Freitag, 23. August 2019

Ausbürgerung US-Bürger geben ihren Pass aus Steuerfurcht ab

Abschied von Stars and Stripes: Von Amerikanern im Ausland wurden 2012 zwei Millionen Steuererklärungen eingereicht - bei sechs Millionen Expatriates

2. Teil: Aggressives Vorgehen der US-Justiz

Das ist der Grund, warum in der Schweiz lebende Amerikaner einen besonders hohen Anteil an den returnierten Pässen haben. Doch auch in Hong Kong leben viele Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft, die ihren US-Pass wieder abgeben. Die South China Morning Post berichtet über Chinesen vom Festland, die vor Jahren den US-Pass als "ultimatives Statussymbol" erwarben, danach wieder in die Volksrepublik zurückkehrten und jetzt erschrocken feststellen, dass sie auch in den USA steuerpflichtig sind.

Für die US-Expats ist der Auslandsaufenthalt noch um einiges schwieriger geworden, weil inzwischen einige Banken sie als Kunden ablehnen - aus Angst vor der Schnüffelei des IRS. "Die Auslandsbanken sind so entsetzt über die US-Regulierung, dass sie keine amerikanischen Kunden behalten wollen, und das bereitet Amerikanern in Übersee viele schlaflose Nächte", erklärte unlängst Francisca Mordi, Vizepräsidentin und Steuerexpertin der American Bankers Association.

Folge: Die Amerikaner im Ausland geben nicht nur Pässe zurück. Sie mobilisieren auch ihre Verbände.

Eine Berufsvereinigung im Ausland lebender Amerikaner mit Sitz in Genf, die Americans in Switzerland, wandte sich im vergangenen Herbst mit einem zehn Seiten langen Brief an den Kongress. Darin wurden die Probleme aufgeführt, mit denen sich die im Ausland lebenden Amerikaner dank des FATCA konfrontiert sehen.

"Es ist vor allem der zunehmende Jihad gegen Auslandskonten", erklärt Phil Hodgen, ein Steueranwalt in Pasadena, Kalifornien, die stark steigende Zahl abgegebener Pässe. Hodgen weiß von einer wachsenden Zahl reicher Investoren im Nahen Osten, die ihre Kinder mit einem US-Pass anweisen, den amerikanischen Teil der doppelten Staatsbürgerschaft jetzt wieder aufzugeben, falls sie Firmen aus dem Familienbesitz erben wollen.

US-Behörden setzen ausländische Banken unter Druck

Das aggressive Vorgehen des US-Justizministeriums gegen Finanzdienstleister in Übersee, die US-Kunden bei der Steuervermeidung helfen, trägt zu dem Exodus in den Botschaften bei. Fast ein Dutzend ausländische Banken, darunter die israelische Bank Leumi, die HSBC, die Credit Suisse und Julius Bär, werden von den US-Behörden durchleuchtet.

Im vergangenen Jahr musste die älteste Bank der Schweiz, Wegelin & Co., wegen Anschuldigungen aus den USA ankündigen, ihre Pforten zu schließen. Fast 40.000 US-Bürger haben sich in den vergangenen Jahren dem Fiskus ihres Landes offenbart, im Gegenzug für reduzierte Strafen. Doch es gibt eine millionenstarke Dunkelziffer. Laut den Statistiken des IRS wurden von Übersee-Amerikanern 2012 lediglich zwei Millionen Steuererklärungen eingereicht. Und das bei sechs Millionen Expats, die im Ausland leben.

Der Stein kam 2010 ins Rollen. Die US-Steuerbehörden drohten der Schweizer Großbank UBS mit einer Klage, die das Geldhaus in schwere Bedrängnis gebracht hätte. Am Ende zahlte die UBS Börsen-Chart zeigen im Februar 2009 eine Buße von 780 Millionen Dollar wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung. Mit dem Einverständnis der Schweizer Behörden wurden außerdem die Namen von rund 4500 mutmaßlichen amerikanischen Steuersündern heraus gegeben. Aber auch US-Firmen beklagen sich zunehmend über die Folgen des amerikanischen Steuersystems für ihr Geschäft.

Topmanager und gutbezahlte Spezialisten für die Niederlassungen in Übersee zu gewinnen, ist mit dem FATCA schwieriger geworden, argumentieren sie. Dass die Expats in den Landesgesellschaften von US-Firmen in Übersee an zwei Orten Steuern zahlen müssen - und jetzt von der IRS verstärkt unter Druck gesetzt werden - erschwert das Rekrutieren der nötigen Talente, um die internationale Expansion voran zu treiben. Und das in einer Zeit, in der die Umsätze in den USA unter schwächerer Binnennachfrage leiden und das Wachstum in den Schwellenländern forciert werden soll.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung