Euro-Raum EZB erwartet noch schärfere Rezession

Die Europäische Zentralbank sagt der Euro-Zone in diesem Jahr eine tiefere Rezession voraus als bisher befürchtet. Zudem rechnen die Währungshüter mit Preisstabilität - trotz der extrem lockeren Geldpolitik. EZB-Chef Mario Draghi versucht zudem, die Wogen nach der Italien-Wahl zu glätten.
EZB-Präsident Draghi: Der Zins bleibt auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent

EZB-Präsident Draghi: Der Zins bleibt auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Hamburg - Das Bruttoinlandsprodukt der gesamten Währungsunion werde voraussichtlich um 0,5 Prozent fallen, hieß es in den Projektionen der Notenbank-Ökonomen. Noch im Dezember hatte die EZB mit einem Minus von 0,3 Prozent gerechnet. Drei Monate zuvor hatte sie noch ein Plus von 0,5 Prozent prognostiziert.

Im Verlauf des Jahres sollte sich die Wirtschaft allmählich erholen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi in Frankfurt. Zuvor hatte die EZB den Leitzins unverändert bei 0,75 Prozent belassen. Die Geldpolitik der EZB sei konjunkturstimulierend. 2014 könnte es nach Einschätzung der Zentralbank dann ein Wachstum von 1,0 (Dezember-Prognose: 1,3) Prozent geben.

Entspannung erwartet die EZB weiterhin an der Preisfront. Die Inflationsrate soll in diesem Jahr im Schnitt auf 1,6 (1,6) Prozent fallen - von 2,5 Prozent im vergangenen Jahr. Damit würde es nach EZB-Definition stabile Preise geben, die sie bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet sieht. Für 2014 werden 1,3 (1,4) Prozent vorhergesagt.

Die Ökonomen des Euro-Systems - also der EZB und der nationalen Notenbanken der Währungsunion - erstellen ihre Projektionen vierteljährlich. Obwohl sich der EZB-Rat die Vorhersagen der Volkswirte offiziell nicht zu eigen macht, kommen ihnen sowohl bei den Zinsentscheidungen als auch als Signal für mögliche künftige Schritte der Währungshüter erhebliche Bedeutung zu.

Draghi: Märkte haben Italien-Wahl verdaut

Trotz der nach wie vor unklaren Lage in Italien haben sich die Finanzmärkte nach Ansicht von EZB-Präsident Mario Draghi von den Schockwellen der Wahl erholt. "Die Märkte sind wieder da, wo sie vor der Wahl waren", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank. "Die Märkte verstehen, dass wir in Demokratien leben." Es gebe auch keine Anzeichen, dass weitere Euro-Staaten von den Turbulenzen in Mitleidenschaft gezogen würden.

Bei der Parlamentswahl Ende Februar hatte sich keine klare Regierungsmehrheit ergeben. Staatspräsident Giorgio Napolitano erwägt nun als Ausweg aus dem Patt abermals eine Regierung zu ernennen, die nicht aus Politikern, sondern aus Experten besteht. Napolitano hatte schon zum Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise 2011 den ehemaligen EU-Kommissar Mario Monti aufgefordert, eine Experten-Regierung zu führen. Montis Partei wurde bei der Wahl allerdings für ihren Sparkurs abgestraft.

Bekenntnis zur Troika

Draghi hat sich außerdem zur Troika der Euro-Retter bekannt. "Die Troika funktioniert sehr gut", sagte Draghi. Die EZB habe Mehrwert in die Dreier-Gruppe mit der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds eingebracht. Zudem gebiete die geldpolitische Verantwortung, dass die Notenbank Mitglied der Gruppe sei, betonte Draghi.

Zuletzt hatte es Medienberichten zufolge innerhalb der EZB Überlegungen gegeben, aus der Troika auszusteigen. Dies hatte etwa der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen dementiert.

la/dpa/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.