Donnerstag, 14. November 2019

Nach der Zinssenkung Die EZB kann nur scheitern

Neubau der EZB in Frankfurt: Die Gefahr einer Deflation ist realistisch - in einem Umfeld massiver Überschuldung wirkt die Geldpolitik der EZB nicht mehr

Die EZB hat die Druckgeschwindigkeit ihrer Notenpressen erhöht. Die einen begrüßen die Geldflut als Doping für die Wirtschaft, die anderen befürchten eine Enteignung der Sparer. Beide Lager sind in einem Irrtum gefangen: Dass Geldpolitik noch etwas bewirkt.

Jetzt hat sie es also endlich getan, die EZB. Seit Monaten drängen Experten der Banken und internationalen Institutionen wie der IWF die Europäische Zentralbank dazu, doch endlich mitzumachen im globalen Wettlauf in der Druckgeschwindigkeit der Geldruckmaschinen. Als könnte man mit etwas mehr Geld alle Probleme lösen. Schmerzfrei und über Nacht.

Und die Reaktionen auf diese Entscheidung sind wie erwartet: Die angelsächsischen Medien begrüßen den Entscheid und bemängeln zugleich, die EZB sei zu spät und zu zaghaft. Die deutschen Medien sprechen von der Enteignung der Sparer und Wittern den Einstieg in die ungebremste Inflationierung.

Beide haben dabei Recht und Unrecht zugleich.

Und beide sind gefangen in einem Gedankenmodell der Volkswirtschaftslehre, welches in die heutige Welt einfach nicht mehr passt. Beide glauben daran, dass Geldpolitik etwas bewirkt. Nämlich entweder, dass die Wirtschaft wieder auf Trab kommt (Angelsachsen) oder aber es zu einer raschen Geldentwertung kommt (Deutsche), wobei letzteres die Angelsachsen durchaus nicht stören würde. Und hier irren beide Lager.

In einem Umfeld der massiven Überschuldung wirkt Geldpolitik nicht mehr. Die Gefahr einer Deflation ist deshalb realistisch und nicht mit den Instrumenten der EZB alleine abzuwenden. Ursache ist die hohe Schuldenlast mit der wir es zu tun haben. Der Blick auf die Fakten ist ernüchternd. Allen vermeintlichen Sparbemühungen zum trotz ist die Schuldenlast in der westlichen Welt seit Beginn der Krise weiter gewachsen.

Nicht nur die Staaten haben in enormen Umfang weiter Schulden gemacht, sondern auch die privaten Haushalte und Unternehmen. Lediglich den USA ist es gelungen, den Schuldenstand auf hohem Niveau zu stabilisieren und in Deutschland gibt es einen geringfügigen Rückgang der Schulden relativ zum Bruttoinlandsprodukt seit 2010.

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