Rekord privater Vermögen Reich, reicher, Corona-Krise

Auf 250 Billionen Dollar ist das private Finanzvermögen laut der Boston Consulting Group angeschwollen. Deutschland ist drittwichtigster Standort der Superreichen. Vermögensverwalter seien aber schlecht gerüstet für die Bedürfnisse der neuen Reichen.
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Foto: ADRIAN DENNIS / AFP

Die Menschen rund um den Globus haben einer Studie zufolge im Corona-Krisenjahr 2020 in der Summe so viel Reichtum angehäuft wie nie zuvor. Das private Finanzvermögen stieg gegenüber dem Vorjahr um gut 8 Prozent auf den Rekordwert von 250 Billionen Dollar (rund 205 Billionen Euro), wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervorgeht. Dazu trugen steigende Börsenkurse und wachsende Ersparnisse bei.

Erstmals berücksichtigte BCG auch Sachwerte wie Grundbesitz oder Gold. Das Gesamtvermögen abzüglich Schulden belief sich so auf 431 Billionen Dollar. Das Vermögen ist jedoch ungleich verteilt. Vor allem der Klub der Reichen und Superreichen wuchs kräftig.

In Deutschland stieg das private Finanzvermögen unter anderem aus Bargeld, Kontoguthaben, Aktien, Pensionen und Lebensversicherungen den Angaben zufolge um rund 6 Prozent auf rund neun Billionen Dollar. Das Sachvermögen erhöhte sich um 5 Prozent auf 13 Billionen Dollar. Abzüglich der Schulden besaßen die privaten Haushalte in Deutschland insgesamt knapp 20 Billionen Dollar.

Vermögensverwalter nicht gerüstet

"Traditionell investieren die Deutschen lieber in Immobilien als in Wertpapiere, das zeigt die Sachwertquote von knapp 60 Prozent deutlich", analysierte Anna Zakrzewski, BCG-Partnerin und Autorin der Studie. "Gleichzeitig sparen Anleger in Deutschland überdurchschnittlich stark." Viele Menschen hielten in der Krise ihr Geld zusammen, zudem bremsten die zeitweisen Schließungen im Einzelhandel und Reisebeschränkungen den Konsum.

BCG zufolge sind viele Vermögensverwalter nicht gerüstet, die nächste Generation von Ultrareichen zu betreuen. Diese Personen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren hätten einen längeren Anlagehorizont, eine größere Risikobereitschaft und oft den Wunsch, mit ihrem Vermögen nicht nur solide Renditen zu erzielen, sondern auch etwas für die Gesellschaft zu bewirken. "Die wachstumsstarken Märkte stellen eine riesige Chance dar, aber die Vermögensverwalter müssen ein echtes Verständnis für die lokalen Unterschiede und auch für wichtige demografische Veränderungen entwickeln", erklärte Zakrzewski. Beispielsweise seien inzwischen 12 Prozent der Ultrareichen Frauen.

Für die Branche macht Zakrzewski zudem Personen mit einem Vermögen zwischen 100.000 und drei Millionen Dollar sowie Rentner als attraktive Zielgruppen aus. Diese beiden Gruppe verfügten über 59 beziehungsweise 29,3 Billionen investierbares Vermögen. Und Kunden mit einfachen Investitionsbedürfnissen würden oft schlecht mit standardisierten Produkten betreut. "Dies ist im Grunde eine verpasste Chance", erklärte Zakrzewski.

2900 Superreiche in Deutschland

Die Zahl der Dollarmillionäre hierzulande erhöhte sich den Angaben zufolge um 35.000 auf 542.000. Das Beratungsunternehmen führte den Anstieg auch auf die Entwicklung des Eurokurses zurück, der im Vergleich zum Dollar zugelegte. Das machte sich bei der Umrechnung in die US-Währung bemerkbar. Weltweit besaßen den Angaben zufolge 26,6 Millionen Menschen ein Finanzvermögen von einer Million Dollar und mehr, das waren 1,8 Millionen mehr als im Vorkrisenjahr.

Der Klub der Superreichen mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar wuchs im Krisenjahr weltweit um 6000 auf rund 60.000 Mitglieder. Diese besitzen den Angaben zufolge 15 Prozent des weltweit investierbaren Vermögens. In Deutschland leben demnach 2900 Superreiche, Platz drei im globalen Ranking. An der Spitze stehen die USA, gefolgt von China.

Die USA führten auch insgesamt das weltweite Vermögensranking an mit 136 Billionen Dollar, gefolgt von Asien ohne Japan (111,9 Billionen) und Westeuropa (103 Billionen). Für die kommenden Jahre rechnet BCG angesichts der erwarteten Konjunkturerholung nach der Corona-Krise mit einem stetigen Wachstum des weltweiten Privatvermögens. Bis 2025 dürfte es um jährlich durchschnittlich knapp 5 Prozent auf dann 544 Billionen Dollar zulegen. Reicher werden der Prognose zufolge in der Summe vor allem Menschen in Nordamerika, Asien ohne Japan und Westeuropa.

ak/dpa-afx, Reuters