Hochrechnung Sparwillige Euro-Befürworter erreichen Mehrheit in Griechenland

Bei der Parlamentswahl in Griechenland ist die konservative Nea Dimokratia laut offiziellen Hochrechnungen stärkste Kraft und kann gemeinsam mit der sozialistischen Pasok eine Koalitionsregierung bilden. ND und Pasok wollen den Sparkurs fortführen. Das Linksbündnis Syriza konnte seinen Stimmenanteil knapp verdoppeln.
Schichsalswahl in Athen: Eine Parlamentsmehrheit von konservativer ND und sozialistischer Pasok würde eine Fortführung des Sparkurses bedeuten

Schichsalswahl in Athen: Eine Parlamentsmehrheit von konservativer ND und sozialistischer Pasok würde eine Fortführung des Sparkurses bedeuten

Foto: JOHN KOLESIDIS/ REUTERS

Athen - Nach einer ersten Hochrechnung kann die konservative Partei Nea Dimokratia mit 29,5 Prozent der Stimmen rechnen. Die ebenfalls proeuropäischen Sozialisten (Pasok) erhalten 12,3 Prozent. Beide Parteien können nach der Hochrechnung 161 der 300 Sitze im Parlament gewinnen, da die ND als stärkste Partei 50 Sitze als Bonus erhält.

Die Konservativen erklärten sich am Abend zum Wahlsieger und riefen zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit auf.

Konservative und Sozialisten hatten das umstrittene Sparprogramm durchgesetzt. Das Bündnis der radikalen Linken, das den Sparpakt ablehnt, kommt auf 27,1 Prozent und konnte seinen Stimmenanteil gegenüber dem Wahlgang Anfang Mai fast verdoppeln.

Die faschistische Partei Goldene Morgenröte schneidet mit 7 Prozent noch besser ab als bei der letzten Wahl am 6. Mai.

Die Konservativen sind nach den Worten eines hochrangigen Parteimitglieds bereit, mit jedem zu kooperieren, der für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone sei.

Mehrheit der sparwilligen Euro-Befürworter ist diesmal möglich

ND und Pasok wollen die Sparauflagen der internationalen Geldgeber zwar nachverhandeln, Veränderungen jedoch auf dem Wege der Verhandlung mit den Euro-Partnern erzielen. Beide Parteien wollen das Reform- und Sparpaket grundsätzlich fortsetzen. Allerdings erwarten sie von den Geldgebern Lockerungen und Aufschübe.

Eine Mehrheit von ND und Pasok war nach dem jüngsten Wahlgang in Athen nicht zustandegekommen, so dass ein neuer Wahlgang nötig wurde. Gelingt dies diesmal, dürften die europäischen Partner aufatmen.

Linksbündnis konnte Stimmanteil fast verdoppeln

Der eigentliche Wahlsieger steht unterdessen schon fest: Das Bündnis der radikalen Linken konnte im Vergleich zur Wahl im Mai (16,78 Prozent) seinen Stimmanteil nahezu verdoppeln.

Eine Parlamentsmehrheit für die Radikallinken und deren Verbündete wäre eine Hiobsbotschaft für die Eurozone. Die Radikallinken wollen das mit den Geldgebern vereinbarte Sparpaket einseitig aufkündigen.

Allerdings sind die Kredite des Euro-Krisenfonds EFSF und des Internationalen Währungsfonds IWF an Auflagen gebunden. Sollte Griechenland diese nicht erfüllen, werden weitere Zahlungen gestoppt, dann droht binnen weniger Wochen der Staatsbankrott.

Faschisten ziehen ins Parlament ein

Nach den Prognosen kann die faschistische Partei Goldene Morgenröte mit bis zu 7,5 Prozent der Stimmen rechnen - ebenso wie die populistische rechtskonservative Partei Unabhängige Griechen. Die Kommunisten kommen auf bis zu 6 Prozent.

Nach dem Wunder von Warschau, wo die griechische Fußball-Nationalmannschaft mit einem Sieg über Russland überraschend ins EM-Viertelfinale eingezogen war, hatten Gegner wie Befürworter des Sparpakts auf einen Sieg gehofft.

Die Euro-Retter streckten dem hoch verschuldeten Land kurz vor der Wahl noch einmal die Hand entgegen: Über die Laufzeit der Athener Sparprogramme könne noch einmal diskutiert werden - über die Inhalte aber nicht, zitiert das Magazin "Focus" aus der Umgebung des Eurogruppen-Chefs Jean-Claude Juncker.

Merkel fordert Versprechen ein

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierte keine Bereitschaft zu neuen Kompromissen. Europa könne nur funktionieren, wenn alle Mitgliedsstaaten sich an Haushaltsdisziplin hielten, sagte sie beim Landesparteitag der hessischen CDU in Darmstadt. Mit der bisherigen Praxis "Versprochen - gebrochen - nichts passiert" müsse Schluss sein. "So geht das in Europa unter keinen Umständen weiter."

Noch am Wahltag hatte der Chef der Konservativen, Antonis Samaras, versucht das Ruder herumzureißen. "Heute spricht das griechische Volk. Morgen beginnt eine neue Ära für Griechenland", sagte er im Fernsehen nach der Stimmabgabe in seiner Heimatstadt Pylos.

Mehr lesen über