Montag, 6. April 2020

Zypern in Not Russlands Rettungs-Basar ist eröffnet

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris: In höchster Not auf Dienstreise nach Moskau

Zyperns Politiker feilschen mit Russlands Führungsspitze um die Zukunft der Mittelmeerinsel. Die Handelsmasse ist bunt: Erdgasfelder und Finanzinstitute sind für russische Investoren interessant - und könnten der Insel in höchster Not helfen.

Hamburg - Zyperns Parlament hat entschieden. Die Volksvertreter des hochverschuldeten Landes haben die Zwangsabgabe auf Bankeinlagen abgelehnt - und damit das mit der Euro-Zone ausgehandelte Hilfspaket ausgeschlagen. Nun blickt das von der Pleite bedrohte Inselvolk nach Osten, nach Moskau, wo Zyperns Finanzminister Michalis Sarris mit seinem russischen Kollegen Anton Siluanow über alternative Hilfen verhandelt.

Die Russen sollen den Zyprioten mit lebensnotwendigem Kapital aushelfen. Konkret geht es um eine Verlängerung eines russischen Kredits über 2,5 Milliarden Euro. Russland hatte der Inselrepublik das Geld 2011 mit einer Laufzeit von 4,5 Jahren geliehen. Schon Anfang dieses Jahres bat die zyprische Regierung, die Tilgungsfrist um weitere fünf Jahre zu strecken.

Die Zyprer hoffen nun darauf, dass das, was sie zu bieten haben, ausreicht, um zumindest bessere Konditionen auszuhandeln als die von der EU geforderten Zwangabgaben auf Bankguthaben. Bei den Russen stoßen die Zyprioten dabei durchaus auf offene Ohren.

Russisches Vermögen auf der Insel doppelt so hoch wie Zyperns BIP

Schon am Dienstagabend hatte Russlands Präsident Wladimir Putin seinem zyprischen Kollegen Nicos Anastasiades telefonisch mitgeteilt, wie besorgt er über die geplanten Maßnahmen auch im Hinblick auf die Interessen russischer Bürger und Unternehmen sei. Der Grund: Zahlreiche russische Konzerne haben ihren offiziellen Sitz auf Zypern, darunter Weltkonzerne wie der Metallgigant Norilsk Nickel.

Ein Bericht für den Bundestag bezifferte das russische Vermögen bei zyprischen Banken im November auf 26 Milliarden Euro. Andere Experten gehen davon aus, dass inzwischen bis zu 35 Milliarden Euro auf zyprischen Konten aus Russland stammen. Das gesamte Bruttoinlandsprodukt der Insel beträgt dagegen nur rund 18 Milliarden Euro. Eine Zwangsabgabe, die vor allem russisches Kapital treffen würde, ist daher nicht im Sinne Putins.

Doch es gibt noch andere Gründe, die vor allem die russische Regierung für eine Fristverlängerung in Sachen Kredittilgung erwärmen könnten. Dies sind allen voran die Gasvorkommen Zyperns im Mittelmeer.

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