Samstag, 17. August 2019

Barrick Gold Dubiose Deals des weltgrößten Goldkonzerns

Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte
REUTERS / Barrick
Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte

5. Teil: Streit ums Gold: Gerichtsmarathon in Chile

Nun überlagerten sich also drei Konzessionen: "Tesoro", "Amarillo 1-3000" und "Amarillo Sur-Norte". Der Tagebaukrater, aus dem Barrick in Pascua Lama das Gold heben will, liegt zwar teilweise außerhalb der drei Pakete. Aber das ganze Gebiet ist goldhaltig, alle drei Schürfrechte liegen innerhalb des Minengebiets und machen die chilenische Seite des Minenkerns dicht. Müsste Barrick darauf verzichten, wäre der Zugang von Westen versperrt; das Projekt wäre tot.

Auf den ersten Blick mag Barricks Finte clever erscheinen. Aber der Konzern machte einen Fehler: Denn die für 20 Dollar gekauften, fehlerfreien Titel "Amarillo Sur-Norte" ließ er in den Folgejahren auslaufen und verließ sich voll auf die Tesoro-Konzessionen - die jedoch nicht auf ihn eingetragen sind.

In zwei Prozesssträngen beschäftigt der Fall die Gerichte in Chile: Zum einen läuft noch das Verfahren mit dem Aktenzeichen C-1912-2001, in dem die Partei um Lopehandía seit 2001 den mysteriösen Vertrag von 1997 für ungültig erklären lassen will. 2006 gab ein Gericht in Santiago den Klägern recht, unter anderem da 20 Dollar keinen Preis darstellten und mithin gar kein Vertrag zustande gekommen sei. An der Kompetenz der Richterin kamen jedoch Zweifel auf. 2008 bestätigte der Oberste Gerichtshof ihre Kompetenz und damit inhaltlich auch ihr Urteil, verwies den Fall wegen geringer Verfahrensfehler jedoch an die Vorinstanz zurück. 2010 bekam Barrick dort von einem anderen Richter Recht, seitdem folgt Berufung auf Berufung.

Zum anderen laufen die Verfahren, die Lopehandía unterstützt von Mountainstar seit dem vergangenen Jahr in Gang setzte, vor allem die Prozesse mit den Aktenzeichen C-560-2012 und C-719-2011 am 1. beziehungsweise 2. Gerichtshof erster Instanz in Vallenar. Ziel der Kläger ist dabei, feststellen zu lassen, dass Barrick gar keinen rechtmäßigen Zugriff auf Gold-Konzessionen im strittigen Gebiet hat. In diesen Verfahren sollte Barrick zunächst Eigentumsrechte auf die Tesoros-Titel nachweisen, was Kläger-Angaben zufolge nicht gelang. In einem weiteren Verfahren (C-17273-2012) klagt Lopehandía gegen den chilenischen Staat auf Annullierung des Pascua-Lama-Protokolls. Es wird eng.

Endspiel im Streit um die Schürfrechte

Bekäme die Lopehandía-Partei Recht, wären alle Verträge unter Verweis auf die Tesoro-Konzessionen anfechtbar. In dem Fall würde Barrick-Managern Gefängnis drohen; die Staatsanwaltschaft Zentrum Nord in Santiago untersucht das . Und: Dann könnte Lopehandía zum Zug kommen. Er registrierte 2011 die verfallenen "Amarillos Sur-Norte"-Titel auf der Basis des Urteils des Obersten Gerichtshofs von 2008 neuerlich. Diesmal auf seinen Namen. Seitdem überlappen sich wieder drei Konzessionen.

Barrick argumentierte mehrmals, Lopehandía sei unglaubwürdig. Der griff Barrick in tausenden wütenden Beiträgen in Internetforen immer wieder an und wurde dafür wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe verurteilt, was 2004 ein Berufungsgericht in Kanada bestätigte. Doch in der schriftlichen Begründung sind Behauptungen als "Tatsachen" vermerkt, wie jene, Barrick habe die Pascua-Lama-Konzessionen 1994 durch den Kauf von LAC Minerals übernommen.

Diese Behauptung, die Barrick etwa in Berichten an die SEC wiederholt, ist jedoch falsch, da die Tesoro-Titel erst 1997 eingetragen wurden und nicht auf Barrick laufen. Auch Konzernsprecher Lloyds Aussage, Lopehandía habe "noch nie" vor Gericht gegen Barrick gewonnen, ist zweifelhaft. Erst die jüngsten Prozesse führt der in Kanada lebende Lopehandía selbst gegen Barrick; in allen davor klagte Mittelsmann Villar in dessen Auftrag - und Villar hatte 2006 vorinstanzlich gewonnen.

Auf die Frage, ob er mit Barrick verhandeln wolle, sagt Lopehandía: "Ich bin als Verleumder gebrandmarkt. Barrick schuldet mir mehr, als es heute wert ist." Das sind gut 35 Milliarden Dollar.

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