Donnerstag, 22. August 2019

Barrick Gold Dubiose Deals des weltgrößten Goldkonzerns

Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte
REUTERS / Barrick
Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte

4. Teil: Der Traum vom Geld - und das geplatzte Millionengeschäft

Als sich Villar am Abend zuvor in einen Plüschsitz des Überlandbusses fallen lässt, der ihn aus der chilenischen Bergbaustadt Copiapó ins 700 Kilometer entfernte Santiago bringen wird, fiebert er dem Millionengeschäft entgegen. Lopehandía wird den Großteil des Geldes einstreichen, aber auch Villar ist nun ein gemachter Mann. Denkt er.

Er betritt am nächsten Tag gegen 13:00 Uhr wie verabredet ein Notariat in Santiago. Barrick-Statthalter Lill ist anwesend, dazu einige Anwälte. Doch mit einem Mal muss es schnell gehen. Das Notariat schließt gleich. Viel Zeit zum Lesen bleibt nicht. Villar unterzeichnet.

Dann geschieht: nichts. Kein Millionenscheck. Nicht einmal das versprochene Vertragsexemplar kommt in Copiapó an.

Villar wird unruhig. Irgendwann muss er Lopehandía Vollzug melden. Monate später reist er zurück nach Santiago. Er geht in das Notariat. Er lässt sich den Vertrag aushändigen. Er blättert. Seltsam, wie sich die Sache nach dem Termin im März entwickelt hat, keine Nachricht, nichts. Eigentlich unüblich. Er blättert weiter. Da fängt sich sein Blick an einer Zahl: "zehntausend", steht dort. Währung: Chilenischer Peso. Umgerechnet: gut 20 Dollar. "Der Gesamtpreis, zu zahlen in bar."

20 Dollar als "fairer Preis"

Der Preis für Schürfrechte auf eine Fläche von 8600 Hektar in einem wahren El Dorado. 17,6 Millionen Unzen Gold will Barrick dort insgesamt fördern, und nebenbei das schon verkaufte Silber. Den Ertrag aus dem Silbergeschäft eingerechnet operiert die Goldförderung zu negativen Kosten. Mit jeder Unze könnte Barrick nach eigener Rechnung 225 Dollar mehr als den Goldpreis einstecken.

Dafür 20 Dollar und nicht Millionen, wie mündlich vereinbart. Wie konnte Villar den Vertrag unterschreiben? Er vermutet, Seiten seien ausgetauscht worden; als er den Vertrag unterschrieb, sei noch eine Millionensumme vermerkt gewesen. Barrick-Anwälte sagen, protokolliert in einem Urteil von 2010, der Preis sei fair gewesen. "Unsinn", sagt ein damaliger Anwalt der Gegenseite, "für 20 Dollar hätte Villar die Konzessionen ja nicht einmal beantragen können."

Warum sah Barrick die Lopehandía-Titel als wertlos an? Was weder Lopehandía noch Villar wussten: Barrick ließ am 28. Februar 1997, also nur vier Tage vor dem Termin in Santiago, über eben jenen chilenischen Mittelsmann Unda Llanos die Tesoro-Schürfrechte eintragen. Ein Trick: Es war weit billiger, Lopehandías Informationen zu nutzen und neue Konzessionen registrieren zu lassen, statt die Titel teuer zu kaufen.

Rechtlich allerdings ein gewagtes Manöver. Denn Barrick ließ Mittelsmann Villar dennoch zur Vertragsunterzeichnung antanzen. Hätte der nicht unterschrieben, hätte Lopehandía die von Barrick registrierten Tesoro-Rechte anfechten können. "Es war ein Raub", sagt Lopehandía, "ein monumentaler Betrug" an ihm selbst, dem chilenischen Staat, Investoren, Zulieferern und Arbeitern.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung