Ziel wird verfehlt China kassiert Wachstumsprognose

China dampft seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 7 Prozent ein. Die neue Regierung ist offenbar bereit, für den Umbau des Landes einen guten Teil des Wachstums zu opfern. Das Land will unabhängiger von Exporten werden.
Bandarbeiter in Autofabrik: China will den Binnenkonsum stärken und von Exporten unabhängiger werden.

Bandarbeiter in Autofabrik: China will den Binnenkonsum stärken und von Exporten unabhängiger werden.

Foto: AP

Shanghai - Chinas Regierung stellt den Umbau der Wirtschaft über rasches Wachstum und stimmt die Finanzmärkte und Handelspartner auf eine deutliche Konjunkturabkühlung ein. Das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft könnte in diesem Jahr auf 7 Prozent zurückgehen, sagte Finanzminister Lou Jiwei in Washington am Rande von US-chinesischen Handelsgesprächen.

Derart pessimistisch hat sich bisher kein Regierungsmitglied zu den Aussichten für das Land geäußert, das in den vergangenen Jahrzehnten häufig zweistellige Raten geschafft hat. Sollte das Plus im Gesamtjahr tatsächlich so gering ausfallen, wäre es das erste Mal, dass China das von der Regierung verordnete Wachstumsziel verfehlt.

Die Führung in Peking rechnet offiziell für 2013 mit 7,5 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Zielmarke für kommendes Jahr weiter gesenkt wird und bei 7 Prozent liegen könnte.

Was immer noch viel klingt, ist wenig für chinesische Verhältnisse. "Noch vor einem Jahr hätte ein derart niedriges Ziel eine weltweite Panik ausgelöst", sagte Analystin Annette Beacher von TD Securities. Unklar sei nun, wo die Untergrenze für die Regierung liege, ergänzte Louis Kuijs, Volkswirt bei der Großbank RBS in Hongkong. "Es sieht so aus, als ob sie sich im Moment nicht auf eine Untergrenze geeinigt haben. Sie suchen nach einer, aber vielleicht brauchen sie auch keine harte Zahl."

Im Juni hatte Vize-Präsident Li Yuanchao gesagt, China sei in der Lage, in der Zukunft Wachstumsraten von 7 Prozent zu schaffen. Finanzminister Lou ergänzte nun, 7 Prozent in diesem Jahr seien nicht die Untergrenze. Auch wenn die Wirtschaft an Fahrt verliere, so werde doch eine harte Landung vermieden. "Trotz der Verlangsamung von Chinas Wachstumsrate zahlen sich die Strukturreformen aus."

Regierung will China unabhängiger von Exporten machen

Am Montag will Peking die Wachstumszahlen für das zweite Quartal vorgelegen. Analysten rechnen mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung verglichen mit dem Vorjahr um 7,5 Prozent. Es wäre der geringste Zuwachs seit 23 Jahren. Die Zahl könnte aber noch geringer ausfallen: Denn im Juni waren die Exporte erstmals seit anderthalb Jahren eingebrochen.

Noch vor wenigen Jahren hätte die chinesische Regierung bei derart geringen Zuwächsen die Wirtschaft mit milliardenschweren Konjunkturpaketen in Schwung gebracht. Doch die Führung unter Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang schlägt nun einen anderen Kurs ein. Sie will die Wirtschaft unabhängiger von Exporten machen und geht gegen den ausufernden Schattenbanken-Bereich vor.

In China verleihen nicht nur Banken Geld - viele Unternehmen und Kommunen bedienen sich auch spezieller Kreditvehikel, die nicht in den Bilanzen der Banken aufgeführt sind. Der Schattenbanken-Sektor gilt inzwischen als eines der größten Risiken für Chinas Wirtschaft.

Die härtere Gangart der Regierung bekommt auch der Versicherungskonzern Ping An zu spüren, der wegen Problemen seiner Bank-Tochter möglicherweise vor Milliardenabschreibungen steht. Thomas Monaco vom Analysehaus Forensic Asia in Hongkong beziffert den Rekapitalisierungsbedarf dort auf satte 20 Milliarden Dollar, sollten die Turbulenzen an den Geld- und Finanzmärkten anhalten. Die Ping An Bank hat das Geschäft mit Stiftungen und die Vermögensverwaltung stark ausgebaut.

Derartige Vehikel sind aber Teil des Schattenbankensystems: Weil sich etwa Kommunen nicht am Markt verschulden dürfen, finanzieren sie auch hochriskante Immobiliengeschäfte über solche Konstrukte. Auf diese Weise wird die Verschuldung von Unternehmen und Körperschaften in China verschleiert.

rei/rtr

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