Montag, 20. Mai 2019

Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft Alternativen zu China - deutsche Unternehmen tun sich schwer

Chili-Ernte in Huaibei: Die hohe Abhängigkeit von China bekommt nicht jedem in der deutschen Industrie

Ziemlich lustlos fläzte Siemens-Chef Joe Kaeser (61) in seinem weißen Ledersessel und hauchte wenig bedeutungsvolle Sätze in das Mikrofon. Gedanklich schien er woanders zu sein, aber nicht bei der Podiumsdiskussion über die Seidenstrasse auf der soeben zu Ende gegangenen Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft im Jakarta. Viele der Teilnehmer fragten sich hinterher etwas ratlos: Was war mit Kaeser los? Hatte er einen schlechten Tag?

Kaeser war nicht der einzige Abwesende auf dieser alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz der deutschen Asien-Community. Es gab da noch den berühmten "elephant in the room", über den alle reden, obwohl er nicht anwesend war. Dieser Elephant war eher ein Drache, nämlich China. Denn über der zweitätigen Veranstaltung - nicht unbedingt auf dem Podium, aber bei den Gesprächen in den Pausen und abends bei Weißwein aus dem BASF-Keller und König-Ludwig-Weizenbier schwebte ständig die Frage: Wie mit China umgehen?

Wolfgang Hirn
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Zeitlich passend sickerten kurz vor Beginn der Konferenz Passagen aus einem Diskussionspapier des BDI durch. Darin wird ein Nachdenken - manche sagen gar: Umdenken - der bisherigen China-Strategie gefordert. Motto: Deutsche Unternehmen, setzt in Asien nicht nur auf China, sondern auf Indien oder Asean, der boomende südostasiatische Wirtschaftsraum mit seinen über 600 Millionen Einwohnern.

Automobilbauer hält zu China, Stahlindustrie leidet unter chinesischen Importen

Beim BDI verweist man darauf, dass dies nur ein Entwurf sei. Jetzt sei das 25-Seiten-Papier erst mal bei den Mitgliedsverbänden. Und dort wird es sicher kräftig zerrupft werden. Zu unterschiedlich sind die Positionen innerhalb des BDI: Hier der China-abhängige und deshalb hypervorsichtige VDA (Verband der Automobilindustrie), dort die unter China-Importen leidenden Firmen unter dem Dach der beiden Wirtschaftsvereinigungen Stahl und Metalle.

Herauskommen wird wohl ein Papier, das niemandem wehtut, und vor allem die immer empfindlicher werdenden Chinesen nicht verletzt.

Und Ex-Voith-Chef Hubert Lienhard (67), der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA), dämpfte schon einmal abends in kleiner Runde: "Wir haben keine Overexposure in China." Die Statistik zeigt ein etwas anderes Bild: Bei den FDI-Zahlen in China ist Deutschland ganz vorne dabei, im Asean-Raum dagegen unter ferner investierten.

Deutsche Abstinenz in vielen südostasiatischen Ländern

Aber auch ein Blick aus einem der Taxis in Jakarta genügte: Stand man mit einem dieser vielen blauen Toyotas im Stau, sah man um sich herum fast nur Autos aus Japan, von den Motorrädern ganz zu schweigen. Übrigens kein indonesisches Phänomen, sondern die japanische (und auch koreanische) Dominanz bei gleichzeitiger deutscher Abstinenz ist auch in anderen südostasiatischen Ländern wie Malaysia, Thailand oder Vietnam mehr oder weniger ausgeprägt zu besichtigen.

Dabei bräuchten wir Alternativen zu China. Denn der chinesische Markt wird schwieriger, weil nach wie vor Marktzugänge in einigen Branchen versperrt sind, weil die chinesischen Wettbewerber immer besser und innovativer werden - und weil ein Ende des eher eskalierende amerikanisch-chinesische Handelskrieg nicht abzusehen ist. "Die Unsicherheit ist groß", sagt denn auch Freudenberg-Managerin Bettina Schön-Behazin, die Vorsitzende der AHK Shanghai.

BDI stößt Debatte an: Deutsche Wirtschaft ringt um neue Position zu China

Insofern ist die BDI-Initiative nach einem Überdenken des China-Engagements richtig. Sie müsste aber in eine Asien-Strategie münden. Das wäre eine mühsame, aber lohnende Aufgabe für den neuen APA-Vorsitzenden. Der heißt übrigens ab Ende Februar nächsten Jahres Joe Kaeser. Dieser stieg deshalb am Ende nochmals auf die Bühne.

Als der scheidende APA-Vorsitzende Lienhard am Ende der Konferenz seine Abschiedsworte sprach, platzte Kaeser in dessen Rede und legte fast freundschaftlich den Arm auf Lienhards Schulter, dankte ihm und versprach in Zukunft klare Worte zu sprechen. Das war wieder der Joe Kaiser, wie man ihn kennt.

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