Nächster US-Präsident Biden warnt Amerikaner vor 250.000 weiteren Corona-Toten

Bis der neue US-Präsident sein Amt antritt, wird die Zahl der Corona-Toten drastisch steigen. Joe Biden wendet sich mit einem deutlichen Appell an seine Landsleute. Zugleich drängt die US-Notenbank auf ein neues Hilfspaket.
"Verstehen Sie die Fakten": Der kommende US-Präsident Joe Biden warnt seine Landsleute

"Verstehen Sie die Fakten": Der kommende US-Präsident Joe Biden warnt seine Landsleute

Foto: LEAH MILLIS / REUTERS

Noch ist er nicht im Amt, doch wenn der kommende US-Präsident Joe Biden (78) Ende Januar die Amtsgeschäfte übernimmt, wird die Corona-Pandemie auf ihren Höhepunkt zulaufen - trotz der dann wohl auch in den USA längst gestarteten Impfkampagnen. Das weiß und fürchtet Biden zugleich. Deshalb warnte er am Mittwoch die US-Amerikaner vor dramatisch steigenden Todeszahlen und rief sie eindringlich zu Schutzmaßnahmen auf.

"Ich will niemandem Angst einjagen, aber verstehen Sie die Fakten: Wir werden zwischen jetzt und Januar wahrscheinlich weitere 250.000 Menschen verlieren", sagte Biden am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Onlineveranstaltung mit Mitarbeitern und Besitzern kleiner Unternehmen. "Verstehen Sie mich? Weil die Menschen nicht aufpassen." Die Ausbreitung des Virus müsse eingedämmt werden.

Biden machte keine Angaben dazu, worauf er seine Schätzung von 250.000 weiteren Toten begründet. Nach Statistiken der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore hat das Coronavirus seit Beginn der Pandemie mehr als 270.000 Menschen in den USA das Leben gekostet.

Ein Modell von Forschern des Instituts IHME der Universität Seattle im US-Bundesstaat Washington rechnet im Fall gelockerter Schutzmaßnahmen mit mehr als 502.000 Toten bis Ende Januar, im Fall schärferer Schutzmaßnahmen mit mehr als 367.000. Dieses Modell wurde in der Vergangenheit auch mehrfach vom Weißen Haus angeführt.

"Dezember und Januar und Februar werden hart"

Der Chef der Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield (69), sagte bei einer Veranstaltung der US-Handelskammer am Mittwoch: "Unglücklicherweise glaube ich, dass wir vor Februar in der Nähe von 450.000 Virus-Toten sein könnten." Das sei aber nicht ausgemacht, sondern hänge davon ab, inwiefern sich die Amerikaner an Schutzmaßnahmen hielten. "Die Realität ist: Dezember und Januar und Februar werden hart sein. Ich glaube sogar, dass es die schwierigsten Zeiten in der öffentlichen Gesundheitsgeschichte dieser Nation sein werden."

Im Amtssitz des scheidenden Präsidenten Donald Trump hält man trotz der CDC-Warnungen an Feiern über die Weihnachtstage fest, wie die Sprecherin des Weißen Hauses am Mittwoch deutlich machte. Die Feiern würden verantwortungsvoll und mit Schutzmaßnahmen abgehalten, betonte sie. Trump hat die Bedrohung durch das Virus immer wieder heruntergespielt.

Die Gesundheitsbehörde CDC rät von Reisen und Familienbesuchen rund um alle Feiertage im Dezember dringend ab. Bereits zu Thanksgiving in der vergangenen Woche hatte die CDC von Familienbesuchen und Reisen dringend abgeraten. Viele Menschen hielten sich jedoch nicht daran.

US-Notenbank-Chef drängt auf neues Hilfspaket

Der Präsident der amerikanischen Notenbank Fed hat US-Parlamentarier zur Zustimmung für ein weiteres staatliches Hilfspaket im Kampf gegen die Folgen der Corona-Krise gedrängt. Es gebe viele Bereiche der Wirtschaft die weitere Hilfe gebrauchen können, sagte Jerome Powell (67) am Mittwoch bei einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Kongresses. Zuvor hatte er neben anderen US-Notenbankern immer wieder neue staatliche Hilfen angemahnt.

Der künftige US-Präsident Joe Biden und die Führung der Demokraten im Kongress haben sich für die Verabschiedung eines weiteren Corona-Konjunkturpakets bis zum Jahresende ausgesprochen. Das Paket solle mit der Unterstützung beider Parteien noch vom aktuellen Kongress beschlossen werden. Es ist jedoch unklar, ob sich Demokraten und Republikaner auf ein Programm einigen können. Beide Parteien hatten schon vor den Präsidentschaftswahlen über ein Programm gestritten.

Mehr als 100.000 Corona-Patienten in Krankenhäusern

Die Zahl der Neuinfektionen in den USA war zuletzt weiter gestiegen, die Zahl der binnen 24 Stunden erfassten Corona-Toten erreichte am Dienstag mit 2597 einen neuen Höchststand seit Mitte April. Insgesamt haben sich in dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern mehr als 13,7 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Seit Beginn der Pandemie starben mehr als 270.000 Menschen, die sich mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt hatten. In absoluten Zahlen gemessen sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Auch die Zahl der stationär behandelten Covid-19-Patienten ist in den USA auf einem Höchststand. Nach Angaben des Covid-Tracking-Project vom Mittwochabend mussten landesweit erstmals mehr als 100.000 Patienten im Krankenhaus behandelt werden. CDC-Chef Redford begründete seine eindringliche Warnung auch mit der Belastung des Gesundheitssystems in den US-Bundesstaaten.

rei/dpa-afx
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