Streit beigelegt Allianz Opec+ will mehr Öl fördern

Die großen Ölförderstaaten werden von August täglich 400.000 Barrel mehr Öl produzieren. Zudem sollen die Förderquoten des Kartells neu aufgeteilt werden. Die Folgen der Beschlüsse für die Verbraucher sind noch unklar.
Arbeiter des Ölriesen Saudi Aramco: Das Opec-Kartell wird die Produktion erhöhen und stellt damit die Weichen für eine Förderung auf Vorkrisen-Niveau

Arbeiter des Ölriesen Saudi Aramco: Das Opec-Kartell wird die Produktion erhöhen und stellt damit die Weichen für eine Förderung auf Vorkrisen-Niveau

Foto: Maxim Shemetov / REUTERS

Das Ölkartell Opec und seine Partnerländer (Opec+) haben sich angesichts der Erholung der Weltkonjunktur auf eine deutliche Erhöhung der Ölproduktion geeinigt. Ab August werde die Öl-Allianz ihre Tagesproduktion bis auf weiteres um jeweils monatlich 400.000 Barrel (je 159 Liter) steigern, teilte die Opec am Sonntag nach einem kurzfristig einberufenen Online-Ministertreffen mit. Sollten die Marktbedingungen es zulassen, werde die noch bestehende Produktionskürzung damit im September 2022 auslaufen, hieß es.

"Wir haben es mit Ungewissheiten zu tun", sagte der saudische Energieminister Abdulasis bin Salman mit Blick auf die Gefahr neuer Corona-Wellen. Er wies darauf hin, dass die Öl-Allianz an ihren monatlichen Treffen zur Einschätzung der Marktlage festhalten werde. Die nächste Beratung der Öl-Allianz ist für den 1. September geplant.

Die Preise waren Anfang Juli in New York zunächst auf ein Sechs-Jahres-Hoch geklettert, nachdem die Gespräche zur Erhöhung der Fördermenge gescheitert waren, bevor sie wieder in Richtung 70 Dollar pro Barrel fielen, weil spekuliert wurde, dass die Allianz auseinanderbrechen könnte. Dieses Risiko wendete die Allianz nun zunächst ab.

Folgen für Verbraucher noch schwer einzuschätzen

Die 23 Staaten einigten sich auf einen neuen Zuschnitt bei den Förderanteilen, der ab Mai 2022 wirksam werden soll. Davon profitieren Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Irak sowie Russland als wichtigstes Partnerland. Ein Streit zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten über Förderquoten hatte eine Einigung vor zwei Wochen noch verhindert.

Die Folgen der Entscheidung für die Bezieher von Heizöl und für die Autofahrer sind noch schwer abzusehen. Sprit ist inzwischen schon so teuer wie zuletzt im Herbst 2018. Im Vergleich zum von der Corona-Krise geprägten Sommer 2020 kostet Kraftstoff gut 20 Prozent mehr.

Russlands Vize-Regierungschef Alexander Nowak sagte dem Staatsfernsehen, auf dem Markt sei die Nachfrage nach Öl und Erdölprodukten gestiegen und nun gebe es ein Defizit. Mit der Opec-Entscheidung werde die Ölproduktion auf das Niveau vor der Corona-Pandemie zurückgeführt. "Für Russland bedeutet das zum Beispiel, dass wir schon im nächsten Mai das Vorkrisenniveau erreichen werden."

Weil sich die Wirtschaft von der Corona-Pandemie erholt, steigt auch die Ölnachfrage. Das wiederum trieb die Ölpreise zuletzt auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Im vergangenen Jahr, als die Nachfrage eingebrochen war, hatte die OPEC+-Gruppe ihre Produktionsmenge um ein Rekordvolumen von zehn Millionen Barrel pro Tag gesenkt. Seither hatten das Exportkartell und seine Partner die Fördermenge schrittweise angehoben, so dass sich die Verringerung zuletzt nur noch auf 5,8 Millionen Barrel pro Tag belief. Auch dank des Förderlimits ist der Preis für Rohöl seit Jahresbeginn um rund 40 Prozent gestiegen.

Die Opec geht davon aus, dass 2022 wieder ein weltweiter Öl-Bedarf herrscht wie vor der Corona-Krise. Das würde eine Nachfrage von rund 100 Millionen Barrel am Tag bedeuten. Die Allianz Opec+ liefert davon etwa 45 Prozent.

rei/dpa-afx/Reuters/Bloomberg
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