Starkes Ungleichgewicht Deutschland umwirbt Investoren aus China

Deutsche Unternehmen und Anleger investieren viel mehr Kapital in China als umgekehrt. Siemens-Chef Löscher und Wirtschaftsminister Rösler werben jetzt intensiv für mehr Investitionen aus Asien - und räumen zugleich mit einem Vorurteil auf.
Siemens in China: Konzern-Chef Peter Löscher wirbt für mehr chinesische Investitionen in Deutschland

Siemens in China: Konzern-Chef Peter Löscher wirbt für mehr chinesische Investitionen in Deutschland

Foto: REUTERS

Berlin - Die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft wollen mehr Investoren aus Asien und speziell aus China gewinnen. "Wir wollen mit dem Vorurteil aufräumen, dass diese Direktinvestitionen schädlich wären", sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler am Dienstag in Berlin. "Sie sind gewollt, sie sind gewünscht", unterstrich er ausdrücklich mit Blick auf China, Deutschlands drittwichtigstem Handelspartner.

Siemens-Chef Peter Löscher verwies auf krasse Missverhältnisse zwischen hohen deutschen Investitionen in Asien und China und vergleichweise kleinen Engagements in umgekehrter Richtung. Es gelte auch, Vorurteile und emotionale Vorbehalte gegen Investitionen Chinas in der deutschen Wirtschaft abzubauen.

Die deutsche Wirtschaft investierte nach Löschers Worten in den letzten Jahren 73 Milliarden Euro in Asien. Die asiatischen Direktinvestitionen in Deutschland beliefen sich aber nur auf 22 Milliarden Euro. Noch weit drastischer ist das Ungleichgewicht bei den Investitionen mit China. Während von Deutschland in der zweitgrößten Volkswirtschaft Investitionen von rund 22 Milliarden Euro zu Buche stehen, hätten private und staatliche chinesische Financiers von 2005 bis 2010 nur 775 Millionen Euro investiert, sagte Löscher.

Siemens-Chef Löscher: Die Chinesen begegnen uns auf Augenhöhe

Als Korrektur der starken deutschen Exportlastigkeit will Rösler die Initiative für mehr Investitionen aus China wenige Tage vor dem G20-Gipfel in Mexiko aber nicht verstanden wissen. Deutschland wird wegen seines hohen Handelsüberschusses immer wieder von internationalen Partnern kritisiert. "Den Schuh ziehen wir uns ausdrücklich nicht an", sagte Rösler. Die Exporterfolge seien vielmehr Zeichen der hohen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen.

Löscher wandte sich gegen die These, China gehe es bei Beteiligungen in Deutschland meist nur um Zugriff auf moderne deutsche Technologien. "Die Chinesen begegnen uns auch bei der Innovationskraft auf Augenhöhe", sagte der Chef des größten deutschen Technologiekonzerns.

Der China-Sprecher der deutschen Wirtschaft, Martin Brudermüller, ergänzte, die Volksrepublik werde für Deutschland immer wichtiger als Innovationspartner. China fahre seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung beständig hoch. "Ich glaube, die deutsche Wirtschaft kann bei dieser Entwicklung eine sehr gute Rolle spielen."

rei/rtr
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