Freitag, 22. November 2019

Nach Kritik an Abholzung im Amazonas Bolsonaro an Merkel: "Forstet Deutschland wieder auf"

Joair Bolsorano: "Nehmen Sie diese Knete und forsten Sie Deutschland wieder auf"

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat nach dem Stopp deutscher Projekte zum Schutz des Regenwaldes Bundeskanzlerin Angela Merkel empfohlen, das Geld daheim zu verwenden. "Ich möchte auch der geliebten Frau Angela Merkel eine Nachricht hinterlassen: Nehmen Sie diese Knete und forsten Sie Deutschland wieder auf, ok? Dort ist es viel nötiger als hier", sagte Bolsonaro laut Medienberichten am Mittwochabend (Ortszeit) vor der Presse.

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze hatte am Wochenende angekündigt, angesichts der verschärften Abholzung des brasilianischen Regenwaldes Fördermittel ihres Hauses auf Eis zu legen. Die deutsche Beteiligung am internationalen Amazonasfonds über das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) ist davon nicht betroffen.

Der rechtsgerichtete Präsident Bolsonaro, der Anfang 2019 ins Amt kam, will in der Amazonasregion keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und mehr Rodungen zulassen. Berichten zufolge hat die Abholzung in diesem Jahr stark zugenommen. Der Amazonasurwald gilt als eine "grüne Lunge" der Welt.


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Deutschland hat rund 114.000 Quadratkilometer Wald, das entspricht etwa 32 Prozent der Landesfläche. In den vergangenen zehn Jahren hat die Waldfläche in Deutschland leicht zugenommen. Auch wenn Umweltschützer ebenfalls einfordern, wegen des Klimawandels mehr Flächen für Wälder bereitzustellen, spielt Deutschland alleine von der Fläche her nur eine geringe Rolle.

Im Gegensatz dazu gilt der Amazonas-Regenwald als "Lunge der Erde". Er erstreckt sich über 5,5 Millionen Quadratkilometer auf neun Länder. 60 Prozent der Fläche liegen in Brasilien. Nach Angaben des brasilianischen Weltrauminstituts INPE ist die Abholzung in den ersten sieben Monaten in diesem Jahr um 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Demnach wurden von Januar bis Juli 4700 Quadratkilometer abgeholzt. Die gerodeten Flächen werden meist zunächst als Weideland genutzt, anschließend für den Anbau von Soja. Brasilien ist sowohl der größte Exporteur von Soja als auch von Rindfleisch.

dpa/akn

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