Sonderziehungsrechte und Kredite IWF setzt Afghanistans Zugang zu Geld aus

Kaum an der Macht, steuern die Taliban auf eine Liquiditätskrise zu. Nach den USA hat auch der Internationale Währungsfonds den Geldfluss nach Afghanistan gestoppt. Für Montag war die Auszahlung einer historischen Summe geplant.
Folgt der Staatengemeinschaft: IWF-Generalsekretärin Kristalina Georgieva

Folgt der Staatengemeinschaft: IWF-Generalsekretärin Kristalina Georgieva

Foto: NICHOLAS KAMM/ AFP

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat der Internationale Währungsfonds den Zugang Kabuls zu IWF-Ressourcen wegen der unsicheren politischen Lage ausgesetzt. "Derzeit herrscht innerhalb der internationalen Gemeinschaft Unklarheit über die Anerkennung einer Regierung in Afghanistan, was dazu führt, dass das Land keinen Zugang zu SZR (Sonderziehungsrechten) oder anderen IWF-Ressourcen hat", erklärte eine IWF-Sprecherin am Mittwoch. Der IWF folge wie stets "der Ansicht der internationalen Gemeinschaft", ob eine Staatsführung legitim sei.

Für Montag ist eine Zuteilung von 456 Milliarden Sonderziehungsrechten (560 Milliarden Euro) an alle berechtigten Mitglieder geplant - laut IWF-Generalsekretärin Kristalina Georgieva (68) eine "historische Entscheidung", um die globale Liquidität in der Corona-Krise zu erhöhen, besonders in Entwicklungsländern. Der Bestand dieser IWF-eigenen Währung wird damit per Beschluss der beteiligten Staaten mehr als verdreifacht. Der bisherige Zuteilungsrekord - mit Abstand - waren 161 Milliarden SZR im August 2009 als Hilfe gegen die globale Finanzkrise.

Kein Griff auf Zentralbankreserven

Die Taliban jedoch werden dann voraussichtlich keinen Zugang zum afghanischen Anteil haben, der laut dem ins Ausland geflohenen Chef der afghanischen Zentralbank, Ajmal Ahmady (43), 340 Millionen Dollar beträgt. Auch ein 370 Millionen Dollar schweres Kreditprogramm des IWF, mit dem die Wirtschaft Afghanistans in der Corona-Krise angekurbelt werden sollte, ist damit ausgesetzt.

Laut Ahmady belaufen sich die Devisenreserven der afghanischen Zentralbank auf rund neun Milliarden Dollar. Fast das gesamte Geld befinde sich jedoch außerhalb Afghanistans, erklärte Ahmady auf Twitter, höchstens auf 0,1 bis 0,2 Prozent könnten die Taliban zugreifen. Allein sieben Milliarden Dollar befänden sich bei der US-Zentralbank. Laut Ahmady hätten Taliban die in Kabul gebliebenen Mitarbeiter der Zentralbank ausgefragt, wo denn die Reserven seien. "Sie brauchen dringend einen Volkswirt", schrieb er.

Ein US-Regierungsvertreter hatte bereits am Montag erklärt: "Zentralbankreserven der afghanischen Regierung, die in den USA liegen, werden den Taliban nicht zur Verfügung gestellt." Zentralbankchef Ahmady teilte zudem mit, dass die Lieferung von US-Dollar in das Land "unterbrochen" sei. Kurz vor dem Einmarsch der Taliban in Kabul habe er noch mit einem Flugzeugtransport mit Banknoten gerechnet, der von den Amerikanern abgesagt wurde. Dollar-Scheine seien in Afghanistan kaum noch erhältlich. Der Wert der afghanischen Währung war mit der Übernahme der Islamisten stark gefallen.

Afghanistan ist als eines der ärmsten Länder der Welt stark auf Hilfsgelder angewiesen. Nach Angaben der Weltbank belief sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im Jahr 2020 auf 19,8 Milliarden US-Dollar, davon machten Hilfsgelder fast 43 Prozent aus. Mehrere Länder haben nach der Machtübernahme der Taliban jedoch angekündigt, dass sie die Hilfsgelder einfrieren werden. Auch Deutschland, eines der wichtigsten Geberländer, stoppte seine Zahlungen am Mittwoch.

ak/AFP
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