Entwicklungsländer Globale Aufholjagd dauert 300 statt 30 Jahre

Der Aufstieg der Schwellenländer hat optimistische Prognosen genährt. Nun stellen Weltbank und IWF fest: Der Boom war nur ein kurzer Ausreißer. Statt die globale Wohlstandslücke zwischen Nord und Süd in einer Generation zu schließen, rückt dieses Ziel nun wieder in die ferne Zukunft.
Geld macht hell: Das Satellitenbild zeigt die immer noch hohe Konzentration der Energienutzung auf USA, Westeuropa und Japan

Geld macht hell: Das Satellitenbild zeigt die immer noch hohe Konzentration der Energienutzung auf USA, Westeuropa und Japan

Foto: DPA/ NASA/ NOAA

Hamburg - Die "glorreichen 15" sind schon wieder weg. So betitelt der "Economist" in seiner aktuellen Ausgabe (€)  eine Grafik. Bei den glorreichen 15 handelt es sich um die Jahre von 2000 bis 2014, in denen die Wirtschaftsleistung pro Kopf in den Entwicklungsländern der Welt so schnell wuchs, dass der Unterschied im Wohlstand zu den USA spürbar schrumpfte.

Die Grafik zeigt eine Glockenkurve, mit steilem Anstieg bis 2008, als die Schwellenländer einen klaren Wachstumsvorsprung gegenüber dem Krisenzentrum USA hatten - und anschließend noch steilerem Fall. China hat die Aufholjagd stark gebremst, im Rest der Welt ist sie annähernd gestoppt.

Das Magazin verweist auf neue Analysen von Weltbank und aktuelle Prognosen des Internationalen Währungsfonds. "Die Hoffnung entweicht", lautet die Schlussfolgerung. Die Annahme, dass die globale Wohlstandslücke sich schnell schließen lasse und ein durchschnittlicher Weltbürger schon in 30 Jahren so viel verdienen werde wie ein Durchschnitts-US-Bürger, lasse sich nicht halten.

Wachstum durch Handel - der Effekt lässt sich kaum wiederholen

Lege man die aktuellen Prognosen zugrunde, habe sich der Wachstumsunterschied der "Emerging Markets" ohne China zu den USA auf 0,4 Prozentpunkte pro Jahr reduziert. Demnach würde es 300 Jahre bis zur Konvergenz dauern - "für unsere heutige Gesellschaft gleichbedeutend mit niemals". Die "glorreichen 15" Jahre - nicht mehr als eine Anomalie im Lauf der Weltgeschichte.

Für die Volkswirtschaftslehre ist es ein Rätsel, warum die Kluft sich kaum schließt. Nach den gängigen Wachstumsmodellen müsste Kapital mitsamt neuer Technik auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten dorthin wandern, wo es am meisten Nutzen stiftet. So wie die Industrielle Revolution von England ausgehend, allmählich auch andere Nationen auf ein neues Wohlstandsniveau hob, sollte auch die Leistungsfähigkeit der Weltwirtschaft insgesamt steigen und damit die Armut beenden (zumindest im Vergleich der Nationen).

Ökonomen haben viele verschiedene Gründe gefunden, warum diese Theorie der Realität nicht standhält. Von der Idee, dass sie vielleicht doch stimmt, müssen sie sich wohl verabschieden. Und der "Economist" nennt einen Grund, wie es zu den 15 Ausnahmejahren kommen konnte: durch das starke Wachstum des Welthandels mit der Integration von Ländern wie China in eine globale Produktionskette. Dieser Effekt lasse sich nun nicht so leicht wiederholen, da die Welt schon so stark verflochten ist.

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