Barrick Gold Dubiose Deals des weltgrößten Goldkonzerns

Das Minenprojekt Pascua Lama in Südamerika ist der wichtigste Vermögenswert des weltgrößten Goldkonzerns Barrick Gold. Doch ein Unternehmer behauptet, er besitze dort Schürfrechte. Mehrere Prozesse laufen. Die Geschichte eines abenteuerlichen Streits.
Von Stefan Biskamp
Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte

Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte

Foto: REUTERS / Barrick

Buenos Aires - Wenn der Mann mit dem markanten Mittelscheitel in Fahrt kommt, gibt es kein Halten mehr. Jorge Lopehandía Cortés (58) ist chilenisch-kanadischer Minenunternehmer - und im Hauptberuf der wohl hartnäckigste Gegner des weltgrößten Goldproduzenten Barrick Gold . Er hetzt durch seine Lebensgeschichte, als ob er sie in einem Atemzug erzählen könnte, reiht Anschuldigung an Anschuldigung. Von "Finanzterrorismus" spricht er, von organisiertem Verbrechen. "Barrick hat mich, meine Familie und meine Partner eineinhalb Jahrzehnte lang betrogen und kriminell verfolgt."

Unsinn, sagt Barrick-Sprecher Andrew Lloyd. Das Gegenteil sei der Fall: "Diese Person verfolgt uns seit Jahren". Wer hier wen kriminell verfolgt hat, darüber muss nun die Justiz in Chile befinden.

Denn der seit 2001 lodernde Rechtsstreit zwischen Lopehandía und seinen Partnern auf der einen Seite und Barrick auf der anderen wird gerade neu aufgerollt. Streitobjekt sind Schürfrechte für die mutmaßlich ertragreichste Goldmine der Welt: Pascua Lama im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien.

Das Bergwerk ist Barricks wichtigste Quelle künftiger Gewinne, voraussichtliches Investitionsvolumen: 8,5 Milliarden Dollar. 2014 soll die Produktion dort starten.

Lopehandía beharrt jedoch darauf: Er und nicht Barrick sei im Besitz gültiger Konzessionen auf einem entscheidenden Teil des Gebiets. Aus dem chilenischen Minenregister geht hervor, dass Lopehandía 2011 Schürfrechte dort eingetragen hat; sie sind als "in Bearbeitung" geführt und überlagen die von Barrick reklamierten Konzessionen. Schon Mitte der 90er Jahre besaß er dort Schürfrechte, seitdem herrscht auf dem Gebiet ein Durcheinander von Titeln. Zwei und in einigen Phasen sogar drei sich überlappende Schürfrechte bedecken bis heute einen zentralen Teil von Pascua Lama. Das Chaos müssen neue Prozesse nun entwirren. In diesen Tagen stehen neue Gerichtstermine an.

Streit um Schürfrechte: Bündel von Verfahren gegen Barrick

Der Unternehmer und seine Geschäftspartner haben seit 2011 ein Bündel von Verfahren gegen Barrick an mehreren Gerichten in Chile in Gang gebracht. Zwei davon haben zum Ziel, Konzessionen des Konzerns außer Kraft zu setzen. Zudem verfolgt die Staatsanwaltschaft in Santiago Strafanzeigen gegen eine Reihe von Konzernverantwortlichen, darunter der geschäftsführende Vorstand Igor González; es geht um die vermeintliche Fälschung des bilateralen Vertrags zwischen Chile und Argentinien, des "Pascua-Lama-Protokolls" von 2004, das die grenzüberschreitende Produktion erst ermöglicht hat.

Darüber hinaus soll das Pascua-Lama-Protokoll für ungültig erklärt werden. Das würde ein politisches Erdbeben in den beiden Ländern auslösen, denn der auf Barrick zugeschnittene Vertrag ist ohnehin umstritten.

Lopehandía ist kein Einzelkämpfer. Gegen eine Option auf Anteile an der Mine finanziert die kanadische Bergbaufirma Mountainstar Gold die Klagen. Die Verfahren seien "weit fortgeschritten" und würden "auf hoher Ebene" von der Justiz voran getrieben, sagt Mountainstar-Chef Brent Johnson. Er sagte kürzlich mehrere Stunden vor einem Staatsanwalt aus, da Barrick Lopehandía und Mountainstar diffamiere und die Öffentlichkeit angeblich durch Falschaussagen in Pressemitteilungen belüge.

Rechtsstreit trifft Barrick in einer kritischen Phase

Barrick streitet das ab, ist jedoch in der Defensive und muss nachweisen, den - in Quartalsberichten und Pressemitteilungen behaupteten - Zugriff auf Goldkonzessionen zu haben, die auf der chilenischen Seite einen weiten Teil von Pascua Lama abdecken. Nach Aussage von Lopehandías Anwalt Juan Guillermo Torres Fuentealba konnte Barrick die Nachweise vor Gericht nicht erbringen. Die Vorgänge vor Gericht kommentierte Barrick nicht.

Der verschärfte Rechtsstreit trifft Barrick und das Projekt in einer kritischen Phase. Die geplanten Investitionen verzehnfachten sich nahezu binnen eines Jahrzehnts. Kürzlich startete eine Klage von Indio-Vertretern, da die Mine die Wasserversorgung zehntausender Bauern bedroht. Und die Bergbaubehörde Sernageomin ordnete gerade einen Baustopp an; durch unsachgemäße Erdarbeiten hätten sich große Mengen Gesteinspulver ausgebreitet, die Arbeiter seien gefährdet.

Die Belege gültiger Titel sollten von Barrick eigentlich schnell beizubringen sein. Denn die strittigen zwölf Pakete an Schürfrechten "Tesoro eins 1-30" bis "Tesoro zwölf 1-5" sind Bestandteil einer Vielzahl von Verträgen, etwa über den Vorabverkauf des nebenbei in Pascua Lama zu gewinnenden Silbers an den Silberproduzenten Silver Wheaton. Auch das Pascua-Lama-Protokoll fußt auf der Rechtmäßigkeit der Tesoro-Konzessionen.

Und 2005 verkaufte Barrick nach Informationen von manager magazin online mehrere Millionen Unzen Pascua-Lama-Gold vorab an die Deutsche Bank , für insgesamt weit mehr als zwei Milliarden Dollar. Lopehandía sagt, er habe das Institut vorab über die rechtlichen Probleme informiert. Nach dem Deal startete Barrick mit gut gefüllter Kriegskasse die teils bar bezahlte Übernahme des Rivalen Placer Dome. Erst dadurch wurde der Konzern Weltmarktführer, auch eine Goldmine in der Dominikanischen Republik, deren Produktion in diesem Herbst unter Protest der örtlichen Bevölkerung anlief, erwarb Barrick mit Placer Dome. Die Deutsche Bank verkaufte das Gold nach Informationen von manager magazin online später wieder an den Konzern. Die Deutsche Bank kommentierte das nicht.

Das alles wäre anfechtbar, falls Barrick die Titel nicht nachweisen kann."Ich kann versichern", sagt Konzernsprecher Lloyd, "dass Barrick alle nötigen Rechte hält, um das Pasuca-Lama-Lager auszubeuten." Nur: Das ist falsch.

Konzessionen für Pascua Lama Gebiet auf Mittelsmann eingetragen

Tatsächlich hat Barrick Hunderte Konzessionen im Gebiet von Pascua Lama auf den Namen seiner chilenischen Tochterfirmen eingetragen. Aber ausgerechnet die zentral gelegenen Tesoro-Rechte laufen auf den Namen eines gewissen Chilenen Héctor Unda Llanos, eines Mittelsmanns von Barrick. Das geht aus dem Register der Bergbaubehörde hervor; Mitarbeiter bestätigen auf Anfrage die Angaben. Auch gegen den Mittelsmann Unda Llanos klagt Lopehandía nun, da jener vor Gericht widersprüchliche Aussagen über sein geschäftliches Verhältnis zu Barrick gemacht habe.

Hinzu kommt: Eine gerichtliche Verfügung von 2001 untersagt es Unda Llanos, die Konzessionen auf Barrick zu übertragen. Klägeranwälte versichern, die Verfügung gelte bis heute. Das bestätigen Recherchen von manager magazin online in der Dokumentation der Prozesse mit dem Aktenzeichen C-1912-2001 am 14. Zivilgerichtshof in Santiago. Eine Aufhebung der Verfügung ist nicht vermerkt.

Und noch eine Komplikation: Die Tesoro-Konzessionen decken sich nicht nur weitgehend mit dem heute auf Lopehandía eingetragenen Paket, sondern noch mit einem dritten. Diese Rechte mit der Bezeichnung "Amarillos 1-3000" sind im Register auf die chilenische Barrick-Tochter Compañía Minera Nevada registriert. Immerhin, Barrick besitzt in dem Durcheinander einige Schürfrechte.

Nicht jede Konzession erlaubt den Abbau von Gold

Doch warum gründen sich dann Verträge wie das Pascua-Lama-Protokoll auf das Tesoro-Paket? Auch in mehreren Berichten an die US-Börsenaufsicht SEC beruft sich Barrick auf diese Konzessionen - ohne Verweis auf den Mittelsmann.

Eine Erklärung wäre, dass die Amarillos-Rechte im Gegensatz zu den Tesoro-Titeln keinen Abbau von Metallen wie Gold erlauben. "Das sind mineralische Konzessionen", sagt Lopehandía, was sein auf Minenrecht spezialisierter Anwalt Torres bestätigt, sowie Auszüge aus dem Minenregister der Provinzhauptstadt Vallenar, in deren Region Pasuca Lama liegt. Sind die Angaben dort aktuell, sind die Titel für den Goldkonzern wenig hilfreich. Barrick kommentierte das nicht.

Schwerer dürfte noch wiegen, dass im Fall überlappender Konzessionen dem chilenischen Bergbaurecht zufolge nach vier Jahren das zugrundeliegende Schürfrecht vom darüber liegenden abgelöst wird, außer der Besitzer legt Beschwerde ein. Damit wären die auf Barricks Tochter eingetragenen Amarillos-Konzessionen erloschen, denn das Tesoro-Paket wurde vor gut 15 Jahren und lange nach den Amarillos-Lizenzen eingetragen.

Ein Dilemma. Die Amarillos-Rechte sind von Annullierung bedroht. Und einen Nachweis über Zugriffsrechte auf die Tesoro-Konzessionen hätte Barrick zwar längst in Form eines schriftlichen Belegs etwa über einen Vertrag mit dem Mittelsmann vorlegen können. Doch "die besagten Dokumente wurden von den Beklagten nicht erbracht", argumentiert Anwalt Torres, "weil sie, wie diese angeben, nicht existieren, und da sie nicht existieren, sind sie nicht die Eigentümer und können sich den Besitz der Titel der Minenkonzessionen Tesoro nicht zuschreiben."

Schürftitel mit Defekten

Wie konnte es zu der absurden Situation kommen? Die Lösung des Rätsels liegt weit in der Vergangenheit. Denn die Falle, in die Barrick möglicherweise getappt ist, baute sich das Unternehmen selbst. Und zwar 1997. Damals fand auch jenes Manöver statt, durch das sich Lopehandía betrogen fühlt. Eine Rekonstruktion:

Barrick sichert sich 1994 "Amarillo 1-3000", damals die einzigen Lizenzen auf dem Gebiet, durch die Übernahme des Bergbauunternehmens LAC Minerals. Lopehandía sagt, er habe 1996 bemerkt, dass Barrick über seine Chile-Tochter Nevada bei der Erweiterung des Schürfgrunds Fehler machte. So habe Barrick mit den Koordinaten einiger Titel die Grenze von Chile nach Argentinien zu weit überschritten; das hätte Barricks gesamte Titel in der Gegend ungültig gemacht. Zudem habe er bemerkt, dass die Lizenzen keinen Goldabbau erlaubten. Dass die Titel damals Defekte hatten, streiten Barrick-Anwälte nicht ab, wie aus einem Gerichtsprotokoll von 2010 hervorgeht.

Lopehandía beauftragte daraufhin 1996 seinen Bergbauingenieur Rodolfo Villar damit, für die Goldförderung gültige Rechte einzutragen, die zwei Blöcke "Amarillos Sur" und "Amarillos Norte", die insgesamt 8600 Hektar überdecken und dabei auch die "Amarillo 1-3000"-Konzessionen. Sein Ziel ist, Barrick die Titel zu verkaufen. Zu dem Zeitpunkt überlappen sich also schon zwei Schürfrechte.

Nach Lopehandías Darstellung kommt es zu einem Telefongespräch und einem persönlichen Treffen mit dem damaligen Chef der Barrick-Tochter Nevada, John W. Lill. Mündlich hätten sie sich auf einen Kaufpreis von einem Dollar pro Unze damals registrierten Goldes auf dem Gebiet der Konzessionen geeinigt, zuzüglich eines Anteils am Golderlös, den so genannten Royalties, so Lopehandia. Ingenieur Villar soll den Vertrag unterzeichnen, denn auf dessen Namen laufen Lopehandías Konzessionen damals. Für den 4. März 1997 wird die Vertragsunterzeichnung in der Hauptstadt Santiago vereinbart.

Der Traum vom Geld - und das geplatzte Millionengeschäft

Als sich Villar am Abend zuvor in einen Plüschsitz des Überlandbusses fallen lässt, der ihn aus der chilenischen Bergbaustadt Copiapó ins 700 Kilometer entfernte Santiago bringen wird, fiebert er dem Millionengeschäft entgegen. Lopehandía wird den Großteil des Geldes einstreichen, aber auch Villar ist nun ein gemachter Mann. Denkt er.

Er betritt am nächsten Tag gegen 13:00 Uhr wie verabredet ein Notariat in Santiago. Barrick-Statthalter Lill ist anwesend, dazu einige Anwälte. Doch mit einem Mal muss es schnell gehen. Das Notariat schließt gleich. Viel Zeit zum Lesen bleibt nicht. Villar unterzeichnet.

Dann geschieht: nichts. Kein Millionenscheck. Nicht einmal das versprochene Vertragsexemplar kommt in Copiapó an.

Villar wird unruhig. Irgendwann muss er Lopehandía Vollzug melden. Monate später reist er zurück nach Santiago. Er geht in das Notariat. Er lässt sich den Vertrag aushändigen. Er blättert. Seltsam, wie sich die Sache nach dem Termin im März entwickelt hat, keine Nachricht, nichts. Eigentlich unüblich. Er blättert weiter. Da fängt sich sein Blick an einer Zahl: "zehntausend", steht dort. Währung: Chilenischer Peso. Umgerechnet: gut 20 Dollar. "Der Gesamtpreis, zu zahlen in bar."

20 Dollar als "fairer Preis"

Der Preis für Schürfrechte auf eine Fläche von 8600 Hektar in einem wahren El Dorado. 17,6 Millionen Unzen Gold will Barrick dort insgesamt fördern, und nebenbei das schon verkaufte Silber. Den Ertrag aus dem Silbergeschäft eingerechnet operiert die Goldförderung zu negativen Kosten. Mit jeder Unze könnte Barrick nach eigener Rechnung 225 Dollar mehr als den Goldpreis einstecken.

Dafür 20 Dollar und nicht Millionen, wie mündlich vereinbart. Wie konnte Villar den Vertrag unterschreiben? Er vermutet, Seiten seien ausgetauscht worden; als er den Vertrag unterschrieb, sei noch eine Millionensumme vermerkt gewesen. Barrick-Anwälte sagen, protokolliert in einem Urteil von 2010, der Preis sei fair gewesen. "Unsinn", sagt ein damaliger Anwalt der Gegenseite, "für 20 Dollar hätte Villar die Konzessionen ja nicht einmal beantragen können."

Warum sah Barrick die Lopehandía-Titel als wertlos an? Was weder Lopehandía noch Villar wussten: Barrick ließ am 28. Februar 1997, also nur vier Tage vor dem Termin in Santiago, über eben jenen chilenischen Mittelsmann Unda Llanos die Tesoro-Schürfrechte eintragen. Ein Trick: Es war weit billiger, Lopehandías Informationen zu nutzen und neue Konzessionen registrieren zu lassen, statt die Titel teuer zu kaufen.

Rechtlich allerdings ein gewagtes Manöver. Denn Barrick ließ Mittelsmann Villar dennoch zur Vertragsunterzeichnung antanzen. Hätte der nicht unterschrieben, hätte Lopehandía die von Barrick registrierten Tesoro-Rechte anfechten können. "Es war ein Raub", sagt Lopehandía, "ein monumentaler Betrug" an ihm selbst, dem chilenischen Staat, Investoren, Zulieferern und Arbeitern.

Streit ums Gold: Gerichtsmarathon in Chile

Nun überlagerten sich also drei Konzessionen: "Tesoro", "Amarillo 1-3000" und "Amarillo Sur-Norte". Der Tagebaukrater, aus dem Barrick in Pascua Lama das Gold heben will, liegt zwar teilweise außerhalb der drei Pakete. Aber das ganze Gebiet ist goldhaltig, alle drei Schürfrechte liegen innerhalb des Minengebiets und machen die chilenische Seite des Minenkerns dicht. Müsste Barrick darauf verzichten, wäre der Zugang von Westen versperrt; das Projekt wäre tot.

Auf den ersten Blick mag Barricks Finte clever erscheinen. Aber der Konzern machte einen Fehler: Denn die für 20 Dollar gekauften, fehlerfreien Titel "Amarillo Sur-Norte" ließ er in den Folgejahren auslaufen und verließ sich voll auf die Tesoro-Konzessionen - die jedoch nicht auf ihn eingetragen sind.

In zwei Prozesssträngen beschäftigt der Fall die Gerichte in Chile: Zum einen läuft noch das Verfahren mit dem Aktenzeichen C-1912-2001, in dem die Partei um Lopehandía seit 2001 den mysteriösen Vertrag von 1997 für ungültig erklären lassen will. 2006 gab ein Gericht in Santiago den Klägern recht, unter anderem da 20 Dollar keinen Preis darstellten und mithin gar kein Vertrag zustande gekommen sei. An der Kompetenz der Richterin kamen jedoch Zweifel auf. 2008 bestätigte der Oberste Gerichtshof ihre Kompetenz und damit inhaltlich auch ihr Urteil, verwies den Fall wegen geringer Verfahrensfehler jedoch an die Vorinstanz zurück. 2010 bekam Barrick dort von einem anderen Richter Recht, seitdem folgt Berufung auf Berufung.

Zum anderen laufen die Verfahren, die Lopehandía unterstützt von Mountainstar seit dem vergangenen Jahr in Gang setzte, vor allem die Prozesse mit den Aktenzeichen C-560-2012 und C-719-2011 am 1. beziehungsweise 2. Gerichtshof erster Instanz in Vallenar. Ziel der Kläger ist dabei, feststellen zu lassen, dass Barrick gar keinen rechtmäßigen Zugriff auf Gold-Konzessionen im strittigen Gebiet hat. In diesen Verfahren sollte Barrick zunächst Eigentumsrechte auf die Tesoros-Titel nachweisen, was Kläger-Angaben zufolge nicht gelang. In einem weiteren Verfahren (C-17273-2012) klagt Lopehandía gegen den chilenischen Staat auf Annullierung des Pascua-Lama-Protokolls. Es wird eng.

Endspiel im Streit um die Schürfrechte

Bekäme die Lopehandía-Partei Recht, wären alle Verträge unter Verweis auf die Tesoro-Konzessionen anfechtbar. In dem Fall würde Barrick-Managern Gefängnis drohen; die Staatsanwaltschaft Zentrum Nord in Santiago untersucht das . Und: Dann könnte Lopehandía zum Zug kommen. Er registrierte 2011 die verfallenen "Amarillos Sur-Norte"-Titel auf der Basis des Urteils des Obersten Gerichtshofs von 2008 neuerlich. Diesmal auf seinen Namen. Seitdem überlappen sich wieder drei Konzessionen.

Barrick argumentierte mehrmals, Lopehandía sei unglaubwürdig. Der griff Barrick in tausenden wütenden Beiträgen in Internetforen immer wieder an und wurde dafür wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe verurteilt, was 2004 ein Berufungsgericht in Kanada bestätigte. Doch in der schriftlichen Begründung sind Behauptungen als "Tatsachen" vermerkt, wie jene, Barrick habe die Pascua-Lama-Konzessionen 1994 durch den Kauf von LAC Minerals übernommen.

Diese Behauptung, die Barrick etwa in Berichten an die SEC wiederholt, ist jedoch falsch, da die Tesoro-Titel erst 1997 eingetragen wurden und nicht auf Barrick laufen. Auch Konzernsprecher Lloyds Aussage, Lopehandía habe "noch nie" vor Gericht gegen Barrick gewonnen, ist zweifelhaft. Erst die jüngsten Prozesse führt der in Kanada lebende Lopehandía selbst gegen Barrick; in allen davor klagte Mittelsmann Villar in dessen Auftrag - und Villar hatte 2006 vorinstanzlich gewonnen.

Auf die Frage, ob er mit Barrick verhandeln wolle, sagt Lopehandía: "Ich bin als Verleumder gebrandmarkt. Barrick schuldet mir mehr, als es heute wert ist." Das sind gut 35 Milliarden Dollar.

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