Montag, 18. November 2019

Feuer im Amazonasgebiet Brasilien lehnt G7-Soforthilfe ab

Waldbrände in Brasilien: Die schwersten Feuer seit Jahren
Victor Moriyama/Greenpeace Brazil/ DPA
Waldbrände in Brasilien: Die schwersten Feuer seit Jahren

In Biarritz sagten die Mitglieder der G7 eine Soforthilfe von 20 Millionen US-Dollar (rund 17,9 Millionen Euro) für die Bekämpfung des Feuers im südamerikanischen Regenwald zu. Brasilien lehnt das Geld jedoch ab.

Die 20 Millionen Dollar sollten lieber dazu verwendet werden, die Wälder in Europa wieder aufzuforsten, sagte Onyx Lorenzoni, Kabinettschef von Präsident Jair Bolsonaro, dem Nachrichtenportal "G1". Das Präsidentenbüro bestätigte der Nachrichtenagentur afp die Ablehnung der Soforthilfe. Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles hatte die Unterstützung durch die G7 zunächst begrüßt.

Mit dem Geld der G7 sollten vor allem Löschflugzeuge finanziert werden, hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim Treffen der führenden Industrieländer angekündigt.

Brasilien danke für die angebotene Hilfe, sagte Lorenzoni demnach. "Aber vielleicht wäre es wichtiger, mit den Mitteln Europa wieder aufzuforsten." Zugleich rief er Macron auf, dieser solle sich lieber um die Probleme bei sich "zu Hause" und in den französischen "Kolonien" kümmern.

Die brasilianische Regierung hat Macron in den vergangenen Tagen wiederholt scharf angegriffen, weil der französische Präsident die Amazonas-Waldbrände auf die Agenda des G7-Gipfels gesetzt hatte. Bolsonaro selbst warf Macron eine "kolonialistische Mentalität", eine "Instrumentalisierung" der Amazonas-Waldbrände sowie einen "sensationsgierigen Ton" vor. Der ultrarechte Politiker schreckte selbst vor einer sexistischen Attacke gegen Macrons Ehefrau Brigitte nicht zurück.

Bauern bestreiten, Feuer gelegt zu haben

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach den jüngsten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 78 Prozent auf mehr als 80.000 Brände. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Umweltschützer und indigene Gruppen werfen Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Farmer, Holzfäller und Goldgräber zu immer weiteren Rodungen ermutigt fühlen. So sollen Medienberichten zufolge Bauern im Bundesstaat Pará sich zu einem "Tag des Feuers" verabredet und große Waldflächen in Brand gesteckt haben.

Der Bauernverband in Pará streitet eine koordinierte Brandrodung in der Region ab. "Wenn es so etwas gegeben hat, war es ein Einzelfall. Wir wissen nichts von einer orchestrierten Aktion", sagte der Präsident des Verbands in Novo Progresso, Agamenon da Silva Menezes, am Montag der amtlichen Nachrichtenagentur Agência Brasil. "Niemand will Brände, die außer Kontrolle geraten könnten. Das schadet allen."

als/rei/afp/dpa

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