Samstag, 19. Oktober 2019

Leitindex und Währung stürzen dramatisch ab Börsen-Beben in Argentinien

Wechselstube in Buenos Aires: Der argentinische Peso verlor gegenüber dem US-Dollar knapp 30 Prozent an Wert
DPA / Natacha Pisarenko
Wechselstube in Buenos Aires: Der argentinische Peso verlor gegenüber dem US-Dollar knapp 30 Prozent an Wert

Nach der Schlappe von Argentiniens Staatschef Mauricio Macri bei der Präsidentschaftsvorwahl sind die Börsenkurse des Landes dramatisch eingebrochen. Der Merval-Index in Buenos Aires stürzte am Montag um rund 35 Prozent auf 28.609,96 Punkte ab, damit fiel er mit einem Schlag auf den tiefsten Stand seit Ende 2018. Die Kurseinbrüche an der Börse erreichten bei einigen Titeln fast 50 Prozent. Gleichzeitig büßte der argentinische Peso gegenüber dem US-Dollar um 29 Prozent an Wert ein. Zum Teil blieben die Wechselstuben geschlossen.

Grund für die Turbulenzen waren die Vorwahlen in dem Land. Dabei triumphierte nicht der amtierende wirtschaftsliberale Präsident Mauricio Macri, sondern mit Alberto Fernández der frühere Kabinettschef der ehemaligen Präsidentin Cristina Kirchner aus dem peronistischen Mitte-links-Lager.

An den Finanzmärkten sorgte dies auch deshalb für große Unruhe, weil sich Kirchner an der Seite von Fernández um das Amt der Vizepräsidentin bewirbt. Ihr wird im Gegensatz zu Macri ein ausgesprochen angespanntes Verhältnis zu ausländischen Investoren nachgesagt. In ihre Amtszeit fällt der Kampf gegen Anleihebesitzer, die sich nicht an staatlichen Umschuldungen beteiligen wollten. Fernández geht nun als Favorit in die Präsidentschaftswahl am 27. Oktober.

Die Vorwahlen sind eine argentinische Besonderheit. Dabei sind alle Bürger, nicht nur Parteimitglieder, stimmberechtigt. Die Vorwahlen haben damit den Charakter einer Generalprobe für die Präsidentschaftswahl.

Fernández braucht nur 45 Prozent der Stimmen

Fernández und Kirchner kamen auf 47 Prozent der Stimmen, Macri und sein Vize-Kandidat Miguel Angel Pichetto erhielten 32 Prozent der Stimmen. An dem Wahlgang vom Sonntag beteiligten sich drei Viertel der 34 Millionen Stimmberechtigten. Von daher stehen die Chancen für Macri schlecht, das Ergebnis der Vorwahl noch zu drehen.

Macri räumte eine "schlechte Wahl" ein und kündigte an, seine "Anstrengungen zu verdoppeln". Falls sich die Ergebnisse der Vorwahlen am 27. Oktober wiederholen sollten, würde Fernández bei dem Urnengang gleich in der ersten Runde gewinnen. Denn nach argentinischem Wahlrecht reichen für einen Sieg 45 Prozent der Stimmen oder 40 Prozent der Stimmen mit einem Vorsprung von zehn Punkten. Falls eine Stichwahl nötig ist, soll diese am 24. November stattfinden.

Fernández sprach vor tausenden Anwohnern von einer "neuen Etappe". Er kündigte an, bis zur Präsidentschaftswahl auch diejenigen noch überzeugen zu wollen, die bei der Vorwahl nicht für ihn gestimmt hatten.

Argentinien steckt tief in einer Rezession

Macri traf sich zu Beratungen mit Zentralbankchef Guido Sandleris. Das südamerikanische Land steckt bereits seit vergangenem Jahr in einer Rezession. Die Inflation lag in den vergangenen zwölf Monaten bei 40 Prozent, die Arbeitslosenquote beträgt gut zehn Prozent.

Vergangenes Jahr hatte die argentinische Währung durch zwei Währungskrisen 50 Prozent ihres Wertes verloren. Die Regierung in Buenos Aires beantragte daher beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Darlehen in Höhe von mehr als 57 Milliarden Dollar (fast 51 Milliarden Euro). Macri sagte im Gegenzug Sparmaßnahmen zu. Rund 32 Prozent der Bevölkerung leben laut Statistiken in Armut.


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In seiner Frühjahrsprognose für das weltweite Wirtschaftswachstum sagte der IWF für Argentinien ein Schrumpfen der Wirtschaft im laufenden Jahr um 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) voraus. Nach einer Erholung im Laufe des zweiten Halbjahrs 2019 rechnet der IWF für 2020 dann mit einem Wachstum von 2,2 Prozent.

mg/dpa-afx, afp

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