Freitag, 23. August 2019

Barrick Gold Dubiose Deals des weltgrößten Goldkonzerns

Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte
REUTERS / Barrick
Pascua-Lama-Mine von Barrick Gold: Wichtige Konzessionen sind nicht namentlich auf den Konzern eingetragen - dies beschäftigt in Chile die Gerichte

3. Teil: Nicht jede Konzession erlaubt den Abbau von Gold

Doch warum gründen sich dann Verträge wie das Pascua-Lama-Protokoll auf das Tesoro-Paket? Auch in mehreren Berichten an die US-Börsenaufsicht SEC beruft sich Barrick auf diese Konzessionen - ohne Verweis auf den Mittelsmann.

Eine Erklärung wäre, dass die Amarillos-Rechte im Gegensatz zu den Tesoro-Titeln keinen Abbau von Metallen wie Gold erlauben. "Das sind mineralische Konzessionen", sagt Lopehandía, was sein auf Minenrecht spezialisierter Anwalt Torres bestätigt, sowie Auszüge aus dem Minenregister der Provinzhauptstadt Vallenar, in deren Region Pasuca Lama liegt. Sind die Angaben dort aktuell, sind die Titel für den Goldkonzern wenig hilfreich. Barrick kommentierte das nicht.

Schwerer dürfte noch wiegen, dass im Fall überlappender Konzessionen dem chilenischen Bergbaurecht zufolge nach vier Jahren das zugrundeliegende Schürfrecht vom darüber liegenden abgelöst wird, außer der Besitzer legt Beschwerde ein. Damit wären die auf Barricks Tochter eingetragenen Amarillos-Konzessionen erloschen, denn das Tesoro-Paket wurde vor gut 15 Jahren und lange nach den Amarillos-Lizenzen eingetragen.

Ein Dilemma. Die Amarillos-Rechte sind von Annullierung bedroht. Und einen Nachweis über Zugriffsrechte auf die Tesoro-Konzessionen hätte Barrick zwar längst in Form eines schriftlichen Belegs etwa über einen Vertrag mit dem Mittelsmann vorlegen können. Doch "die besagten Dokumente wurden von den Beklagten nicht erbracht", argumentiert Anwalt Torres, "weil sie, wie diese angeben, nicht existieren, und da sie nicht existieren, sind sie nicht die Eigentümer und können sich den Besitz der Titel der Minenkonzessionen Tesoro nicht zuschreiben."

Schürftitel mit Defekten

Wie konnte es zu der absurden Situation kommen? Die Lösung des Rätsels liegt weit in der Vergangenheit. Denn die Falle, in die Barrick möglicherweise getappt ist, baute sich das Unternehmen selbst. Und zwar 1997. Damals fand auch jenes Manöver statt, durch das sich Lopehandía betrogen fühlt. Eine Rekonstruktion:

Barrick sichert sich 1994 "Amarillo 1-3000", damals die einzigen Lizenzen auf dem Gebiet, durch die Übernahme des Bergbauunternehmens LAC Minerals. Lopehandía sagt, er habe 1996 bemerkt, dass Barrick über seine Chile-Tochter Nevada bei der Erweiterung des Schürfgrunds Fehler machte. So habe Barrick mit den Koordinaten einiger Titel die Grenze von Chile nach Argentinien zu weit überschritten; das hätte Barricks gesamte Titel in der Gegend ungültig gemacht. Zudem habe er bemerkt, dass die Lizenzen keinen Goldabbau erlaubten. Dass die Titel damals Defekte hatten, streiten Barrick-Anwälte nicht ab, wie aus einem Gerichtsprotokoll von 2010 hervorgeht.

Lopehandía beauftragte daraufhin 1996 seinen Bergbauingenieur Rodolfo Villar damit, für die Goldförderung gültige Rechte einzutragen, die zwei Blöcke "Amarillos Sur" und "Amarillos Norte", die insgesamt 8600 Hektar überdecken und dabei auch die "Amarillo 1-3000"-Konzessionen. Sein Ziel ist, Barrick die Titel zu verkaufen. Zu dem Zeitpunkt überlappen sich also schon zwei Schürfrechte.

Nach Lopehandías Darstellung kommt es zu einem Telefongespräch und einem persönlichen Treffen mit dem damaligen Chef der Barrick-Tochter Nevada, John W. Lill. Mündlich hätten sie sich auf einen Kaufpreis von einem Dollar pro Unze damals registrierten Goldes auf dem Gebiet der Konzessionen geeinigt, zuzüglich eines Anteils am Golderlös, den so genannten Royalties, so Lopehandia. Ingenieur Villar soll den Vertrag unterzeichnen, denn auf dessen Namen laufen Lopehandías Konzessionen damals. Für den 4. März 1997 wird die Vertragsunterzeichnung in der Hauptstadt Santiago vereinbart.

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