IWF-Tagung Deutschland und Europa sind das Problem

Der Internationale Währungsfonds sieht Deutschland und Europa als Risiko für die Weltkonjunktur: Die Abkühlung in der Bundesrepublik und die Dauerflaute in Europa könnte das weltweite Wachstum bremsen. Finanzminister Schäuble wehrt sich gegen die Kritik.
"Wir sind ziemlich besorgt über die Abkühlung in Deutschland": Finanminister Wolfgang Schäuble (mit seinem italienischen Kollegen Carlo Padoan (rechts) und Ökonom Larry Summers) musste sich während der IWF-Tagung in Washington scharfer Kritik erwehren

"Wir sind ziemlich besorgt über die Abkühlung in Deutschland": Finanminister Wolfgang Schäuble (mit seinem italienischen Kollegen Carlo Padoan (rechts) und Ökonom Larry Summers) musste sich während der IWF-Tagung in Washington scharfer Kritik erwehren

Foto: DPA

Washington - Die Förderung des Wachstums habe im Moment höchste Priorität, erklärte der Fonds am Wochenende in Washington. In einer Reihe von Staaten sei die Arbeitslosigkeit inakzeptabel hoch und die Konjunktur schwach.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wehrte sich gegen die Kritik an Deutschlands Wirtschaftspolitik und erklärte, von einer weltweiten Wirtschaftskrise könne keine Rede sein. Für dauerhaftes Wachstum würden Strukturreformen benötigt. Vertreter der US-Notenbank Fed brachten wegen der weltweiten Wirtschaftsschwäche eine Verschiebung der Zinswende ins Gespräch.

Zwar schwächelt die Konjunktur auch etwa in Japan und China. Die zunehmende Sorge um die Wirtschaftslage speziell in Europa hatte allerdings zu handfesten Kursverlusten an der Wall Street geführt. Die Erholung in der Euro-Zone falle offenbar viel schwächer aus als im Frühjahr erwartet, sagte am Freitag der Europa-Experte des IWF, Mahmood Pradhan, in Washington. "Wir sind ziemlich besorgt über die Abkühlung in Deutschland."

Der IWF hat seine Prognose für Deutschland kräftig nach unten revidiert. Er erwartet für dieses Jahr ein Wachstum von 1,4 Prozent und damit einen halben Prozentpunkt weniger als ursprünglich veranschlagt.

Schäuble: Reformen sind wichtiger als billiges Geld

Schäuble erklärte in Washington, es gebe keinen Grund, von einer weltweiten Wirtschaftskrise zu sprechen. Er betonte die Notwendigkeit eines dauerhaften Wachstums, das nur durch Strukturreformen zu erreichen sei. Diese müssten allerdings an die unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Kontinenten und Ländern angepasst werden.

Der österreichische Notenbankchef Ewald Nowotny verwies auf den schwächeren Euro, der auf ein Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone im kommenden Jahr hoffen lasse. Außerdem trage dies dazu bei, die Gefahr einer zu niedrigen Inflation einzudämmen.

IWF sieht "reelles Risiko" einer längeren Wachstumsflaute

Der IWF rief die Staaten in seinem Kommunique mit Nachdruck zur Förderung des Wachstums auf. Sie müssten politisch schwierige Reformen des Arbeitsmarkts und der Sozialsysteme vornehmen, um die so freiwerdenden Mittel für die Infrastruktur und die Schaffung von Arbeitsplätzen einsetzen zu können.

Die Maßnahmen seien nötig, um dem "sehr reelle Risiko einer längeren Phase eines unterdurchschnittlichen Wachstums zu begegnen", erklärte der Vorsitzende des Lenkungsausschusses, Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam. Insgesamt setze sich trotz gewisser Rückschläge weltweit eine uneinheitliche wirtschaftliche Erholung fort, erklärte der Ausschuss weiter. Besonders in Großbritannien und den USA verbessere sich die Lage.

Allerdings steigt gerade in den USA die Sorge, die lahmende Weltwirtschaft könne auf die amerikanische Konjunktur übergreifen. "Wenn das Wachstum im Ausland schwächer ausfällt, könnte das dazu führen, dass der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik länger als üblich dauert", sagte Fed-Vizepräsident Stanley Fischer. Ähnlich äußerte sich Fed-Gouverneur Daniel Tarullo.

Die US-Notenbank müsse bei ihren Entscheidungen die Entwicklung im Ausland bedenken, sagte er. Im Moment wird eine Zinswende etwa Mitte 2015 erwartet. Die Fed betreibt seit Ende 2008 eine Nullzinspolitik, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Arbeitsmarkt auf Touren zu bringen.

von Krista Hughes und Leika Kihara, Reuters