Konstante Niedrigzinsen Die riskante Zinswette der Bank of Japan

Während Fed und EZB die Zinsen anheben, um die Inflation in den Griff zu bekommen, widersetzt sich der japanische Notenbankchef dem globalen Trend. Allerdings mit hohem Risiko: Der Yen wertet massiv ab.
Immer locker bleiben: Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda

Immer locker bleiben: Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda

Foto: Franck Robichon/ dpa

Zwei Tage dauerten jüngst die Beratungen der Bank of Japan. Dann gab ihr Generaldirektor Haruhiko Kuroda (77) bekannt, dass sich nichts an der ultralockeren Zinspolitik der japanischen Zentralbank ändern werde. Die langfristigen Zinssätze bleiben bei 0,0 Prozent, die kurzfristigen Zinsen sogar bei minus 0,1 Prozent. Zudem werde man weiterhin an dem Kauf von Staatsanleihen festhalten, so der Notenbankchef.

Soweit nichts Neues, denn Kuroda steht seit seinem Amtsantritt 2013 für eine enorme Geldschwemme seitens der Bank of Japan. Verantwortet wurde dieser Kurs auch vom zweimaligen Premierminister Shinzō Abe (67), der stets versucht hatte, die lange Zeit schwächelnde japanische Wirtschaft durch Konjunkturprogramme sowie eine lockere Geldpolitik zu stimulieren. Kuroda, von 1999 und 2003 bereits Vizefinanzminister der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt , unterstützt diese auch als "Abenomics" bezeichnete Politik seit fast zehn Jahren.

Doch in diesem Jahr haben sich die globalen Umstände grundlegend geändert. Die westlichen Länder leiden unter hohen Inflationsraten und ändern daher ihre zuvor ebenfalls lockere Geldpolitik. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist dabei mit ihrer kürzlich erfolgten dritten Zinsanhebung, diesmal gleich um 75 Basispunkte auf die neue Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent, bereits weiter als die Europäische Zentralbank (EZB), die für Juli ihre erste Zinserhöhung seit mehr als zehn Jahren angekündigt hat. Sicher scheint, dass die Zinsen mittelfristig noch weiter nach oben korrigiert werden. Und auch die Notenbanken Großbritanniens und der Schweiz erhöhten zuletzt ihre Leitzinsen.

Sich diesem Trend anzuschließen, ist für die Bank of Japan zumindest offiziell noch kein Thema. Starr wird an der Niedrigzinspolitik festgehalten und dabei auf eine Preissteigerung hingewiesen, die in Japan mit rund 2 Prozent klar unter den jenseits der 8 Prozent liegenden Werten der westlichen Industrienationen notiert. In Japan fürchtet sich die Politik offenbar davor, alte Fehler zu wiederholen. Mit vorschnellen Zinserhöhungen hatte man 2007 das Wirtschaftswachstum abgewürgt und war dadurch besonders schlecht für die weltweite Finanzkrise 2008/09 aufgestellt.

Yen fällt auf 24-Jahres-Tief

Nun jedoch büßt die Landeswährung massiv an Attraktivität auf den Finanzmärkten ein – der Yen stürzte im Vergleich zum US-Dollar zwischenzeitlich auf ein 24-Jahres-Tief. Dies könnte sich schnell als Hemmnis für den Konsum, aber auch für neue Investitionen erweisen – obwohl die Nachfrage nach Exportgütern steigen dürfte. Der Bank-of-Japan-Chef bezeichnete die starke Währungsabwertung bereits als "negativ für die Wirtschaft und unerwünscht."

Kuroda steckt also in einem Dilemma, da nun auch in Japan die Befürchtung wächst, dass die Niedrigzinspolitik der heimischen Wirtschaft letztendlich doch mehr schaden könnte als nutzen. Ungewöhnlich war daher auch eine gemeinsame Erklärung der Notenbank zusammen mit der japanischen Regierung zur aktuellen Schwäche der Landeswährung. Analysten sahen darin bereits ein Signal, dass es zu Interventionen zur Stützung des Yen kommen könnte.

"Wir sind bereit, nötigenfalls angemessen zu reagieren", sagte auch Kabinettschef Hirokazu Matsuno (59) kürzlich auf einer Pressekonferenz. Letztmalig hatte Japan 1998 den Yen an den Finanzmärkten gestützt. Kuroda will unterdessen weiter an seiner lockeren Geldpolitik festhalten, um die durch die Folgen der Covid-19-Pandemie geschwächte Wirtschaft anzuschieben. Es bleibt jedoch fraglich, wie lange ihm das bei der im weltweiten Vergleich weiter wachsenden Spanne der Zinssätze gelingen wird.