Hellas-Wahl Notenbanken wappnen sich gegen Börsenschock

Die Griechenland-Wahl rückt näher. Sollten die Reformgegner gewinnen, stehen die Notenbanken weltweit bereit, um kollabierende Märkte notfalls aufzufangen. EZB-Chef Draghi verspricht, die Geldschleusen weiter zu öffnen. Die Bank of England will 100 Milliarden Pfund ins Bankensystem pumpen.
Börse in Frankfurt: Börsen könnten nach der Wahl in Griechenland auf einen Euro-Austritt des Landes spekulieren. Notenbanken würden dann weltweit intervenieren und die Märkte mit zusätzlichem Geld fluten

Börse in Frankfurt: Börsen könnten nach der Wahl in Griechenland auf einen Euro-Austritt des Landes spekulieren. Notenbanken würden dann weltweit intervenieren und die Märkte mit zusätzlichem Geld fluten

Foto: dapd

Washington - Mit der näher rückenden Griechenland-Wahl wächst an den Märkten und in der Politik die Sorge vor einem "Grexit". Der Ausgang der Parlamentswahl könnte Experten zufolge das Ende des Euro in Griechenland besiegeln, sollten sich die Spar- und Reformgegner durchsetzen.

Die weltweit wichtigsten Notenbanken stehen für diesen Fall am Wochenende bereit, um mögliche Marktturbulenzen an den Börsen zu bekämpfen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. In einer koordinierten Aktion würden sie massiv Geld in die Märkte pumpen und das Finanzsystem stützen. Sie würden damit die befürchtete Kreditklemme verhindern helfen, berichtet Reuters unter Berufung auf G20-Vertreter.

Die Aussicht auf eine Notenbank-Intervention stützte am Freitag den Dax. Bereits am späten Donnerstagabend hatten die Händler an der Wall Street mit Zukäufen reagiert.

"Das Euro-System wird weiter Liquidität bereitstellen, wenn das benötigt wird", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Freitagmorgen und ging damit indirekt auf die Marktgerüchte ein.

Reuters zufolge wollen die Finanzminister der Euro-Zone am Sonntagabend in einer Telefonkonferenz über das Ergebnis der Wahl beraten, das Bundesfinanzministerium dementierte dies allerdings. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, die Bundesregierung habe für Sonntagabend keine Krisengespräche mit den Euro-Partnern geplant und warte vorerst den Ausgang der Wahlen in dem krisengeschüttelten Land ab.

Die Hauptsorge sei das Risiko von größeren Kapitalabflüssen, sollte sich radikale Linkspartei Syriza eindeutig durchsetzen, sagte dagegen ein Euro-Zonen-Vertreter. Syriza lehnt die Auflagen der internationalen Geldgeber ab, will das Land aber dennoch im Euro halten. Gestern bekräftigte Parteichef Alexis Tsipras seine Entschlossenheit, die Hilfsbedingungen nach einem Wahlsieg zu kippen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verschob ihre Abreise zum G20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos am Sonntag um etwa zwölf Stunden. Aus Regierungskreisen verlautete, die Verschiebung habe "terminliche und reisetechnische" Gründe. Mit Ergebnissen der Wahl wird am Abend gerechnet.

Konferenz am Sonntagabend, Währungsinterventionen möglich

Um schweren Marktreaktionen entgegenzuwirken, sind auch Währungsinterventionen möglich. Japan und die Schweiz könnten eingreifen und ihre Währungen schwächen, sollten Anleger auf der Suche nach einem sicheren Hafen den Wert von Franken und Yen in die Höhe treiben.

Ein G20-Vertreter sagte, abhängig von der Heftigkeit der Reaktionen könnte am Montag oder Dienstag ein Krisentreffen von Ministern der Gruppe der sieben größten Industriestaaten (G7) angesetzt werden. Per Telefon könnten die Notenbanker zugeschaltet werden.

Der britische Finanzminister George Osborne erklärte am Donnerstag, als Reaktion auf die Lage an den Kreditmärkten würden die Regierung in London und die Bank of England zusammen handeln und neue geldpolitische Instrumente einsetzen. Dem Bankensystem könnten bis zu 100 Milliarden Pfund zur Verfügung gestellt werden, um damit die Kreditvergabe ankurbeln. Großbritannien werde in wenigen Wochen ein entsprechendes Programm auflegen, sagte Notenbank-Chef Mervyn King in einer Rede vor Londoner Bankiers.

rei/rtr
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