Peking greift durch Börsengänge chinesischer Firmen im Ausland künftig genehmigungspflichtig

Peking macht Ernst: Chinesische Unternehmen, die im Ausland an die Börse streben, müssen sich ihre Pläne künftig von den Aufsichtsbehörden absegnen lassen. Erste Firmen prüfen nun die Absage ihrer IPOs.
Rückschlag auch für den IPO-Markt in den USA: Aufgrund der neuen Vorgaben werden sich nun weniger Unternehmen an die Wall Street trauen

Rückschlag auch für den IPO-Markt in den USA: Aufgrund der neuen Vorgaben werden sich nun weniger Unternehmen an die Wall Street trauen

Foto: Mark Lennihan/ AP

China verschärft die Regeln für einen Börsengang heimischer Unternehmen im Ausland. Unternehmen mit Daten von mehr als einer Million Nutzern müssen sich künftig einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen, bevor sie an einem Aktienmarkt im Ausland Anteilsscheine ausgeben dürfen, wie die nationale Cyberspace-Aufsicht (CAC) am Samstag miteilte. Dabei werde im Fokus stehen, ob die Daten nach einem Börsengang im Ausland von ausländischen Regierungen beeinflusst, kontrolliert oder manipuliert werden könnten. Peking hatte bereits vor wenigen Tagen eine deutlich schärfere Kontrolle von im Ausland an der Börse gehandelten chinesischen Unternehmen angekündigt, aber noch keine Details dazu veröffentlicht.

Erstes Opfer der neuen härteren Gangart war der chinesische Fahrdienstvermittler Didi. Nur wenige Tage nach dessen milliardenschwerem US-Börsendebüt hatte die CAC die App des Uber-Rivalen mit Verweis auf die nationale Sicherheit für den Download gesperrt. Als Grund wurden schwere Verstöße bei der Sammlung und Nutzung persönlicher Daten durch das Unternehmen genannt. Die Aktie des Unternehmens brach daraufhin ein.

Die Ankündigung, dass sich chinesische Firmen künftig Pläne für einen Börsengang im Ausland absegnen lassen müssen, könnte den IPO-Markt in den USA empfindlich treffen. Zumal auch die chinesische Finanzaufsicht CSRC bereits börsennotierte Firmen genauer unter die Lupe nehmen will. "Der US-Markt ist tabu, zumindest für den Moment", sagt Fred Hu, Vorsitzender der Investmentfirma Primavera Capital Group. "Chinesische Unternehmen, die bereits eine Börsennotierung in den USA planen, schieben angesichts zunehmender Unsicherheit und Verwirrung ihre Pläne auf oder geben diese sogar ganz auf."

In den vergangenen zehn Jahren waren die USA für chinesische Unternehmen eine wichtige Finanzierungsquelle. Dem Datenanbieter Refinitiv zufolge wurde seit Jahresbeginn bei insgesamt 34 Emissionen die Rekordsumme von 12,5 Milliarden Dollar eingesammelt. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich vierzehn Debüts mit einem Gesamtvolumen von 1,9 Milliarden Dollar.

Die härtere Gangart Chinas zeigt offenbar bereits Wirkung. Der chinesische Datendienstleister aus dem Medizinbereich Link Doc lässt Insidern zufolge seinen Traum von der Wall Street platzen. Die 211 Millionen Dollar schwere Emission werde nicht stattfinden, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Eigentlich sollte der Ausgabepreis der Aktien diese Woche festgelegt werden. Link Doc wollte 10,8 Millionen Aktien anbieten, die Preisspanne hatte zwischen 17,50 und 19,50 Dollar gelegen. Einige Börsenkandidaten werden nun die neuen Beschränkungen umgehen wollen und ihr Heil am Finanzplatz Hongkong suchen, sagen Banker. In Erwartung dessen zogen die Aktien des dortigen Börsenbetreibers HKEX bereits deutlich an.

mg/Reuters
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