Dienstag, 28. Januar 2020

Frankreichs  Premier Ayrault rüttelt an 35-Stunden-Woche

Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault (r.): Keine Tabus in der Arbeitsmarktpolitik

Die 35-Stunde-Woche ist vielen Franzosen heilig. Ausgerechnet der sozialistische Premierminister Ayrault stellt sie jetzt öffentlich infrage. Doch die Freude der Unternehmer währt nicht lange.

Paris - Frankreichs sozialistischer Premierminister Jean-Marc Ayrault empört mit Äußerungen zu einer möglichen Abschaffung der 35-Stunden-Woche Parteifreunde und Gewerkschaften. Arbeitsminister Michel Sapin sprach sich am Dienstag umgehend gegen eine Erhöhung der gesetzlichen Arbeitszeit aus. Der Chef der Gewerkschaft CFDT, François Chérèque, kündigte für den Fall einer Reform Proteste an. Der Premier ruderte daraufhin umgehend zurück.

Ayrault hatte sich in der Tageszeitung "Le Parisien" aufgeschlossen gegenüber einer Rückkehr zur 39-Stunden-Woche gezeigt. "Warum nicht. Es gibt kein Tabuthema", sagte er und nannte sich undogmatisch. Seine einzige Sorge sei, dass Frankreich nicht vorankomme. Am Nachmittag, nach heftigen Reaktionen, klang dies dann anders: Solange die Linke an der Macht sei, werde es bei der 35-Stunden-Woche bleiben, sagte Ayrault im Parlament. Zuvor hatte er bereite betont, die Regelung sei nicht Ursache der wirtschaftlichen Probleme des Landes.

Das Gesetz zur 35-Stunde-Woche war im Jahr 2000 von der damaligen sozialistischen Regierung eingeführt worden. Es regelt unter anderem, dass Überstunden jenseits gesetzlicher Arbeitszeiten in der Regel zuschlagspflichtig sind. Das Gesetz sollte ursprünglich neue Jobs schaffen. Nach Auffassung der Arbeitgeber schadet es jedoch in großem Maße der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft.

kst/dpa

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