Better Ventures Gründerclub will mit Weltverbesserung Geld verdienen

Ein Zusammenschluss bekannter Gründer will künftig gemeinsam in junge Start-ups mit nachhaltigem Geschäftsmodell investieren. Für die Turbowachstum gewöhnte Szene ist der Ansatz eher ungewöhnlich.
Engelslächeln: Die Better-Ventures-Gründer Christoph Behn, Tina Dreimann und Cedric Duvinage (v.r.n.l.) haben sich bei der Unternehmensberatung Bain kennengelernt. Behns Hunde (rechts) stießen später dazu.

Engelslächeln: Die Better-Ventures-Gründer Christoph Behn, Tina Dreimann und Cedric Duvinage (v.r.n.l.) haben sich bei der Unternehmensberatung Bain kennengelernt. Behns Hunde (rechts) stießen später dazu.

Foto: Yotam Sandak

Auf der Suche nach mehr Sinn: Unter dem Dach des nachhaltigkeitsorientierten Wagniskapitalgebers Better Ventures haben sich über 30 Unternehmer zusammengeschlossen, um künftig gemeinsam in sogenannte Impact-Start-ups zu investieren. "Wir wollen Gründer unterstützen, die echte Probleme lösen", sagte Christoph Behn (42), einer der Initiatoren. Es geht ihm dabei nicht um Philanthropie: Er sei davon überzeugt, sagt Behn, dass man mit nachhaltigen Geschäftsmodellen langfristig mehr Gewinn machen könne als mit konventionellen.

In seinem Verbund finden sich bekannte Namen wie Stephen Weich, CEO des Lieferdienstes Flaschenpost , Paul Schwarzenholz, Mitgründer des Parfümversenders Flaconi, und Anne und Stefan Lemcke, Gründer des Gewürzherstellers Ankerkraut. Behn gibt an, dass die Gruppe einen hohen zweistelligen Millionenbetrag zur Verfügung habe. Er selbst wolle zunächst fünf Millionen Euro beisteuern. Better Ventures agiert dabei als sogenannter Angel Club: Nachdem sich Gründer mit ihrer Idee vorgestellt haben, bekommt jedes Mitglied die Chance auf eine Beteiligung. Fokus sind junge Start-ups in der Frühphase.

Neben Behn stehen Tina Dreimann (39) und Cedric Duvinage (34) hinter dem Unternehmen. Die Drei kennen sich aus ihrer Zeit als Unternehmensberater bei Bain & Company. Das Buzzword Nachhaltigkeit fassen sie relativ weit. "Uns geht es nicht nur um Klimaschutz oder Diversity", sagt Dreimann. Better Ventures unterstütze etwa auch Bildungs- oder Gesundheits-Start-ups. "Für uns ist Biontech das beste Beispiel dafür, was ein Impact-Start-up leisten kann." Eines ihrer ersten Investments war eine Beteiligung an Everdrop aus München, einem Hersteller von nachhaltigen Putzmittel-Tabs.

Behn hat bereits selbst Erfahrung als Gründer gesammelt, kam jedoch zunächst ohne Investoren aus. Anfang des Jahres kaufte die Private-Equity-Gesellschaft EMZ Partners 34 Prozent der Anteile seines Grußkarten-Start-up Kartenmacherei (300 Mitarbeiter, gut 50 Millionen Euro Umsatz). Er blieb Hauptgesellschafter, hatte sich aber bereits vor mehr als einem Jahr aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Er wolle nun an etwas arbeiten, "bei dem es nicht nur ums Geld geht", sagt Behn.

Auch wenn die Anzahl nachhaltiger Start-up-Fonds und -Klimainitiativen zuletzt zunahm, fristen Modelle wie Better Ventures oder der kürzlich angekündigte World Fund der Öko-Suchmaschine Ecosia noch ein Nischendasein. Viele Ikonen der Tech- und Gründerszene sind mit Rücksichtslosigkeit groß geworden – und waren lange stolz darauf. Rocket Internet, Uber oder Facebook sind da nur die bekannteren Beispiele. Die meisten Wagniskapitalgeber setzen bis heute vor allem auf schnell wachsende, skalierbare Geschäftsmodelle, deren gesellschaftlicher Nutzen mindestens fraglich ist . Schließlich versprechen sie ihren Investoren fürstliche Renditen.

Das gilt auch für Deutschland. So zählen zu den großen Erfolgen der letzten Jahre Lieferdienste (Delivery Hero, Gorillas), Modeversender (Zalando, About You) oder der Gebrauchtwagenvermittler Auto1. Die Berliner Digitalbank N26 konnte erst kürzlich 900 Millionen US-Dollar einsammeln, obwohl CEO Valentin Stalf Betrug und Geldwäsche in seinem Unternehmen einstweilen nicht in den Griff bekommt.

Immerhin: Beim vergleichsweise schnell wachsenden Everdrop waren zuletzt auch klassische Wagniskapitalgeber wie Holtzbrinck Ventures oder Felix Capital eingestiegen. Die Gründer konnten innerhalb kürzester Zeit mehr als zehn Millionen Euro einsammeln.

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