Dienstag, 28. Januar 2020

42.000 Klagen gegen Bayer Zwei Glyphosat-Prozesse verschoben, Feinberg drängt auf Vergleich

Bayer-Chef Baumann: Geld vernichtet mit Monsanto

Zwei bisher für Januar angesetzte Glyphosat-Prozesse gegen Bayer sind verschoben worden, um dem Leverkusener Konzern mehr Zeit für Vergleichsverhandlungen mit den Klägern zu geben. Eine Verhandlung, die am 15. Januar vor dem Gericht im kalifornischen Lake County beginnen sollte, sei im Einverständnis mit den Klägern um etwa sechs Monate verschoben worden, bestätigte ein Bayer-Sprecher am Freitag. Ein zweiter, für den 21. Januar angesetzter Prozess im Gerichtsbezirk Alameda County sei ebenfalls bis auf weiteres ausgesetzt worden. Das gebe den Parteien mehr Zeit, "sich konstruktiv am Mediationsprozess zu beteiligen". Alle noch fürs laufende Jahr geplanten Prozesse waren bereits nach hinten verlegt worden.

Der Konzern sieht sich allein in den USA mit insgesamt 42.700 Klagen zu den Folgen des Einsatzes des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters konfrontiert. In den ersten drei Urteilen war Bayer vor US-Gerichten jeweils zur Zahlung von zweistelligen Millionen-Dollar-Beträgen verurteilt worden. Die Klagewelle hat sich Bayer mit der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto ins Haus geholt.

Es wird erwartet, dass sich Bayer am Ende auf einen Vergleich einlässt, obwohl der Konzern darauf pocht, dass Forscher und Zulassungsbehörden das Mittel bei sachgemäßer Anwendung für unbedenklich erklärt haben. Analysten schätzen, dass sich Bayer eine Beilegung der Klagen acht bis zwölf Milliarden Dollar kosten lassen könnte. Als Mediator fungiert der US-Staranwalt Ken Feinberg.

Jagd auf Bayer: Wie die US-Klageindustrie Bayers Geschäftsmodell zerschießt

Bayer hat Vergleiche bisher abgelehnt und beruft sich auf Gutachten

Bayer betont weiterhin die Sicherheit glyphosatbasierter Herbizide und beruft sich auf zahlreiche Studien. Der Dax Börsen-Chart zeigen -Konzern geht gegen die Urteile vor und hat Vergleiche mit den Klägern bisher abgelehnt: Vergleiche mit den inzwischen mehr als 40.000 Klägern auf Basis der ersten Urteile dürften Bayer Milliarden Dollar kosten. Andererseits dürfte die Klagewelle in den USA den Dax-Konzern auf Jahre hinaus lähmen, sollten die Prozesse bis zur letzten Instanz durchgefochten werden.

Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan geht davon aus, dass die Zahl der Klagen weiter steigen wird - zumal die US-Klageindustrie auf Hochtouren läuft und unter anderem in TV-Spots um weitere Kläger gegen Bayer wirbt. Vosser rechnet mit Belastungen für Bayer von 5 Milliarden Euro.

Bayer streicht weltweit 12.000 Stellen, 4500 davon in Deutschland

Auch wegen des milliardenteuren Debakels in den USA will der Pharma- und Chemiekonzern Bayer Börsen-Chart zeigen in Deutschland 4500 Stellen abbauen. Wie das Unternehmen bereits im November angekündigt hatte, sollen weltweit insgesamt 12.000 von 118.000 Arbeitsplätzen wegfallen. In Deutschland waren zum Jahreswechsel 32.100 Mitarbeiter beschäftigt. Die "Rheinische Post" hatte zuvor über die Pläne für Deutschland berichtet. In dem Konzern sind in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 ausgeschlossen. Um die Stellenzahl zu verringern, setzt das Unternehmen daher auf Abfindungen, Altersteilzeit und Abgänge durch die übliche Fluktuation.


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Bayer befindet sich in einer schwierigen Phase. Die Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto droht zu einem Desaster zu werden - die US-Klageindustrie hat den deutschen Konzern nach der Übernahme als lohnenswertes Ziel für Schadenersatzklagen wegen des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat entdeckt, der in den USA seit vielen Jahren im Einsatz ist. Nun, da der Hersteller Monsanto von Bayer übernommen ist, werden den Klägern vor Gericht Schadenersatzansprüche in Millionenhöhe zugesprochen.

Absturz der Aktie

Der Aktienkurs von Bayer Börsen-Chart zeigen notiert derzeit unter 70 Euro, seit dem Rekordhoch im Frühjahr 2015 hat die Aktie mehr als 50 Prozent an Wert verloren. Der Börsenwert des Konzerns liegt inzwischen unter den rund 63 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro), die die Leverkusener sich den Monsanto-Kauf hatte kosten lassen. Es seien Belastungen durch die Causa Glyphosat in Höhe von 40 Milliarden Euro in den Kurs eingepreist, glaubt Analyst Alistair Campbell vom Investmenthaus Liberum.

Anleger fragen sich aber weiter, ob Bayer die Risiken der bislang teuersten Auslandsübernahme eines deutschen Unternehmens unterschätzt hat. Trotz aller Probleme verteidigt Bayer-Chef Werner Baumann die Übernahme.

la/dpa/reuters

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