Sonntag, 31. Mai 2020

Entlassungswelle rollt an US-Firmen streichen erstmals seit Jahren wieder Jobs

Die US-Firmen haben wegen der Viruskrise im März erstmals seit Jahren Jobs abgebaut und damit eine Entlassungswelle ins Rollen gebracht. Die Stellenzahl verringerte sich um 27.000, wie der Personaldienstleister ADP am Mittwoch zu seiner monatlichen Unternehmensbefragung mitteilte. Damit fielen laut ADP erstmals seit September 2017 im Privatsektor unter dem Strich Arbeitsplätze weg. Allerdings spiegeln die ADP-Zahlen nicht das gesamte Bild wider, da die Umfragedaten nur bis zum 12. März reichten.

Auf eine jüngst in Gang gekommene größere Entlassungswelle deuten die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenhilfe hin: Sie stiegen unlängst auf knapp 3,3 Millionen. Dieser Rekordwert dürfte bei den am Donnerstag anstehenden Gesuchen für die Woche zum 28. März nach Einschätzung von Experten wohl noch übertroffen werden. "Die Arbeitslosenquote wird bis Mitte des Jahres wohl auf einen Wert steigen, wie er das letzte Mal in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre gesehen wurde", sagt Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner voraus. Prognosen von 15 Prozent bis 20 Prozent seien keine Seltenheit mehr.

Arbeitsmarkt: Das amerikanische Menetekel

Die US-Währungshüterin Loretta Mester, die den Fed-Bezirk Cleveland leitet, hält eine Arbeitslosenquote von mehr als zehn Prozent für denkbar. Ihr Kollege Robert Kaplan aus Dallas rechnet mit einem Anstieg auf Werte im unteren bis mittleren Bereich zwischen zehn und 20 Prozent. Damit würde der jahrelange Boom am US-Jobmarkt jäh in Massenarbeitslosigkeit umschlagen. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent, was praktisch Vollbeschäftigung entspricht.

USA befürchten mehr als 100.000 Tote durch das Coronavirus

Die Pandemie bringt auch das Gesundheitswesen in den USA an seine Grenzen: Die Coronavirus-Koordinatorin des Weißen Hauses, Deborah Birx, befürchtet in den kommenden Monaten 100.000 bis 240.000 Tote in den USA durch die Ausbreitung.

Angesichts der bereits rapide steigender Totenzahlen stimmte Präsident Donald Trump die mit Ausgangsbeschränkungen konfrontierte Bevölkerung am Dienstag auf harte Zeiten ein: Die nächsten beiden Wochen würden "sehr, sehr schmerzvoll".

Damit verschreckte Trump die Wall Street-Anleger. Die Leitindizes Dow Jones und S&P 500 fielen zur Eröffnung am Mittwoch um jeweils etwa vier Prozent auf 21.049 und 2489 Punkte. Damit setzten sie ihre Talfahrt der vergangenen Monate fort, die beiden das schwärzeste erste Quartal ihrer Geschichte eingebrockt hatte.

Positiv überrascht wurden die Anleger allerdings in der ersten Handelsstunde von Daten aus der US-Industrie, die sich zu Beginn der Coronavirus-Krise besser behauptet hat als erwartet. Der Einkaufsmanager-Index sank im März nur um 1,0 auf 49,1 Punkte, wie aus der Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Ökonomen hatten dagegen mit einem stärkeren Rückgang auf 45,0 Punkte gerechnet. Das Barometer signalisiert erst bei Werten über 50 ein Wachstum.

Regierung will Wirtschaftshilfen weiter hochfahren

Die US-Regierung kündigte unterdessen an, bei Bedarf ihre Wirtschaftshilfen weiter hochzufahren. Präsident Trump habe klar gesagt, dass er alles Erforderliche tun werde, um Arbeitsplätze und Unternehmen in den USA zu beschützen, sagte Finanzminister Steven Mnuchin. "Wenn wir weitere Programme und mehr Geld benötigen, werden wir wieder zum Kongress gehen."

Die USA hatten am Freitag ein drittes Maßnahmenpaket in Höhe von 2,2 Billionen Dollar verabschiedet, das insbesondere die Wirtschaft stützen soll. Zuvor hatte der Kongress in zwei Paketen 8,3 Milliarden Dollar für Forschung und Tests bewilligt sowie 100 Milliarden Dollar für Arbeitslosengeld und Lebensmittelhilfen. Überdies werden seit längerem Pläne für ein großes Programm zur Instandsetzung der maroden US-Infrastruktur diskutiert.

la/reuters

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