Dienstag, 25. Juni 2019

Rohstoffe Dürre in USA lässt Preise weiter steigen

Dürregeplagt: In den USA ist bereits ein Drittel der Maispflanzen verdorrt

Die Lage an den globalen Getreidemärkten spitzt sich zu. Mais ist so teuer wie noch nie. Der Getreidepreis hat den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren erreicht. Auslöser ist eine schwere Dürre in den USA - Besserung nicht in Sicht.

Hamburg - In den USA, die einen erheblichen Einfluss auf die Weltmärkte haben, ist bereits mehr als ein Drittel der Maispflanzen verdorrt. "Eine Änderung des Wetters ist nicht absehbar", sagte Leon Leschus, Rohstoffexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), der Nachrichtenagentur dpa. "Beim Weizen wird die Situation zusätzlich verschärft durch eine Dürre in Russland." Das knappe Angebot lasse die Preise steigen; Rohstoffspekulanten springen an den Börsen zusätzlich auf den Zug.

Mais verteuerte sich in den vergangenen Wochen um rund 70 Prozent, Weizen um mehr als ein Drittel. Die Preise für Agrarrohstoffe werden nach Einschätzung von Leschus auch mittel- und langfristig eher nach oben klettern, weil die Nachfrage sich erhöht. "Die Weltbevölkerung steigt, ebenso das Risiko von Missernten durch den Klimawandel." Durch den höheren Wohlstand in den Schwellenländern essen die Menschen dort zudem häufiger Fleisch und warme Mahlzeiten. Das erhöht den Bedarf an Futtermitteln. In den USA mehren sich die Stimmen, generell weniger Mais als Bio-Rohstoff für Kraftstoffe einzusetzen und stattdessen zu verfüttern.

"Die steigenden Preise geben einen Anreiz, auch das Angebot auszudehnen", sagte Leschus. Speziell die ärmeren Länder benötigten dazu besseres Saatgut und besseren Dünger und eine leistungsfähigere Infrastruktur, um die Ernte einzubringen und zu vermarkten. "Am stärksten belastet sind diejenigen Länder, die mit ihrer eigenen landwirtschaftlichen Produktion die Bevölkerung nicht ernähren können und auf Importe angewiesen sind", sagte Leschus. Im Gegensatz zur letzten Preisspitze bei den Agrarrohstoffen 2008 sei aber zumindest Reis in ausreichender Menge vorhanden. In den armen Ländern geben die Menschen den größten Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus.

Kritik an Spekulanten

Die Verbraucher in Deutschland dürften die hohen Weltmarkt-Preise für Getreide nur in stark abgemilderter Form zu spüren bekommen. "Für einen Bäcker oder einen Einzelhändler spielen zum Beispiel Lohnkosten, Mieten oder Energiekosten eine größere Rolle als der Mehlpreis", sagte Leschus.

Die Hilfsorganisation Oxfam kritisierte unterdessen die zunehmenden Rohstoff-Spekulationen an den Märkten: "Kaum wird die Nachricht von schlechten Ernten verbreitet, strömen die Spekulanten herbei und treiben die Preise in die Höhe", sagte Agrarexpertin Marita Wiggerthale laut SPIEGEL.

mihec,dpa

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