel Fernández (63) einen gemeinsamen Artikel für die Internetseite der argentinischen Wochenzeitung "Perfil".

Darin steht, sie hätten beschlossen, die Gespräche über eine gemeinsame südamerikanische Währung voranzutreiben, die sowohl für den Finanz- als auch für den Handelsverkehr verwendet werden könne. Dadurch sollten Transaktionskosten sowie die Anfälligkeit beider Länder für externe Einflüsse verringert werden. Argentinien ist der größte Handelspartner Brasiliens in der Region.

Der schon 2019 diskutierte Gedanke einer Währungsunion war vom jetzigen brasilianischen Finanzminister Fernando Haddad (59) im vergangenen Jahr wieder aufgegriffen worden. Während seines Wahlkampfes hatte auch Lula sie erwähnt. Lula, der bereits von 2003 bis 2010 Präsident Brasiliens war, hat nun auch Argentinien als Ziel seiner ersten Auslandsreise im Amt ausgewählt.

Unter der Regierung seines rechtspopulistischen Vorgängers Jair Bolsonaro (67) waren die Beziehungen beider Länder angespannt gewesen. Lulas Reise ins Nachbarland markiert auch die Rückkehr Brasiliens in die Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (CELAC). Brasilien hatte den Staatenbund 2019 auf Anweisung Bolsonaros verlassen, der eine Teilnahme aufgrund der Präsenz Kubas und Venezuelas abgelehnt hatte.

Wirtschaftsorganisation Mercosur stärken

In ihrem gemeinsamen Artikel betonten beide Präsidenten die Notwendigkeit guter Beziehungen zwischen ihren Ländern, um die regionale Integration zu stärken. Hindernisse zwischen beiden Staaten sollten beseitigt, Regulierungen vereinfacht und modernisiert und die Nutzung lokaler Währungen gefördert werden.

Die Staatsoberhäupter wollen auch die südamerikanische Wirtschaftsorganisation Mercosur stärken, der Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay angehören. Brasiliens Finanzminister Haddad hatte zuletzt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos beklagt, diese Gruppierung sei in den vergangenen Jahren regelrecht aufgegeben worden.

Haddad spielte unterdessen am Sonntag die Idee einer gemeinsamen Währung herunter. "Der Handel ist wirklich schlecht, und das Problem sind die Devisen, nicht wahr? Wir versuchen also, eine Lösung zu finden, etwas Gemeinsames, das den Handel ankurbeln könnte", sagte er zu Journalisten bei seiner Ankunft in Buenos Aires im Vorfeld von Lulas Auslandsreise in das Land. Argentinien sei ein wichtiger Abnehmer brasilianischer Industriegüter.

"Sur" statt "Real"?

Es würden mehrere Möglcihkeiten geprüft, um die Währungsprobleme zu umgehen. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen. Er werde die Währungsthematik in den kommenden Tagen klären. "Vor allem, weil einige Leute sagen, dass der Real enden wird", merkte er ironisch an. Der Real ist Brasiliens Landeswährung.

Die "Financial Times" hatte zuvor berichtet, dass die Nachbarländer diese Wochen mit den Vorbereitungen für eine gemeinsame Währung beginnen wollten. Der Plan, der auf einem Gipfel in Buenos Aires erörtert werden solle, werde sich darauf konzentrieren, wie eine neue Währung, die Brasilien "Sur" (Süden) nennen wolle, den regionalen Handel ankurbeln und die Abhängigkeit vom US-Dollar verringern könne. Die Initiative, die zunächst als bilaterales Projekt beginne, solle später auf andere lateinamerikanische Länder ausgeweitet werden.

hr/reuters
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