Donnerstag, 14. November 2019

Trotz Schuldenkrise Die Superreichen der Welt setzen auf Europa

Unverzagte Krisenkäufer: Schwellenland-Milliardäre setzen auf Europa
REUTERS

Europa leidet. Doch trotz Krise bleibt nicht nur Deutschland als Anlageziel für die Superreichen der Welt attraktiv. Die Milliardäre der Schwellenländer haben den ganzen Kontinent entdeckt und steigen groß ein - und verdrängen zaudernde US-Milliardäre.

Vancouver - Der eine gibt den Europäern nur noch drei Monate, um den Euro zu retten. Dann werde selbst die deutsche Wirtschaft zu schwach, um die Euro-Zone zu stabilisieren. Die Regierungen auf dem Kontinent würden "die Natur der Krise nicht verstehen." Dieser Untergangsprophet ist Milliardär George Soros. Der andere schwer reiche Investor, der in diesen Tagen kräftige Statements zu Europa abgibt, ist der Mexikaner Carlos Slim. Der reichste Mann der Welt macht dabei aber weniger Worte, er lässt stattdessen den Geldbeutel sprechen.

Slim, dessen persönliches Vermögen auf etwa 80 Milliarden Dollar geschätzt wird, investiert massiv, um in der europäischen Telekombranche Fuß zu fassen. Die Shoppingtour reicht von Beteiligungen an der Telekom Austria über die niederländische KPN bis hin zu Anteilen in Serbien, Kroatien, Bulgarien und Mazedonien.

Der Sohn des mexikanischen Telekommagnaten, Slim Domi, erklärt, warum sein steinreicher Vater so enormes Vertrauen für Europa aufbringt: "Wir versuchen ganz simpel zu investieren, wir engagieren uns in physischer Infrastruktur, in Anlagen und in Menschen." Slim Domi fungiert als Co-Chairman bei America Movil, dem Schlüsselkonzern im Imperium von Carlos Slim; America Movil ist der größte Anbieter von Festnetz- und Mobiltelefonie in Lateinamerika mit insgesamt 250 Millionen Kunden.

Wer schätzt die Lage in Europa besser ein, Soros oder Slim? Bricht die Euro-Zone auseinander, oder zeigen sich am Horizont schon jetzt Hoffnungsschimmer, die große Investments auch in diesen dramatischen Monaten als attraktiv und vielversprechend erscheinen lassen?

Trump sieht Milliardenchancen

Wenn es nach dem US-Immobilienmogul Donald Trump geht, hat auf jeden Fall Carlos Slim Recht. Trump hält die Euro-Zone und die gemeinsame Währung zwar für gescheitert. Doch vor allem in Spanien und selbst in Griechenland sieht er "erstaunliche Kaufgelegenheiten." Laut Trump gibt es Ähnlichkeiten zwischen Spanien und der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt von Miami. "Miami war bis vor wenigen Jahren eine Desasterzone", sagt Trump, "doch jetzt boomt die Stadt, weil Geld hereinströmt."

Eine genauere Antwort als Trump geben die globalen Kapitalströme, das Geld, das schwer betuchte Portfolioanleger und Direktinvestoren nach Europa lenken - oder auch nicht. Dabei wird auf den ersten Blick klar: Die Reichen dieser Welt Vertrauen durchaus in die Zukunft Europas. Aber sie kommen immer öfter aus Asien, wo es jetzt laut dem neuen World Wealth Report erstmals mehr Millionäre gibt als in Europa. Und die reichen Asiaten finden auf ihrem eigenen Boomkontinent genügend Möglichkeiten, um ihr Geld zu investieren.

Das Vertrauen in Europa scheint nicht grundsätzlich angeknackst zu sein, lediglich der Ruf der Wackelländer ist bei vielen Superreichen kräftig lädiert. Der Rest des Kontinents bleibt ein beliebtes Anlageziel. Das sieht man selbst bei denen, die ihr Kapital aus europäischen Ländern abziehen. Reiche Spanier, die dem implodierenden Bankensystem ihrer Heimat nicht mehr vertrauen, bringen das Geld oft in die Schweiz und in die USA, sagt der Europadirektor beim Beratungsunternehmen K2 Intelligence. Viele reiche Italiener kaufen eher Wohnungen in Deutschland, oder Inseln in Spanien, erklärt Paolo Righi, der Präsident des italienischen Maklerverbandes. Der griechische Geldadel wird währenddessen auffallend oft in den Büros von Londoner Edelmaklern gesichtet.

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