Mittwoch, 23. Oktober 2019

Amerikas Schulden Der schwächliche Trump-Dollar

Dollar, Yuan: Der Dollar hat gegenüber anderen wichtigen Währungen deutlich nachgegeben - trotz steigender Zinsen in den USA. Die Devisenmärkte fällen ein vernichtendes Urteil über Trumps Wirtschaftspolitik

In den USA steigen die Zinsen, doch die US-Währung bleibt schwach. Wie kann das sein? Womöglich fällen die Devisenmärkte ein vernichtendes Urteil über Donald Trumps Wirtschaftspolitik.

Henrik Müller
manager magazin
Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor war Müller stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

Der Präsident hatte versprochen, das Land wieder zu alter Stärke zu führen. Ein neuer Anfang sollte es sein. All die Selbstzweifel seien nun überwunden, tönte Ronald Reagan, als er 1984 am Ende seiner ersten Amtszeit für seine Wiederwahl warb. It's morning again in America.

Fast dreieinhalb Jahrzehnte später nimmt nun Donald Trump eine zweite Amtszeit ins Visier. Keep America great! lautet sein Slogan. Reichlich früh, schließlich sitzt er erst 14 Monate im Weißen Haus. Nichtsdestotrotz: Die Anklänge an Reagan, bis heute von vielen in der Republikanischen Partei als Lichtgestalt verehrt, sind unüberhörbar.

Auch in der Wirtschaftspolitik gibt es Parallelen. Weniger Regulierung der Märkte, niedrigere Steuern, höhere Militärausgaben - der Kurs, den Trump und die Republikaner im Kongress eingeschlagen haben, erinnert durchaus an die frühen 80er Jahre. Auch Reagan war dem einen oder anderen Handelskonflikt nicht abgeneigt. Robert Lightizer, Trumps Handelsbeauftragter, war übrigens damals schon an maßgeblicher Stelle aktiv. In den 80ern galt Japan als Hauptgegner, heute hat China diese Rolle. (Achten Sie diese Woche darauf, wie Peking auf Trumps Zollpolitik reagiert.)

Die Ähnlichkeiten sind unübersehbar, auch wenn sich Trump und Reagan in Stil und Ton stark unterscheiden.

Es ist nur so: Als Reagan seine zweite Amtszeit begann, war der US-Dollar so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Binnen der ersten vier Jahre hatte er gegenüber anderen wichtigen Währungen im Schnitt mehr als ein Drittel an Wert gewonnen. Das passte zum nationalen Selbstbild der Reagan-Jahre - ein starkes Land mit einer starken Währung.

Über Trump hingegen urteilen die Devisenmärkte anders: Der Dollar fällt. Seit seinem Amtsantritt hat die US-Währung gegenüber Amerikas wichtigsten Handelspartnern im Schnitt rund zehn Prozent verloren, gegenüber dem Euro sogar noch mehr.

Wie passt diese Schwäche des Dollar zur regierungsamtlich verkündeten greatness?

Schwache Währung, starkes Land?

Kaum ein Preis ist emotional so stark aufgeladen wie der Außenwert einer Währung. Im Wechselkurs spiegelt sich die relative Stärke einer Volkswirtschaft gegenüber anderen Nationen. Entsprechend stolz war die alte Bundesrepublik auf die Stärke ihrer D-Mark. Für Frankreich, das sich mehrmals von Abwertungen gepeinigt fühlte, wurde der Franc fort in den 80er Jahren zur Grundlinie der gesamten Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die aktuelle Verunsicherung des Brexit-Lands Großbritannien hat sich zuallererst in einer Abwertung des Pfundes an den Devisenmärkten gezeigt.

Nationen, die eine starke Währung besitzen, können billig im Ausland einkaufen und sich dort zu günstigen Bedingungen Kapital leihen. Von diesem Privileg machen die USA seit Jahrzehnten ausgiebig Gebrauch.

Allerdings verteuert eine starke Währung auch die Exporte; in den 80er Jahren fiel die Reagan'sche Aufwertung so stark aus, dass sie Amerikas Industrie in die Knie zwang (weshalb der Dollarkurs in einer konzertierten Aktion der westlichen Staaten ab 1985 wieder gedrückt wurde.) Eine starke Währung muss man sich auch leisten können.

Zwischen beiden Polen ist die US-Politik auch jetzt hin- und hergerissen. Das war Ende Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos zu beobachten, als Finanzminister Steve Mnuchin den Eindruck vermittelt, ein schwacher Dollar sei im Interesse der USA, weil dadurch Amerikas Exporte billiger würden. Trump sah das allerdings anders und widersprach kurz darauf per TV-Interview: Er wolle "einen starken Dollar sehen". Die US-Währung werde "stärker und stärker".

Nun gut, die Zahlen verkünden eine andere Botschaft.

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