Samstag, 21. September 2019

Wachstum sinkt deutlich Weltwirtschaft fährt US-Schock in die Glieder

US-Konjunktur: Das größte Problem für die US-Wirtschaft ist nicht Europa, sondern der private Konsum in den USA

Die Weltwirtschaft wankt. Tragende Säulen der Euro-Zone drohen unter der Euro-Rettungslast einzuknicken, Asiens Wirtschaft wächst langsamer - und jetzt droht mit den USA der nächste Stabilitätsanker auszureißen: Auch das US-Wachstum sinkt stark.

Hamburg - "Die Erholung ist schlapp, weil Ihr nicht genügend Geld ausgebt." Mit dieser Mahnung begrüßte gestern in den USA die Webseite CNN Money ihre staunenden Leser. Die provozierende Schlagzeile kam einen Tag, bevor die US-Regierung ihre erste Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal bekannt gegeben hat. Und die hat es in sich.

Amerikas Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal nur noch mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent gewachsen. Von Das wäre deutlich unter dem Wachstum von 1,9 Prozent, das in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres erzielt worden war - und nicht mal mehr die Hälfte jener 4,1 Prozent Wachstumsplus, über das die US-Regierung noch Ende des Jahres 2011 jubelte.

Für die dümpelnde Weltwirtschaft ist die erlahmende Erholung in den USA ein schwerer Rückschlag. Denn während Europa tiefer in der Rezession versinkt - und dabei selbst in Deutschland die Bremsspuren länger werden - und während die großen Schwellenmärkte von China über Indien bis Brasilien bedenklich abkühlen, zeigt nun auch noch der letzte Anker in der rauen Weltwirtschaft Risse.

Das größte Problem für die US-Wirtschaft ist nicht einmal Europa, sondern der private Konsum in den USA, sagt der Wells-Fargo-Ökonom Sam Bullard. Denn die Amerikaner steigerten ihre Konsumausgaben nach heutigen Angaben zuletzt nur noch um 1,5 Prozent und damit so gering wie seit einem Jahr nicht mehr. Zudem stieg die Sparquote. "Aus der Sicht der Verbraucher sehen die Perspektiven reichlich schwach aus", bilanziert Bullard.

Das kann man wohl sagen.

Die Umsätze im US-Einzelhandel fielen im Juni zum dritten Mal hintereinander. In manchen US-Malls herrscht an der Kasse eine Ruhe wie in Meditations-Klöstern. Mindestens 15 der 20 größten US-Retailer verfehlten im Juni ihre Umsatzprognosen, berichtet die Finanzwebseite Profit Confidential. Schuld daran ist nicht nur die hartnäckig hohe Arbeitslosenrate, die seit 41 Monaten über 8 Prozent verharrt. Sie liegt aktuell bei 8,2 Prozent.

Alarmzeichen über Alarmzeichen

Die privaten Haushalte sind angesichts hoher Schulden, Sorgen um die Arbeitsplätze und der eingetrübten Weltkonjunktur auch dabei, ihre Polster für schlechte Zeiten auszubauen. Laut der US-Notenbank stocken sie derzeit mit 4 Prozent ihres verfügbaren Einkommens die Ersparnisse auf. Doch die Löhne stagnieren nach Abzug der Inflation.

Selbst die wenigen positiven Nachrichten, die derzeit aus der US-Konjunktur kommen, offenbaren daher auf den zweiten Blick Alarmzeichen. Beispiel eins:

  • Die Auftragseingänge für langlebige Güter stiegen im Juni um 1,6 Prozent, berichtete das Handelsministerium gestern in Washington. Doch wenn man Boeing Börsen-Chart zeigen und die Hersteller militärischer Hardware außen vor lässt - deren Aufträge schwanken enorm - bleibt ein Minus von 1,1 Prozent. Vor allem die Ausgaben der Firmen für neue Ausrüstungen lassen nach. Ein Zeichen von Zuversicht ist das nicht.
  • Beispiel zwei: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gingen in der Vorwoche um 10 Prozent auf 353.000 zurück, was manche Beobachter als gutes Zeichen werten. Doch dieser wöchentlich gemessene Wert schwankt chronisch. Der Mittelwert von vier Wochen ist dagegen der schwächste seit März.

Bei allen anderen Indikatoren, die in den vergangenen Tagen über die US-Konjunktur gemeldet wurden, gibt es dagegen nichts zu deuten. Sie zeigen stramm abwärts: Der Fabrik-Index des Institute for Supply Management brach im Juni um vier Zähler auf 49,7 Punkte ein; unterhalb von 50 wird eine schrumpfende Industrie signalisiert.

Hinzu kommt der Wirtschaftsindikator aus dem Bezirk der Notenbankzweigstelle in Richmond. Er zeigte Anfang 2008 zuverlässig den Beginn der Großen Rezession in den USA an. In diesem Juli signalisiert er zum dritten Mal in Folge eine schrumpfende Wirtschaft. "Der Optimismus der Produzenten schwindet", heißt es bei der Richmond-Fed, "der Rückgang der Produktion in der Region zentraler Atlantik (Pennsylvania, New Jersey, Delaware) beschleunigt sich im Juli."

Selbst der Immobilienmarkt, der seit der Finanzkrise wie ein Bleigewicht an der US-Konjunktur gehangen hatte und sich zuletzt zu stabilisieren schien, erleidet einen Rückschlag. Im Juni, so meldete am Mittwoch das Handelsministerium, brachen die Verkäufe neuer Wohnhäuser im Monatsvergleich um 8,4 Prozent ein.

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