Höchste Alarmstufe WHO erklärt Affenpocken-Ausbruch zur internationalen Notlage

Die Weltgesundheitsorganisation ruft wegen der Verbreitung des Affenpockenvirus die höchste Alarmstufe aus. Die Gefahr einer schnellen Ausbreitung in Europa sei besonders groß. Auf Deutschland entfallen gut 14 Prozent der bislang weltweit gemeldeten Infektionen.
Affenpockenviren unter dem Elektronenmikroskop

Affenpockenviren unter dem Elektronenmikroskop

Foto: Cynthia S. Goldsmith / dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ruft wegen der raschen Ausbreitung von Affenpocken die höchste Alarmstufe aus. Es handle sich um einen Gesundheitsnotstand von internationaler Tragweite, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstagnachmittag auf einer Pressekonferenz. Mit dieser Einstufung sollen eine international koordinierte Bekämpfung einer Krankheit und die Bereitstellung entsprechender Mittel erleichtert werden. Bisher hat die UN-Organisation lediglich die Corona-Pandemie und Polio als internationalen Gesundheitsnotstand eingestuft.

Die Einstufung soll die Regierungen der Mitgliedsländer dazu bewegen, Maßnahmen zu ergreifen, um den Ausbruch einzudämmen. Sie sollen Ärzte und Kliniken sensibilisieren, bei Verdachtsfällen Schutzmaßnahmen treffen und die Bevölkerung aufklären, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen kann.

Verbreitung vor allem durch Körperkontakt

Die Affenpocken sind eine in der Regel mild verlaufende Virusinfektion. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten. Während sich das Coronavirus durch Aerosole mit Virenpartikeln verbreitet, die Infizierte beim Atmen, Sprechen oder Husten ausstoßen, erfolgen Infektionen mit Affenpocken nach derzeitigem Wissensstand in der Regel durch engen Körperkontakt.

Die Krankheit hat sich seit Anfang Mai weltweit ausgebreitet. Im laufenden Jahr wurden mehr als 16.000 Fälle aus mehr als 75 Ländern gemeldet. Die US-Gesundheitsbehörde CDC listet auf ihrer Website  knapp 17.000 bestätigte Fälle in 74 Ländern auf. In der Vergangenheit trat die Erkrankung hauptsächlich in West- und Zentralafrika auf und nur selten andernorts. Zuletzt wurden die Affenpocken jedoch auch verstärkt aus Europa gemeldet.

WHO: Das Verbreitungsrisiko in Europa ist hoch

Ob wegen der Affenpocken der Gesundheitsnotstand erklärt werden sollte, war in der WHO bis zuletzt umstritten. Generaldirektor Tedros erklärte, er habe die Entscheidung gegen die Mehrheit des beratenden Expertenkomitees getroffen. Lediglich sechs Mitglieder des Gremiums hätten für diese Einstufung und neun dagegen gestimmt. Auf seiner vorherigen Sitzung Ende Juni hatte das Komitee entschieden, dass der gegenwärtige Ausbruch noch keinen Gesundheitsnotfall darstellt. Damals waren nur rund 3000 Fälle bekannt.

Weltweit schätzt die WHO das Pockenrisiko gegenwärtig als moderat ein - mit Ausnahme Europas. Dort sei die Gefahr einer weiteren Verbreitung hoch, füge Tedros hinzu. Für Deutschland meldete das Robert Koch-Institut (RKI) zuletzt knapp 2300 nachgewiesene Infektionen.

rei/Reuters/DPA
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