Präsident stellt Exit-Strategie vor 22 Millionen Amerikaner ohne Job - Druck auf Trump nimmt zu

Donald Trump: "USA nicht für Stillstand gemacht"

Donald Trump: "USA nicht für Stillstand gemacht"

Foto: Patrick Semansky/AP/dpa

Die Corona-Krise hat binnen vier Wochen 22 Millionen Amerikaner den Job gekostet. Allein in der vergangenen Woche stellten 5,24 Millionen einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Die Zahl fiel damit etwas höher aus als von Ökonomen erwartet, lag aber deutlich unter dem Wert der Vorwoche von 6,6 Millionen. Die Erstanträge gelten als "Echtzeitindikator" der wirtschaftlichen Lage, da sie mit einer Verzögerung von nur einer Woche veröffentlicht werden.

"Der Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität ist atemberaubend", sagte Chefökonom Joel Naroff vom Beratungshaus Naroff Economics. Volkswirte schätzen, dass die weltgrößte Wirtschaftsmacht im ersten Quartal um bis zu 10,8 Prozent geschrumpft sein könnte. Das wäre der stärkste Rückgang seit 1947.

Im März brach zudem der Umsatz der US-Einzelhändler so stark ein wie seit 1992 nicht mehr, während die Industrie ihre Produktion so stark drosselt wie seit 1946 nicht mehr.

Trump will in der Nacht Exit-Strategie und Lockerungen vorstellen

Angesichts dieser Misere dringt US-Präsident Donald Trump auf eine rasche Aufhebung des "Shutdowns". Dazu will er noch am Donnerstagabend (21.00 MESZ) ein Gespräch mit den Gouverneuren führen und zwei Stunden später (23 Uhr MESZ) seine Exit-Strategie bei einer Pressekonferenz vorstellen.

Erwartet wird, dass Trump angesichts der verheerenden jüngsten Konjunkturdaten spätestens Anfang Mai die Restriktionen für die Wirtschaft und für das öffentliche Leben in den USA lockern wird. Der US-Präsident, der im November wiedergewählt werden will, will eine tiefe Rezession in den USA unbedingt vermeiden und dürfte zu diesem Zweck auch Gesundheitsrisiken in Kauf nehmen. Trump hatte bereits im Vorfeld angedeutet, dass auch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie Leben kosten können. Die USA seien "nicht für Stillstand gemacht."

Baustelle in Los Angeles: 22 Millionen Arbeitslose binnen 4 Wochen|

Baustelle in Los Angeles: 22 Millionen Arbeitslose binnen 4 Wochen|

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Ringo Chiu/ZUMA Wire/ DPA

Dabei sind die USA derzeit das Epizentrum der Corona-Pandemie. In den 50 Bundesstaaten wurden insgesamt mehr als 635.000 Corona-Infektionen gemeldet - so viele wie in keinem anderen Länder der Welt. Die Zahl der Toten stieg zuletzt auf rund 31.000.

Gewerkschaften, große Unternehmen und Gesundheitsexperten warnen vor einer zu frühen Lockerung der Beschränkungen. Bei einer zweiten Infektionswelle könnten die Auswirkungen eines erneuten Lockdowns deutlich größer als der Vorteil eines raschen Wiederhochfahrens der Wirtschaft.

Volkswirte erwarten für Mai weitere 20 Millionen Arbeitslose in USA

Börsianer atmeten trotz der schlechten Zahlen vom Arbeitsmarkt auf: Der deutsche Aktienindex Dax etwa weitete seine Gewinne nach Veröffentlichung der Zahlen aus. Einige Experten hatten erwartet, dass die Arbeitslosigkeit in der vorigen Woche sogar um acht Millionen steigen würde.

Eine rasche Besserung erwarten Ökonomen allerdings nicht. "Der Arbeitsmarkt in den USA wird von der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens besonders hart getroffen", sagte Helaba-Ökonom Patrick Boldt. "Einschließlich dieser Woche gehen wir derzeit davon aus, dass bis Ende Mai weitere 20 Millionen zusätzliche Anträge auf Arbeitslosenunterstützung gestellt werden", sagte Volkswirt Joseph Briggs von Goldman Sachs in New York. "Erst danach erwarten wir, dass die neuen Anträge auf ein Niveau fallen werden, das früheren Rezessionen entspricht."

la/reuters

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