Dienstag, 12. November 2019

Drohgebärden aus den USA Amazon schlägt gegen Digitalsteuer zurück

Google, Amazon und Facebook Symbole auf einem Smartphone: Die US-Konzerne machen gegen Frankreichs Digitalsteuer mobil

Die angekündigte französische Digitalsteuer sorgt im Vorfeld des anstehenden G7-Gipfels weiter für Unmut und hat nun erste Vergeltungsaktionen der Technologiekonzerne zur Folge. So kündigte der Onlinehändler Amazon - offenbar um ein Exempel zu statuieren - seinen französischen Kunden zum 1. Oktober eine Erhöhung der Gebühren um 3 Prozent an.

Seien auf den Verkauf eines Artikels bislang Gebühren von 15 Prozent fällig geworden, erhöhe sich der Betrag künftig auf 15,45 Prozent, rechnet der Konzern seinen Händlern französische Medien zufolge vor. Frankreich ist laut Medienberichten für Amazon der zweiwichtigste Markt in Europa.

Einen entsprechenden Schritt hatte der Onlinehändler bereits vor einigen Tagen angekündigt und diesen mit dem hartem Wettbewerb, hohen Investitionen und engen Margen begründet. Man habe keine andere Option, hieß es.

Gebührenerhöhung - und eine Warnung

Gleichzeitig wies der Konzern darauf hin, dass Händler, die die gestiegenen Kosten an ihre Kunden weiterreichten, im internationalen Wettbewerb Nachteile erleiden könnten. Laut Französischen Medienberichten läuft in Frankreich 58 Prozent des Amazon-Handelsumsatzes über selbstständige Händler.

Frankreich will künftig eine dreiprozentige Digitalsteuer erheben, die unter anderem auf online erzielte Werbeerlöse fällig werden soll. Betroffen sind Konzerne, die mit ihren digitalen Aktivitäten einen weltweiten Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro und in Frankreich von mehr als 25 Millionen Euro erzielen. Ein Vorgehen, das besonders die großen US-Konzerne Google, Apple, Facebook und eben auch Amazon treffen dürfte. Diese stehen in der Kritik, unter anderem durch geschickte Gewinnverlagerungen insgesamt wenig Steuern zu zahlen.

Nun fürchten die Tech-Konzerne, dass Frankreich nur der Anfang sein könnte. Und zahlreiche weitere Länder mit einer Digitalsteuer nachziehen. Denn auch in anderen EU-Ländern wie Spanien, Italien und Großbritannien werden Digitalsteuern vorbereitet, nachdem ein einheitliches Vorgehen in Europa zuvor gescheitert war.

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