Samstag, 7. Dezember 2019

Weltgrößter Ölproduzent Sind Schweizer Rohstoffriesen schuld an Rosnefts Geldsorgen?

Rosneft-Hauptquartier in Moskau: Ein Analyst vermutet, dass der weltgrößte Ölproduzent derzeit ein massives

Russlands größter Ölkonzern Rosneft hat vor kurzem Regierungshilfe für die Tilgung von Schulden beantragt. Zwei Schweizer Rohstoffriesen sorgen offenbar für ein Milliardenloch, vermutet ein Analyst - und stützt seine These mit erstaunlichen Beobachtungen.

Hamburg - Es war ein ziemlich umfassender Notruf, den Russlands größter Ölkonzern Rosneft vergangenen Donnerstag an die russische Regierung sandte. Unter dem Druck westlicher Sanktionen beantragte Rosneft Börsen-Chart zeigen Regierungshilfe, wie die russische Zeitung "Wedomosti" berichtete. Das Unternehmen habe unter anderem um Unterstützung zur Tilgung von umgerechnet 31 Milliarden Euro Schulden gebeten, hieß es in dem Bericht - den Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch indirekt bestätigte. "Die Ministerien wollen in den nächsten zwei Wochen entscheiden, ansonsten - kein Kommentar".

Laut russischen Medien sieht Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew eine solche Hilfe eher skeptisch. Zwar bohrt Rosneft trotz der Sanktionen blad gemeinsam mit ExxonMobil in der Arktis nach Öl. Doch die wirtschaftliche Situation des größten börsennotierten Ölproduzenten der Welt hat sich in den vergangenen Wochen dramatisch verschlechtert, erklärte der Ölanalyst Philip Verleger nun der Wirtschaftsnachrichten-Website Quartz.

Laut Verleger fehlen Rosneft bis zu 10 Milliarden Dollar für die Rückzahlung von Krediten im kommenden Jahr. Laut seinen Analysen setzen zwei Schweizer Rohstoffhändler Rosneft derzeit stark unter Druck. Die Story dahinter ist etwas verworren - doch Verlegers Thesen sind stichhaltig, wie Quartz berichtet.

Nachwehen eines 55-Milliarden-Dollar-Deals

Im Herbst 2012 kaufte Rosneft für 55 Milliarden Dollar TNK-BP, ein Joint-Venture zwischen dem britischen Ölkonzern BP und vier russischen Oligarchen. Der Deal, der im März 2013 finalisiert wurde, machte Rosneft zum weltgrößten börsennotierten Ölproduzenten. Doch dafür mussten die Russen am Kapitalmarkt 40 Milliarden Dollar borgen. Unter den größten Geldgebern waren die beiden Schweizer Rohstoff-Handelsriesen Vitol und Glencore, die den Russen rund 10 Milliarden Dollar Bargeld liehen - als Vorauszahlung für die Lieferung von rund 280.000 Barrel Öl pro Tag über die nächsten fünf Jahre.

Dumm nur, dass die USA und Europa am 14. Juli dieses Jahres Wirtschaftssanktionen verhängten, die unter anderem auch Rosneft trafen. Seit diesem Zeitpunkt sind Kredite verboten, die länger als 90 Tage laufen. Rosnefts CEO Viktor Sechin sagte damals, dass die Sanktionen sein Unternehmen nicht treffen würden, da Rosneft 20 Milliarden Dollar auf der hohen Kante habe. Dennoch ersuchte Sechin nur ein Monat später den Kreml um Hilfe bei der Tilgung von Schulden.

Verleger hat eine gut fundierte Erklärung dafür, warum sich die Situation in nur vier Wochen so stark verändern konnte. Er beobachtete die Leerverkäufe für Öl-Terminkontrakte an der Intercontinental Exchange (ICE) vor etwas mehr einem Jahr, als der Deal zwischen Rosneft und BP-TNK abgeschlossen wurde. Diese zogen damals innerhalb weniger Wochen um vierzig Prozent an, da Vitol und Glencore laut Verleger offenbar darüber ihren Kredit an Rosneft absicherten. Seit den Wirtschaftssanktionen ist die Zahl der verfügbaren Leerverkaufs-Kontrakte jedoch um fast 30 Prozent gefallen - und stehen nun fast wieder auf jenem Stand, der vor der Rosneft-Übernahme von BP-TNK üblich war.

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