Bitcoin und die Alternativen der Zentralbanken Wie digitales Geld smarter wird

So genannte Block Erupter: Bitcoin-"Schürfwerkzeug" für die Geldschöpfung zu Hause

So genannte Block Erupter: Bitcoin-"Schürfwerkzeug" für die Geldschöpfung zu Hause

Foto: © Stephen Lam / Reuters/ REUTERS

Schnell reich werden - wer diesem Traum anhängt, hatte zuletzt mit digitalen Währungen eine gute Wahl. Ein Bitcoin, vor einem Jahr für 500 Euro gekauft, notiert heute an den einschlägigen Börsen mit Kursen um 2500 Euro. Noch plötzlicher ist Ether, die Geldeinheit des Ethereum-Netzwerks, seit Jahresbeginn von weniger als 10 auf mehr als 300 Euro gesprungen. Märchenhafte Renditen, noch gewürzt mit dem Gefühl, zur digitalen Avantgarde zu gehören.

Das Dumme daran: Um den Reichtum auch zu genießen, muss man das digitale Geld in aller Regel doch wieder in Euro oder Dollar umtauschen. Denn sein Nutzen als Zahlungsmittel ist arg begrenzt.

Zum einen, weil nur wenige Händler in der echten Welt, ob analog oder digital, überhaupt Bitcoin gegen Ware akzeptieren - und von denen auch etliche wieder abgesprungen sind. Zum anderen aber auch, weil mit zunehmender Komplexität der in jeder Transaktion aufzurufenden Datensammlung der Rechenaufwand und die nötige Zeit steigen. Eine Zahlung zu bestätigen, kann Stunden oder gar Tage dauern.

Und nicht zuletzt, weil das irre Auf und Ab der Preise eine Kalkulation unmöglich macht. Ethereum erlitt am Mittwoch einen "Flash Crash", in dem der Ether-Preis kurzzeitig fast auf null einbrach, sich dann aber rasch wieder erholte. Von den zahlreichen Betrugsfällen und Zusammenbrüchen in der jungen Bitcoin-Geschichte ganz zu schweigen.

Je erfolgreicher, desto unbrauchbarer

Das Paradox: Je erfolgreicher die Kryptowährungen als digitales Gold - man könnte auch sagen, als rein spekulatives Investment - sind, desto weniger eignen sie sich als Alternative zu herkömmlichem Geld im Alltag. Die Preise müssen einigermaßen stabil sein, um abschätzen zu können, was der Brötchenkauf, der Tankstopp oder gar der Wohnungskauf für die Haushaltskasse bedeuten. Bei Euro oder Dollar sorgen dafür die Zentralbanken.

Bitcoin, Ethereum und Co. halten stattdessen die Geldmenge stabil. Das ist von ihren Schöpfern so gewollt, als bewusstes Gegenmodell zu einer zentralen Instanz, die das Geldangebot der Nachfrage anpasst und so den Markt im Gleichgewicht hält.

Die hinter Bitcoin stehende Blockchain-Datenbank beispielsweise ist so designt, dass nie mehr als 21 Millionen Bitcoins geschaffen werden können. Aktuell sind bereits mehr als 16 Millionen in Umlauf, die Geldschöpfung wird immer langsamer - Grund genug dafür, dass Bitcoins teurer werden. Stabile Menge, flexibler Preis: das Gegenteil des etablierten Modells.

Zentralbankkonten für Bürger - Banken würden überflüssig

Zentralbanker und Volkswirte fragen sich nun, ob die Anarchokapitalisten mit ihrem Kryptogeld ihnen ernsthaft Konkurrenz machen könnten. Wohl kaum, erklärt Tony Yates, Professor in Birmingham und früher Ökonom der Bank of England, im Alphaville-Blog der "Financial Times" : "Bitcoin ist als Geld unpraktisch." Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass sich ein ähnliches Modell doch durchsetzen könnte, sollte sich die Welt wappnen. Denn darin sähe er eine große Gefahr.

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Eine Bitcoin-Wirtschaft wäre aus Yates' Sicht dramatisch instabiler und krisenanfälliger als die jetzige ohnehin schon ist. Wegen des starren Geldangebots würden kleine Nachfrageschocks schnell zu hoher Arbeitslosigkeit führen. Da die digitale Währung an keine Ländergrenzen gebunden ist, würde alles noch schlimmer. Schon die Euro-Zone sei ja kein "optimaler Währungsraum", die ganze Welt erst recht nicht. Globales Geld, warnt Yates, würde permanent für manche Volkswirtschaften zu üppig und für andere zu knapp sein.

Geld ist sowieso längst digital

Theoretisch ließe sich die Technologie schon ändern, um diesen Mängeln zu begegnen. Das aber würde auf eine zentrale Instanz hinauslaufen, um die Geldmenge zu steuern - und damit kämen wieder Zentralbanken oder ähnliche Gebilde, die nur anders heißen, ins Spiel.

Digitales Geld gebe es ja schon längst, bemerkt Yates. Der Großteil der umlaufenden Euros und Dollars hat die Gestalt von Bits und Bytes. Scheine und Münzen sind nur noch eine monetäre Randerscheinung.

Um eigene digitale Währungen einzuführen, müssten EZB und Fed nicht mehr tun, als Bürgern und Unternehmern die Eröffnung eigener Zentralbankkonten ohne Umweg über Geschäftsbanken anzubieten. Dadurch würde die Geldwirtschaft billiger, sicherer (in dem Sinn, dass sich niemand mehr vor einer Bankpleite sorgen müsste) und schneller. Doch auch das findet Tony Yates riskant. Ohne den Puffer der Banken, die Einlagen sammeln und Kredite ausgeben, könnten Booms und Krisen verstärkt werden.

Dieses Buzzword soll laut Bundesbank Bitcoin vergessen machen

Der kanadische Finanzblogger JP Koning  schlägt eine Alternative namens "Fedcoin" vor. Wer sich allein auf Zentralbankkonten stütze, mache das System aufwändig und störungsanfällig. Jede Transaktion verlange dann eine Verbindung zwischen den Zahlungspartnern und der Zentralstelle. Ein Stromausfall oder Serverzusammenbruch, und schon wäre die Zahlung unmöglich.

Das würde entfallen, wenn das digitale Geld als "Token" ausgegeben würde und den Besitzer wechseln könnte, ohne die Zentralbank einzuschalten - ähnlich, wie es heute mit Bargeld funktioniert und was auch einer der Vorteile von Bitcoin ist. Die Zentralbank solle nur die Menge der Tokens kontrollieren, indem sie allein welche erzeugen kann. Nach Konings Vorstellung würden die Fedcoins 1:1 als Ersatz für Bargeld oder Zentralbankreserven geschaffen und könnten umgekehrt auf dem gleichen Weg auch wieder aus dem Verkehr gezogen werden.

Mitte Juni sorgte für Aufsehen, dass sogar Bundesbankchef Jens Weidmann über digitales Zentralbankgeld als Option sprach. Allerdings lehnte er diese Option in seiner Rede  ziemlich deutlich ab. Am liebsten würde er das Geldsystem so lassen, wie es ist, und die digitale Technik nur nutzen, um es zu verbessern.

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"Instant Payment ist hier das Buzzword", sagte Weidmann. Damit ist die Möglichkeit gemeint, Geld per Kurznachricht oder soziale Medien zu überweisen. Dann ersparen Facebook, Apple oder diverse Startups die Einwahl bei der Bank - eine praktische Innovation, die Zeit und Kosten spart. "Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass dies das Interesse der meisten Bürger an digitalen Währungen senken wird."

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