Bankenunion gefordert IWF warnt Euro-Zone vor auszehrender Kapitalflucht

Schrille Töne des Währungsfonds: Europa drohe eine Abwärtsspirale aus Kapitalflucht, Ängsten vor dem Euro-Kollaps sowie wirtschaftlichem Abschwung - und das gefährde das Weltfinanzsystem. IWF-Chefin Lagarde fordert deshalb einen Plan zur Einführung einer Bankenunion in Europa.
IMF-Chefin Christine Lagarde: Finanzsystem stabilisieren, koste es, was es wolle

IMF-Chefin Christine Lagarde: Finanzsystem stabilisieren, koste es, was es wolle

Foto: Shawn Thew/ dpa

Tokio - Die Gefahr einer neuen Kreditklemme in Europa mit möglichen globalen Folgen hat sich nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter verschärft. Es sei im schlimmsten Fall denkbar, dass überhastete Bilanzverkürzungen bei den Banken die Kreditvergabe bis Ende 2013 um 4,5 Prozent sinken lassen, heißt es im neuen IWF-Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems, der in der Nacht zum Mittwoch in Tokio vorgelegt wurde. Dadurch könne die Konjunktur in der Euro-Zone zwischen 1,5 und 4 Prozent im Vergleich zu den jetzigen ohnehin niedrigen Prognosen einbrechen.

Zwar habe die Euro-Zone wichtige Gegenmaßnahmen eingeleitet. Ohne schnell greifende zusätzliche Maßnahmen könnte der zunehmende Druck auf Banken in Europa zu einem Guthabenrückgang von 2,8 bis 4,5 Billionen Dollar (2,2 bis 3,5 Billionen Euro) führen. "Die Verpflichtung zu einer klaren Roadmap für eine Bankenunion und Fiskalintegration werden zur Wiederherstellung von Vertrauen, Umkehr der Kapitalflucht und Reintegration des Euro-Raums benötigt", sagte José Vinals, Leiter der IWF-Geldmarktabteilung.

Zwar hätten neben der Euro-Krise auch weltweit schlechtere Konjunkturprognosen dazu beigetragen, dass das Vertrauen ins globale Finanzsystem zuletzt wieder deutlich nachgelassen habe. "Doch trotz wichtiger und andauernder Bemühungen der europäischen Gesetzgeber, die die größten Ängste der Investoren ansprachen, bleibt die Euro-Krise das Hauptrisiko" für das globale Finanzsystem. Privatanleger seien insgesamt noch weniger risikofreudig geworden.

Trotz "technischer, rechtlicher und politischer Probleme" bei der Umsetzung der Maßnahmen müsse es weiter oberstes Ziel für Europa bleiben, das Vertrauen der Privatanleger zu festigen. Die einzelnen Staaten müssten ihren Teil dazu beitragen, indem sie eine wachstumsfördernde Politik machten und die Säuberung des Bankensektors abschlössen, sagte Vinals weiter. Er nannte drei Punkte:

  • Abbau der Staatsverschuldung und Defizite auf eine Art und Weise, die Wachstum unterstützt,
  • Umsetzung von Strukturreformen, um externe Ungleichgewichte zu reduzieren und Wachstum zu fördern,
  • Säuberung des Bankensektors, einschließlich der Rekapitalisierung und Restrukturierung überlebensfähiger Banken und Auflösung nicht lebensfähiger Banken.

Trotz der dringlichen Lage hat China an den Beratungen in Tokio nicht teilgenommen - und damit seinen Keinkrieg mit Japan um ein paar unbewohnte Inseln im Ostchinesischen Meer auf die internationale Bühne getragen. Die vier größten chinesischen Banken nehmen ebenfalls nicht an dem Treffen teil, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

kst/apd/dpad/dpa-afx