Sonntag, 15. Dezember 2019

Geld gegen Öl Russland plant Mega-Deal mit China

Braucht Milliarden: Der staatlich kontrollierte russische Ölkonzern Rosneft

Der staatlich kontrollierte russische Ölkonzern Rosneft will sich offenbar in großem Stil von China Geld leihen. Im Gegenzug gibt es mehr Öl für die Volksrepublik - ein Modell, das schon einmal gut funktioniert hat.

Moskau - Wie vier der Industrie nahestehende Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten, verhandelt Rosneft Börsen-Chart zeigen mit der chinesischen CNPC über das Darlehen mit einem Volumen von bis zu 30 Milliarden Dollar.

Ein ähnliches Geschäft hatte der Konzern bereits vor etwa einem Jahrzehnt abgeschlossen, als er damit den Kauf von Anteilen des verstaatlichten Ölproduzenten Yukos Börsen-Chart zeigen finanzierte. Rosneft wiederum baute dafür eine Pipeline nach China. Seither liefert der weltgrößte Ölförderer für insgesamt 15 Jahre täglich 300.000 Barrel Öl in das riesige Nachbarland, das zum weltgrößten Energieverbraucher aufgestiegen ist.

Diesmal muss Rosneft den 55 Milliarden Dollar schweren Zukauf der drittgrößten russischen Ölfirma TNK-BP stemmen. Den Personen zufolge ist nun eine Verdoppelung der Lieferungen in die Volksrepublik im Gespräch.

Rosneft wie auch CNPC waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. "Der Grund, warum China so bereitwillig borgen will, liegt auf der Hand. Sie sitzen auf mehr als drei Billionen Dollar an Währungsreserven und wollen ihre Investitionen breiter aufstellen", sagte eine der mit der Angelegenheit vertrauten Personen.

Streit mit EU

Das Geschäft würde in eine Zeit fallen, wo Russland und Europa über Öl- und Gaslieferungen streiten. Die Europäische Union rief erst unlängst wieder dazu auf, stärker auf andere Zulieferer zu setzen.

Am Mittwoch erst begrüßte Energiekommissar Günther Oettinger ein Abkommen zwischen Italien, Griechenland und Albanien über die Trans-Adriatische Pipeline (TAP), die in Europa Gas aus dem Kaspischen Raum weiterleiten soll. Das TAP-Vorhaben gehöre zu den Plänen für einen südlichen Gas-Korridor, der auf eine Verbindung der Europäischen Union mit den reichhaltigen Gas-Quellen im Kaspischen Raum ziele, erklärte Oettinger. Demnach wurde das Rahmenabkommen am Mittwoch Tag in Athen geschlossen.

Die Trans-Adriatische Pipeline soll im griechischen Komotini starten und durch Albanien und das Mittelmeer nach Italien führen. Sie würde laut Oettinger an bestehende Leitungen in Italien und Griechenland anknüpfen. Das transportierte Gas soll vor allem aus Aserbaidschan stammen.

TAP wird den Plänen zufolge der zweite europäische Arm des südlichen Gaskorridors. Der andere ist Nabucco-West, eine Leitung von der türkisch-bulgarischen Grenze nach Österreich. Nach Kommissionsangaben steht jedoch immer noch nicht fest, ob es letztlich eine oder zwei Gaspipelines geben wird, die das Gas aus Aserbaidschan innerhalb Europas verteilen.

Insgesamt steht der südliche Korridor in Konkurrenz zum von Russland dominierten Projekt South-Stream.

mihec/rtr

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