Donnerstag, 5. Dezember 2019

Arbeitslosenzahl sinkt Industrie als Bremsklotz, doch Verbraucher stützen Konjunktur

Industrie: Unternehmen streichen Arbeitsplätze
Christian Charisius / DPA
Industrie: Unternehmen streichen Arbeitsplätze

Trotz der mauen Konjunktur hat sich der Arbeitsmarkt im November belebt. Es waren 2,18 Millionen Menschen als arbeitslos registriert und damit 24.000 weniger als im Oktober, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Freitag in Nürnberg mitteilte. BA-Chef Detlef Scheele sprach von einem "eher deutlichen Rückgang" für einen November. Die Wirtschaftsflaute sei am Jobmarkt zwar spürbar: "Alles in allem zeigt er sich aber weiterhin robust. Wir blicken verhalten zuversichtlich in die Zukunft."

Auch unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen fiel die Zahl der Arbeitslosen überraschend - und zwar um 16.000. Experten hatten hier einen Anstieg um 5000 erwartet. Die deutsche Konjunktur ist derzeit zweigeteilt: Kauffreudige Verbraucher schieben die Wirtschaft an, während die Industrie als Bremsklotz wirkt.

Der private Konsum profitiert direkt von der robusten Lage des Arbeitsmarkts. Die Einzelhändler erwarten Rekordumsätze im Weihnachtsgeschäft, das immer stärker von Verkaufsspitzen am heutigen Black Friday und dem zu Beginn kommender Woche folgenden Cyber Monday geprägt ist. Ökonom Martin Müller von der staatlichen Förderbank KfW äußerte die Auffassung, dass die Binnennachfrage stärker anziehen könnte, wenn der Fachkräftemangel sie nicht bremste. "Für viele Betriebe im Bauhandwerk ist es mittlerweile der Normalfall, dass eine ausgeschriebene Stelle ein halbes Jahr oder länger nicht besetzt werden kann."

Zollstreit und Brexit bremsen Industrie

Nach Ansicht von Volkswirt Stefan Große von der NordLB scheinen globale Risiken wie der Brexit und der Handelskonflikt derzeit geringer zu sein. "Aktuell fehlen aber dennoch Wachstumsimpulse. Bleibt es dabei, wird perspektivisch die Beschäftigung abnehmen, denn der Dienstleistungssektor ist auch von der Industrie abhängig."

Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts dürfte in der Industrie die Beschäftigtenzahl weiter sinken. Sie bekommt neben Zollkrieg und Brexit-Unsicherheiten auch die maue Weltwirtschaft zu spüren. Scheele verwies darauf, dass diese Schwäche in Bundesländern mit hoher Industriedichte wie Bayern und Baden-Württemberg am Arbeitsmarkt spürbar sei. Doch auch wenn vielerorts in Süddeutschland die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sei, herrsche dort "praktisch immer noch Vollbeschäftigung".

Lage im Osten bessert sich

In Ostdeutschland entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr günstiger als im Westen. Sie nahm östlich der Elbe um vier Prozent ab. In Westdeutschland dagegen stieg sie um ein Prozent. Den bundesweit stärksten Rückgang schaffte Mecklenburg-Vorpommern mit minus 7,9 Prozent, den stärksten Anstieg musste das Saarland mit plus 7,5 Prozent hinnehmen.

Bundesweit griffen Firmen zuletzt öfter zum Mittel der Kurzarbeit, um ihre qualifizierten und eingearbeiteten Mitarbeiter trotz Auftragsflaute zu halten. Mit Kurzarbeitergeld kann ein Teil des Lohnausfalls ausgeglichen werden. Dank dieses Kriseninstruments gingen hierzulande im Rezessionsjahr 2009 deutlich weniger Jobs verloren als in anderen Ländern, wo es vielfach zu Massenentlassungen kam. Nach vorläufigen hochgerechneten Daten der BA wurde im September an 59.000 Arbeitnehmer konjunkturbedingtes Kurzarbeitergeld gezahlt, nach 50.000 im Vormonat und 34.000 im Vorjahr. Scheele sagte dazu, unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten sei diese Zahl "unauffällig".

la/reuters

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