Milliardenschwerer Ausbau Ägypten plant zweiten Suez-Kanal

Mit eigenen Mitteln will Ägypten einen gigantischen Ausbau des Suezkanals stemmen. Präsident Al-Sissi hofft auf einem Schub für die Wirtschaft - dabei stammt das Projekt ursprünglich gar nicht von ihm.
Gewaltig: Auch die größten Containerschiffe der Welt, hier die CMA CGM Marco Polo, können den Suezkanal durchfahren. Er zählt zu den wichtigsten Wasserstraßen der Welt

Gewaltig: Auch die größten Containerschiffe der Welt, hier die CMA CGM Marco Polo, können den Suezkanal durchfahren. Er zählt zu den wichtigsten Wasserstraßen der Welt

Foto: AFP

Ismailia - Ägypten will in einem Mammutprojekt seinen Suezkanal erweitern. Geplant ist der Bau eines zweiten, kleineren Kanals parallel zur bereits existierenden Schiffsroute. Die neue Achse soll mit einer Länge von 72 Kilometern den 163 Kilometer langen Hauptkanal entlasten. Das teilte ein Mitglied der Suez-Kanal-Behörde am Dienstag in der Hafenstadt Ismailia mit. Der Bau solle nach Schätzungen vier Milliarden US-Dollar (knapp drei Milliarden Euro) kosten.

Zur Vorstellung des Projektes war auch der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sissi anwesend. Bereits am Dienstagvormittag hatten die ägyptischen Medien die Reise des Staatsoberhauptes in das am Kanal gelegene Ismailia angekündigt - er hatte eine "Überraschung" angekündigt - und über ein mögliches Bauprojekt spekuliert.

Pläne aus Mursis Feder

Erst im vergangenen Jahr hatte der mittlerweile gestürzte Präsident Mohammed Mursi einen Ausbau des Suez-Kanals vorgestellt. Das Vorhaben geriet jedoch in die Kritik, als Pläne öffentlich wurden, nach denen Katar die Finanzierung federführend übernehmen solle.

Al-Sissi betonte nun bei der Vorstellung des neuen Bauvorhabens, die Finanzierung solle allein aus ägyptischen Mitteln erfolgen. "Die Ägypter sind sehr sensibel, was ausländische Beteiligungen angeht", zitiert ihn die Nachrichtenseite "Al-Masry al-Youm". Am Projekt seien 17 Firmen beteiligt, die Al-Sisi unter die Aufsicht des ägyptischen Militärs stellt. Der Bau soll in drei Jahren realisiert werden, Al-Sissi wünschte sich nach Angaben von "Al-Masry al-Youm" jedoch eine Fertigstellung binnen eines Jahres.

Nach Angaben der Kanal-Behörde soll die neue Strecke auf 37 Kilometern eine Erweiterung des bestehenden Kanals sein, weitere 35 Kilometer werden komplett neu ausgehoben. Das Projekt wird durch weitere Entwicklungsprogramme wie dem Bau von Tunneln, Infrastruktur und Tourismuszonen begleitet. Diese Vorhaben stünden auch ausländischen Investoren offen. Insgesamt erwartet die Suez-Kanal-Behörde eine Millionen neue Arbeitsplätze durch die Bauvorhaben am Kanal.

Handelskammer erwartet Mehreinnahmen in Milliardenhöhe

Bereits am Montag hatten die Märkte auf das zu erwartende Megaprojekten spekuliert: Der ägyptische Aktienindex EGX schloss am Montag mit 8918 Punkten - dem höchsten Wert seit sechs Jahren. "Wenn das Projekt Realität wird, wird das viele Wirtschaftssektoren wachsen lassen", sagte Handelskammermitglied Issa Fathy der Staatszeitung "Al-Ahram". Fathy geht zukünftig von Einnahmen in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar durch den Kanal aus.

Derzeit liefert der Suez-Kanal Einnahmen von rund fünf Milliarden Dollar - und ist wichtigster Devisen-Lieferant für Ägypten. Der Kanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und erspart der internationalen Schifffahrt auf der Route zwischen Nordatlantik und Indischem Ozean so die Umfahrung Afrikas. Er wurde vor 145 Jahren eröffnet.

luk/dpa
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