Vogelgrippe China ringt um Eindämmung des Virus

Fast täglich werden in China neue Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus H7N9 bestätigt. Experten gehen davon aus, dass der Erreger bald auch Deutschland erreichen wird.
Schutz vor importierten Vogelgrippe-Viren: Passagierin bei einer Untersuchung im Sungshan Flughafen in Taipei, Taiwan

Schutz vor importierten Vogelgrippe-Viren: Passagierin bei einer Untersuchung im Sungshan Flughafen in Taipei, Taiwan

Foto: SAM YEH/ AFP

Peking - Nach sechs Todesfällen und immer neuen Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus H7N9 versucht China weiter, den Erreger unter Kontrolle zu bringen. Die Behörden der Städte Hangzhou und Nanjing begannen am Samstag mit der Tötung von Geflügel und ordneten ein vollständiges Verbot des Handels damit an, wie chinesische Medien berichteten. Geflügelmärkte wurden geschlossen, der Weitertransport von Vögeln in Städte untersagt. In Shanghai waren zuvor bereits rund 20.000 Hühner, Enten, Gänse und Tauben vorsorglich gekeult worden.

Am Sonntag wurden trotzdem zwei neue Infektionen in Shanghai mit dem Erreger gemeldet, wie die Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte. Damit stieg die Zahl der infizierten Patienten auf insgesamt 20. Sechs Menschen starben bisher. Alle Fälle traten in Shanghai und nahe gelegenen Provinzen im Osten des Landes auf.

Für Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Virus auch Deutschland erreicht. "Die chinesischen Behörden haben uns in der Vergangenheit nicht überzeugen können, dass sie so etwas in Schach halten und regional begrenzen können", sagte der Virologe der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Alexander Kekulé. Nach den Erfahrungen der vergangenen Vogelgrippe gebe es in Deutschland nun jedoch viel bessere Kontrollen.

Europa hat die Kontrollen verbessert

Selbst wenn sich H7N9 als ein ähnlicher Erreger wie die Vogelgrippe H5N1 vor einigen Jahren entpuppen sollte, sei Europa gewappnet, sagte Kekulé. "Selbst dann wären wir in einer besseren Lage, weil wir viel besser vorbereitet sind." Der Erreger H5N1 infizierte nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen. 371 Patienten starben.

Chinesische Behörden versuchen, Panikmache zu vermeiden. Es handle sich um "isolierte" Fälle, teilte das Gesundheitsministerium mit. Experten hätten bisher keine Hinweise auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch gefunden.

Die chinesischen Gesundheitsbehörden wiesen aber Krankenhäuser an, sich auf mögliche weitere Infektionen vorzubereiten. Warnungen ergingen an Risikogruppen wie Geflügelzüchter, Händler, Fleischer und Arbeiter in der fleischverarbeitenden Industrie.

Die Gruppe der H7-Influenza-Viren befällt normalerweise Vögel. Die WHO hatte jedoch zwischen 1996 und 2012 auch infizierte Menschen in den Niederlanden, Italien, Kanada, den USA, Mexiko und Großbritannien registriert. Bisher habe dieses Virus Bindehautentzündung und eine leichte Entzündung der Atemwege hervorgerufen. Lediglich ein Mensch in den Niederlanden sei an dem Erreger gestorben.

krk/dpa
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