Montag, 18. November 2019

Keine Ausnahme Zypern öffnet Banken doch erst Donnerstag

Lange Schlangen vor der Laiki Bank: Zypriotisches Geldhaus vor dem Aus

Zypern hat wieder Geld: Die EZB lässt den Notfallgeldhahn offen, dreht ihn nicht wie angedroht ab - doch das Chaos bleibt. Nun sollen alle Banken Zypens erst Donnerstag öffnen. Die Angst vor einem Run auf weniger wackelige Institute, die früher hätten öffnen können, ist groß.

Frankfurt am Main/Nikosia - Das Geld fließt weiter nach Zypern. ach der Einigung auf ein Rettungspaket hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Liquiditätsversorgung der Banken in Zypern zugesichert. Der EZB-Rat habe beschlossen, dass sie der Zentralbank in Nikosia über das Notkreditprogramm Emergency Liquidity Assistance (ELA) weiterhin frisches Geld zur Verfügung stellen. Die Banken der angeschlagenen Inselwirtschaft öffnen dennoch nicht sofort ihre Türen.

Die Geldhäuser des Landes sollen nun - ohne Ausnahme - doch erst am Donnerstag wieder öffnen. Dies hat der zyprische Finanzminister Michalis Sarris am späten Montagabend bekannt gegeben - ein Schwenk um 180 Grad binnen Stunden. Denn wenige Stunden zuvor hatte hingegen noch die Nationale Zentralbank des Landes mitgeteilt, dass bereits am Dienstag die kleinen Banken wieder aufmachen würden. Die beiden angeschlagenen großen Banken, Bank of Cyprus und Laiki Bank, sollten von vornherein erst am Donnerstag wieder öffnen. Warum nun der Meinungswandel?

Die kleinen Banken hätten heftig gegen ihre Öffnung getrennt von den großen protestiert, berichten Nachrichtenagenturen. Sie hätten einen Ansturm der Kunden befürchtet; die Banken auf Zypern sind bereits seit dem 16. März geschlossen.

Zudem soll es zu einem heftigen Streit zwischen dem Präsidenten Nikos Anastastiades und dem Notenbankchef Panikos Demetriades gekommen sein, berichteten zyprische Medien. Anastasiades soll dem Zentralbankchef vorgeworfen haben, er werde mit der Öffnung nur einiger Banken erst Recht Verwirrung stiften.

Laiki-Bank vor Auflösung

Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades kündigte am Montagabend Einschränkungen des Kapitalverkehrs an. Damit wolle die Zentralbank das Bankensystem der Inselrepublik schützen. Die Beschränkungen seien zeitlich begrenzt. "Ich versichere Ihnen, dass dies nicht lange dauern wird." Die Maßnahmen sollten stufenweise wieder "abgeschwächt" werden. Einzelheiten nannte er nicht.

Erwartet wird, dass Kunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Mit den Einschränkungen soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr ganzes Geld abziehen. Das Limit für Geldautomaten war am Sonntag je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

Nach der Einigung von Brüssel sollen Einlagen bis 100.000 Euro verschont werden. Damit revidierten die Euro-Finanzminister ihre umstrittene Entscheidung von Mitte März für eine generelle Zwangsabgabe für Bankguthaben. Das hatte Sparer in ganz Europa verunsichert. "Konten unter 100.000 Euro sind geschützt, da gibt es keinen Zweifel dran", sagte Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem.

Nun werden Großanleger, Eigentümer und Gläubiger der beiden größten Banken der Insel herangezogen. Die zweitgrößte Bank, Laiki, soll aufgespalten werden und am Ende de facto verschwinden. Der Branchenprimus, die Bank of Cyprus, wird saniert und übernimmt den lebensfähigen Teil von Laiki. Kunden beider Banken mit mehr als 100.000 Euro werden schmerzhafte Einschnitte verkraften müssen.

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