Sonntag, 31. Mai 2020

Bankenkrise Zypern spekuliert auf Euro-Hilfe

Da war die Welt noch in Ordnung: Zum Euro-Beitritt geschmückte Zentralbank in Nikosia 2007

Die Zeichen verdichten sich, dass die Inselrepublik Zypern als vierter Euro-Staat unter den Rettungsschirm von EU und IWF schlüpft. Zwar versucht Brüssel den Eindruck abzuwenden, dies sei bereits unabwendbar. Doch es fehlt an alternativen Finanzquellen, um die Bankenkrise zu lösen.

Nikosia - Zypern braucht nach Einschätzung der EU-Kommission keine internationalen Finanzhilfen. "Wir sind zuversichtlich, dass Zypern die Herausforderungen überwinden kann", sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Montag in Brüssel. Völlig andere Informationen kamen dagegen aus der Inselhauptstadt Nikosia.

Wie es aus Kreisen des Finanzministeriums hieß, könnte die Regierung in Nikosia in den nächsten Wochen einen Antrag auf Unterstützung in Brüssel stellen. Beschlossen sei dies jedoch noch nicht. Es werde auch "nach anderen Lösungen gesucht", erfuhr die Nachrichtenagentur dpa weiter. Darunter sei ein Kredit aus einem Land außerhalb der EU. Staatspräsident Dimitris Christofias hatte bereits vergangene Woche nicht ausgeschlossen, dass Zypern unter den EFSF-Schirm schlüpfen könnte.

Die EU-Behörde reagierte ihrerseits auf einen Bericht der britischen Tageszeitung "Financial Times", wonach der Inselstaat Finanzhilfen von außen in Anspruch nehmen könnte. Das Blatt zitierte Zentralbankchef Panicos Demetriades, für die zweitgrößte Bank des Landes, die Cyprus Popular Bank, sei bis Ende des Monats eine Finanzspritze von mindestens 1,8 Milliarden Euro nötig. Der Vorsitzende der Bank, Michalis Sarris, hält ein Hilfeersuchen an die EU für realistischer als bisher. Es sei schwer zu erkennen, wo die Kapitalisierung herkommen solle, wenn nicht aus Europa, sagte er der Zeitung.

Hilfsantrag zeitgleich mit Übernahme der EU-Präsidentschaft?

Ende Juni läuft eine Frist der Europäischen Bankaufsicht ab, die allen systemwichtigen Instituten eine Kernkapitalquote von mindestens 9 Prozent vorschreibt. Spanien und Portugal haben deswegen milliardenschwere Staatshilfen an einige Banken bewilligt. Für griechische Banken sind 30 Milliarden Euro aus dem jüngsten Rettungspaket vorgesehen.

Das Problem Zyperns ist hauptsächlich der Bankensektor. Er ist eng mit den griechischen Banken verwoben. Ein Großteil aller Forderungen des zyprischen Bankensektors entfällt auf griechische Schuldner. Mit einer Entscheidung, an wen sich die Regierung in Nikosia wenden könnte, wird erst nach den Wahlen in Griechenland am 17. Juni gerechnet, wie es heißt. Das Problem ist delikat, denn Zypern übernimmt zum 1. Juli turnusgemäß für sechs Monate die EU-Amtsgeschäfte.

Christofias und seine Regierung hatten 2011 ein Sparprogramm eingeführt. Insgesamt sollen mehr als 600 Millionen Euro bis Ende 2012 gespart werden. Die Inselrepublik ist seit 2004 Mitglied der EU und war 2008 auch dem Euro-Land beigetreten. Zypern hat mit etwa 17,5 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung eine der kleinsten Volkswirtschaften der Eurozone. Bisher nehmen drei Euro-Staaten - Griechenland, Portugal und Irland - internationale Finanzhilfen in Anspruch.

ak/dpa-afx/dapd

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