Sonntag, 31. Mai 2020

Krise Soros gibt Euro-Land noch drei Monate

Kassandra: Investor George Soros sieht die Zeit für eine Lösung der Krise auslaufen

George Soros gibt Deutschland noch drei Monate, um für die Euro-Zone einen Ausweg aus der Krise zu finden. Danach, ist der US-Investor überzeugt, wird es für eine Rettung zu spät sein - und ein "verlorenes Jahrzehnt" für ganz Europa droht.

Hamburg/Trient - George Soros gibt Deutschland und Europa noch drei Monate Zeit, um eine Lösung für die eskalierende Schuldenkrise zu finden. Danach sei eine Rettung nach Ansicht des US-Großinvestors kaum mehr möglich.

Dabei hänge das Schicksal Europas nach Ansicht von Soros vor allem an Deutschland und der Bundesbank, "weil in einer Krise die Gläubiger im Fahrersitz sitzen und nichts ohne deutsche Unterstützung läuft", erklärte Soros am Wochenende während einer Wirtschaftskonferenz im italienischen Trient.

Zwar könnte es nach Einschätzung des legendären Hedgefonds-Investors in Griechenland doch noch für eine Mehrheit der Sparbefürworter reichen, da die Griechen zunehmend Angst vor den Konsequenzen ihres Handelns bekommen. Doch die Probleme Griechenlands seien nicht gelöst, selbst wenn das Land den Euro behalte und sich offiziell dem Sparkurs verpflichte.

Da Soros, wie viel andere Experten auch, jedoch mit einer weiteren Zuspitzung des Griechendramas im Herbst und einem gleichzeitigen Abkühlen der deutschen Wirtschaft rechnet, glaubt er nicht, dass die deutsche Bevölkerung dann noch zur Übernahme weiterer europäischer Lasten zu bewegen sei.

Direkte Hilfen aus dem ESM an die Banken

Um den Zusammenbruch zu vermeiden, plädiert Soros für ein simultanes Angehen der Banken- und Schuldenkrise. Unabdingbar ist seiner Ansicht nach auch ein Einlagensicherungsfonds für Europa sowie direkte Zugriffsmöglichkeiten für Banken auf den Euro-Rettungsfonds.

Auch die Regierungschefs von Frankreich und Spanien hatten zuletzt für direkte Bankenhilfen aus dem ESM geworben. Deutschland lehnt dies jedoch ab, da Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds nur gegen politische Reform-Zugeständnisse gewährt werden sollen.

Zudem müsse es Instrumente geben, die es hoch verschuldeten Ländern erlaubten, ihre Kreditkosten zu verringern, sagte Soros Wege dazu gebe es. "Aber für alle ist die aktive Unterstützung der Bundesbank und der deutschen Regeirung nötig", betonte er. Und die zu bekommen, sei schwer.Schließlich könne die deutsche Öffentlichkeit nicht verstehen, warum Sparmaßnahmen, die vor zehn Jahren in Deutschland funktionierte hätten, heutzutage nicht auch in Europa funktionieren sollten.

Die Folgen könnten allerdings enorm sein: So drohe die Schuldenkrise die Europäische Union zu zerstören und sie in "ein verlorenes Jahrzehnt" zu stürzen, wie es in den 1980er Jahren in Südamerika der Fall gewesen sei, warnte Soros.

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