Montag, 16. September 2019

Hilfe für Griechenland - aber ohne Hilfspaket Wie man den griechischen Bürgern statt den Banken hilft

Griechisches Drama:

An diesem Mittwoch wird im Bundestag über das dritte "Hilfspaket" für Griechenland abgestimmt. Hierbei geht es eigentlich nicht um die Frage, ob wir dem vielzitierten griechischen Durchschnittsbürger helfen wollen - darüber sind wir uns zum Glück weitgehend einig. Es sollte um die Art der Hilfe gehen.

Und genau darüber wird nicht gesprochen. Es gibt allenfalls die populistisch-simple Frage "Grexit: Ja oder Nein?". Jeder, der hier zögert, ist sofort ein Unmensch, der griechische Kinder verhungern lässt. Und nachdem inzwischen selbst Wolfgang Schäuble in den Fanclub von Alexis Tsipras eingetreten ist und das "Hilfspaket" positiv bewertet, sollte man das Thema ruhen gelassen und die Rechnung stillschweigend dem deutschen Steuerzahler in die Tasche stecken.

Anders als England, Finnland und der Internationale Währungsfonds hat Deutschland offenbar keine andere Wahl als die ganze Situation schön zu reden: Zunächst spielte Alexis Tsipras geschickt mit dem an anderer Stelle ausführlich gewürdigten Counter-Strike-Experten Yanis Varoufakis auf "Konfrontation". Jetzt läuft ergebnisidentisch die brave "Kooperation". Auch hier hat der griechische Ministerpräsident ein geniales Beraterteam, darunter angeblich Glenn Kim als ehemaliger Geschäftsführer der Pleite-Bank Lehman Brothers für das symbolisch niedrige Monatshonorar von 125.000 Euro.

Christian Scholz
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    Christian Scholz
    Christian Scholz ist Experte für Personalwirtschaft und war bis 2018 Professor an der Universität des Saarlandes. Sein Schwerpunkt ist die Erforschung der Arbeitswelt, 2003 entstand die Trendstudie "Spieler ohne Stammplatzgarantie", 2014 das Nachfolgebuch zur Generation Z. Der Titel seines aktuellen Buches lautet "Mogelpackung Work-Life-Blending: Warum dieses Arbeitsmodell gefährlich ist und welchen Gegenentwurf wir brauchen¿.
An dieser Stelle bietet es sich für einen Ökonomen an, auf die Zahlen zu schauen: Nach optimistischer Schätzung belaufen sich die drei Hilfspakete auf mindestens 400 Milliarden Euro. Bei einem deutschen Anteil von unterstellten 25 Prozent trägt rechnerisch davon jeder der rund 81 Millionen Einwohner Deutschlands über 1.000 Euro.

Bei rund 11 Millionen Griechen würden die 400 Milliarden Euro eigentlich für jeden Griechen einen Anteil von über 35.000 Euro bedeuten, die aber bei kaum einem dort angekommen sind. Bereits jetzt wird klar, dass unsere Hilfsgelder allenfalls im politischen System, bei einigen reichen Griechen sowie bei Banken landen, definitiv aber nicht bei den 11 Millionen Griechen, die dringend Unterstützung brauchen.

Das neue "Hilfspaket" folgt dem gleichen Prinzip: Die Schulden werden weiter steigen, nicht aber die Wirtschaftskraft, weil das Geld nicht dort ankommt, wo es gebraucht wird. Stattdessen werden diejenigen, die von den bisherigen Hilfspaketen prächtig profitiert haben, erneut prächtig profitieren.

Wenn noch die deutsche Fraport AG im Zuge der von Deutschland forcierten Privatisierung die profitabelsten griechischen Flughäfen übernehmen sollte, darf man nicht vergessen, dass Fraport mehrheitlich der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen gehört. Hier kann man wohl nicht von "Privatisierung" sprechen, sondern allenfalls von einer schizophrenen zwischenstaatlichen Vermögensübertragung.

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