Montag, 30. März 2020

Zahl binnen einer Woche verzehnfacht 3,3 Millionen Amerikaner stellen Antrag auf Arbeitslosenhilfe

US-Bürger warten vor dem Job-Center: Anträge auf Arbeitslosenhilfe drastisch gestiegen

Die Coronavirus-Krise schlägt voll auf den US-Jobmarkt durch und konfrontiert den Staat mit einer Rekord-Flut von Anträgen auf Arbeitslosenhilfe. In der vergangenen Woche stellten knapp 3,3 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einer Million Anträgen gerechnet. Der bisherige Höchststand wurde 1982 mit 695.000 registriert.

Die Coronavirus-Krise könnte nach Ansicht des US-Währungshüters James Bullard kurzfristig fast 50 Millionen Amerikaner ihren Job kosten. Dies seien insbesondere Arbeitsplätze mit Publikumsverkehr - also Tätigkeiten, bei denen es zum Kontakt mit der Öffentlichkeit komme, sagte der Chef des Fed-Bezirks von St. Louis. Bislang boomte der US-Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 3,5 Prozent, was praktisch Vollbeschäftigung entspricht.

Historisch einmaliger Anstieg

Ökonomen hatten nur mit einer Zunahme um eine Million gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es: "Das bisherige Rekordhoch aus dem Jahr 1982 ist damit förmlich pulverisiert worden. Diese Zahlen sind der erste 'harte' Beleg für das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens, den das Coronavirus der US-Wirtschaft zufügt. Die Arbeitslosenquote wird in den nächsten Monaten massiv ansteigen", sagte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Ulrich Wortberg von der Helaba ergänzte: "Der historisch einmalige Anstieg lässt auf Massenentlassungen schließen und darauf, dass der offizielle Arbeitsmarktbericht, der Ende kommender Woche zur Veröffentlichung ansteht, extrem schwach ausfallen wird. Rezessionssorgen dürften zunehmen."

"Die Erstanträge geben einen ersten verlässlichen Vorgeschmack auf das, was vor uns liegt - und das verheißt leider nichts Gutes", sagte Thomas Gitzel von der VP-Bank. "Solch einen starken Anstieg im Wochenvergleich gab es zuvor noch nie. Es handelt sich um eine mehr als Verzehnfachung. Die US-Arbeitnehmer strömen derzeit in Scharen auf die Arbeitsämter. Das Virus hinterlässt auf dem flexiblen und nur wenig regulierten US-Arbeitsmarkt tiefe Bremsspuren. Das sich derzeit zur Verabschiedung im Kongress befindliche billionenschwere Rettungspaket setzt an der richtigen Stelle an. Es geht jetzt darum, dass sich vor allem Geringverdiener ohne soziale Absicherung das tägliche Brot leisten können und Unternehmen über Wasser gehalten werden. Nur so kann ein späterer Aufschwung wieder gelingen."

la/reuters

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung