Euro-Krise Italien sorgt mal wieder für Aufsehen

Stark schrumpfende Wirtschaftsleistung, Rating-Herabstufung, schwierige Regierungsbildung: Die Hiobsbotschaften aus Italien häufen sich. In den kommenden Tagen stellt sich das Land den Märkten - doch Analysten rechnen erstaunlicherweise kaum mit Problemen.
Plastikfiguren von italienischen Politikern: Die Hängepartie nach der Wahl führte zu einer Bonitätsabstufung

Plastikfiguren von italienischen Politikern: Die Hängepartie nach der Wahl führte zu einer Bonitätsabstufung

Foto: Ciro Fusco/ dpa

Rom - In Italien ist längst nicht mehr alles "bella". Als ob die verfahrene Situation nach den Wahlen nicht genug wäre, ist Italiens Wirtschaft zum Jahresende auch noch deutlich gesunken. Im Quartalsvergleich war die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal um 0,9 Prozent rückläufig, teilte das nationale Statistikamt heute mit und bestätigte damit vorläufige Zahlen von Mitte Februar. Der Rückgang fiel so stark aus wie seit Herbst 2009 nicht mehr, dem schweren Einbruch nach der Finanzkrise. Im Jahresvergleich sank das Bruttoinlandsprodukt um 2,8 Prozent.

Die drittgrößte Volkswirtschaft des Euro-Raums befindet sich seit mittlerweile eineinhalb Jahren in der Rezession. Besonders stark gingen zum Jahresende die Investitionen der Unternehmen zurück. Der Konsum der privaten Haushalte gab ebenfalls spürbar nach. Die Exporte konnten leicht zulegen, während der Import sank.

Milliardenschwere Anleihenauktion steht bevor

Italien will morgen und übermorgen neue Anleihen im Volumen von insgesamt 15 Milliarden Euro ausgeben. Bislang deutet nichts auf einen größeren Anstieg der Renditen hin. Diejenigen der bereits gehandelten richtungsweisenden zehnjährigen Papiere stieg am Montag auf 4,661 Prozent von 4,592 Prozent. Im Vergleich zur Kursreaktion auf die Parlamentswahl Ende Februar sei dies moderat, sagt HSBC-Experte Sebastian von Koss. Damals war die Rendite auf rund 4,9 von knapp 4,6 Prozent gesprungen.

Auch Rabobank-Rentenstratege Lyn Graham-Taylor mahnt zur Besonnenheit. "Italien hatte direkt nach der Wahl eine Auktion, die recht gut verlaufen ist." Anleger schätzten die vergleichsweise hohen Renditen. "Außerdem steht die EZB immer noch im Hintergrund bereit", fügt Graham-Taylor hinzu. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat unlimitierte Stützungskäufe von Anleihen jener Staaten in Aussicht gestellt, die unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen.

Dennoch trübt die am Freitag erfolgte Herunterstufung der Bonität Italiens die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten. Der italienische Leitindex verlor heute bis zu ein Prozent. An den Rentenmärkten begegneten Investoren italienischen Anleihen mit Skepsis und warfen diese aus ihren Depots.

Die Herunterstufung durch Fitch mache einmal mehr deutlich, dass der Euro-Raum noch einen sehr weiten Weg vor sich habe, bis die Schuldenkrise überwunden werden könne, urteilten die Analysten der Nationalbank in einem Kommentar. Die Ratingagentur hatte die Kreditwürdigkeit Italiens am Freitagabend um eine Note auf "BBB+" gesenkt.

Ratingagenturen macht politische Hängepartie Sorgen

Andere die Situation deutlich entspannter. "Die Fitch-Herabstufung haut Italien nicht aus der Bahn, aber es hilft natürlich auch nicht gerade", sagt Commerzbank-Rentenanalyst Rainer Guntermann. Auch Sebastian von Koss, Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus, äußert sich gelassen. "Schließlich haben Standard & Poor's und Moody's Italien schon auf dem Niveau eingestuft. Erst wenn eine dieser beiden Ratingagenturen nun Italien herabstufen würde, könnte das weiteren Einfluss haben."

Fitch benotet die Bonität Italiens aktuell mit "BBB+" statt "A-". S&P und Moody's hatten ihre Einstufung zuvor bereits auf "BBB+" beziehungsweise "Baa2" gesenkt. Dabei würden vor allem Entscheidungen von Moody's aufmerksam verfolgt, sagt Guntermann. Denn deren Note liege nur zwei Stufen über Ramsch-Status.

Fitch begründete den Schritt mit der politischen Hängepartie in dem rezessionsgeplagten Land. Seit der Parlamentswahl vor zwei Wochen ist noch immer unklar, welche Regierung künftig die Geschicke Italiens lenken wird. Investoren fürchten daher, dass die zur Haushaltskonsolidierung dringenden Reformen ins Stocken geraten.

CDS für italienische Anleihen steigen

Sorgen bereitet Fitch zudem die konjunkturelle Entwicklung Italiens: Der unerwartete Rückgang der Beschäftigung und schwache Stimmungsindikatoren erhöhten das Risiko, dass die Rezession länger anhält und tiefer ausfällt als bislang angenommen, erklärten die Experten.

Wegen der zunehmenden Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Italiens zogen die Risikoaufschläge (Spreads) für die zehnjährigen Papiere zu den vergleichbaren Bundestiteln an. Die Rendite lag in der Spitze bei 4,665 Prozent nach 4,592 Prozent im Schlussgeschäft vom Freitag.

Deutsche Anleihen wurden mit 1,498 Prozent verzinst. Die Kreditausfallversicherung (CDS) für fünfjährige italienische Anleihen stieg um 16 auf 265 Basispunkte. An den Aktienmärkten reagierten insbesondere Banktitel auf die Herabstufung. Laut Händlern sehen einige Investoren eine gute Gelegenheit, Kasse zu machen.

wed/dpa/rtr
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